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Erst Party - dann Filmriss?
19.12.2008  
Gefeiert wird in diesen Tagen nicht nur unterm Weihnachtsbaum und bei Sylvesterböllern - auch in Clubs und Diskos geht die Party ab. Doch besonders Frauen sollten beim Feiern eines nicht aus den Augen verlieren: ihr Glas!

Seit einiger Zeit schlagen die Frauennotrufzentralen Alarm. Immer häufiger wenden sich Frauen an sie, die nach Clubbesuchen, aber auch nach privaten Partys ohne exzessiven Alkoholgenuss einen plötzlichen Filmriss bekommen und sich im Nachhinein nicht mehr erinnern können, was am Vorabend oder in der Nacht geschah. Was bleibt, ist oft nur ein unheimliches Gefühl und ein dunkler Verdacht. Oft stecken so genannte K.O.-Tropfen hinter dem Mysterium, die besonders oft Frauen unbemerkt in ihr Getränk oder auch Essen gemischt werden, um sie dann willenlos sexuell zu missbrauchen oder aber zu berauben.
(c) by dbb jugend nrw
Aufgepasst! In Discos passiert es immer wieder, dass Frauen K.O.-Tropfen in den Drink gemixt werden
Foto: (c) by dbb jugend nrw
Hinter K.O.-Tropfen können sich unterschiedliche Substanzen verbergen, wie z.B. rezeptpflichtige Psycho­pharmaka, Narkotika oder Gamma-Hydroxibuttersäure (GHB, auch liquid Ecstasy genannt). Sie haben eine beruhigende, schlaf­anstoßende sowie muskelent­spannende Wirkung mit nachfolgenden Erinnerungs­störungen für die Zeit ab der Einnahme.

Die Wirkung von K.O.-Tropfen setzt innerhalb kürzester Zeit ein und dauert je nach Substanz und Dosis meist einige Stunden an. Sie können leicht unbemerkt verabreicht werden, denn sie sind fast geschmacks­neutral, sie riechen nicht und sind auch nicht zu sehen. Somit werden sie unbemerkt eingenommen. Weiterer Vorteil für die Täter: GHB wird innerhalb weniger Stunden bis unter die Nachweisgrenze abgebaut. Nach der Einnahme von K.O.-Tropfen bemerken betroffenen Mädchen oder Frauen meist nur, dass ihnen übel und schwindelig wird - so als hätten sie zuviel getrunken.

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Bereits vor dem Verlust des Bewusstseins machen die Tropfen willenlos und manipulierbar. Dennoch können betroffene Mädchen oder Frauen noch eine Zeit lang normal reden oder sich bewegen, ohne dass für Außenstehende ersichtlich ist, dass sie einen Blackout haben. Der Täter gewinnt dadurch - in öffentlichen Räumen verabreicht - Zeit, um sein Opfer an einen anderen Ort zu führen, bevor er das Verbrechen begeht.
Frauenberatungseinrichtungen berichten darüber, dass sich die Betroffenen niemandem anvertrauen - aus Angst, Scham oder auf Grund des geringen Erinnerungsvermögens - und nicht Anzeige erstatten. So zeigte eine Umfrage des Bundesverbands Frauen­beratungsstellen und Frauennotrufe, dass etwa nur jeder vierte Fall zur Anzeige gebracht wird. Dabei kann es bei allen Sexualverbrechen unter Einsatz von K.O.-Tropfen trotz der gestörten Erinnerung der betroffenen Mädchen und Frauen zu einer Verurteilung des Täters kommen.

Die Opfer sollten sich nicht schämen, zur Polizei zu gehen. Alleine die Betäubung einer anderen Person an sich ist strafbar und die nachfolgenden Taten können, gerade wegen des bewussten Einsatzes von Drogen, durch das Gericht als schwerwiegender gewertet werden.
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In Kneipen und Diskos sollte man seine Getränke
nie unbeaufsichtigt lassen
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Wichtig für eine mögliche Anzeige ist es, möglichst umgehend beim Arzt Blut- und Urinproben abzugeben, da die Substanzen nur für wenige Stunden nachweisbar sind. Dies kann von jeder Hausärztin / von jedem Hausarzt, aber auch in den Ambulanzen aller Krankenhäuser und in rechtsmedizinischen Instituten erfolgen.
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Wer bei Partyexzessen auf sich selber aufpassen möchte, der sollte jedoch auch wissentlich nichts einnehmen, was er nicht kennt. In den letzten Monaten war unter verschiedensten Bezeichnungen in diversen Medien von Drogen zu lesen, die für wenig Geld jedoch mit ungewissem Ausgang gekauft und eingenommen werden. „Grundsätzlich gilt immer, unbekannte Stoffe zu meiden“, erklärt Dr. Hans-Jürgen Hallmanns von der Stiftung für Prävention gegenüber der dbb jugend nrw. Bei jedem Medikament schaue man auf den Beipackzettel, jedes Nahrungsmittel müsse den kritischen Überprüfungen der Konsumenten standhalten, was Nahrhaftigkeit und Zusatz von Farbstoffen etc. anginge. „Wer unbekannte Stoffe, die unter verschiedenen Namen unterwegs sind, konsumiert, bringt sich in Gefahr“, weiß der Fachmann. Also: Vorsicht beim Feiern!