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Mit Pillen im Job immer voll dabei
03.03.2009  
Doping hat nicht nur was mit Hochleistungssport zu tun. Gedopt wird auch am Schreibtisch. Immer mehr verbreitet sich das Phänomen „Enhancement“ - Doping am Arbeitsplatz: Zur Leistungssteigerung greifen eigentlich gesunde Menschen zu Medikamenten für Demenzkranke, Depressive oder Kinder, die unter ADHS leiden - dem Zappelphilipp-Syndrom.
Jeder 20. Arbeitnehmer hat schon mal aufputschende, konzentrationssteigernde oder beruhigende Arzneien genommen, um im Job leistungsfähiger zu sein, so eine Studie der DAK Krankenversicherung. Permanenter Leistungsdruck, Müdigkeit, Stress und das Gefühl, nicht mehr mithalten zu können, führen dazu, dass rund 800.000 Menschen in Deutschland regelmäßig diese Medikamente als Doping einnehmen. Ihr Ziel ist es, auf Knopfdruck Höchstleistung zu bringen, nicht zu ermüden, schneller Zusammenhänge zu begreifen oder sich Dinge besser merken zu können. Sie wollen quasi Übermenschliches aus sich herausholen.

Das, was bei Menschen mit Schichtarbeiter-Syndrom - also exzessiver Tagesschläfrigkeit oder chronischen Schlafstörungen - helfen soll, verwenden gesunde Menschen, um über die normale Zeit hinaus voll aufnahmefähig zu bleiben.
(c) by Butterstulle / photocase.de
Arbeitnehmer greifen immer häufiger zu Pillen,
um im Job leistungsfähiger zu sein
Foto: (c) Butterstulle / photocase.de
Ein solches Medikament ist Modafinil. Bei Leistungssportlern zählt das Präparat bereits seit 2004 zu den verbotenen Substanzen. Denn bei der unerlaubten Einnahme wird verdrängt, dass neben der erwünschten Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können. Es kann sogar vorkommen, dass sich bei Dauereinnahme die kognitive Leistungssteigerung ins Gegenteil verkehrt. Hinzu kommen Risiken, eine Depression, Nervosität, einen zu hohen Blutdruck oder Schlafstörungen zu entwickeln.

Besonders unter Akademikern macht Enhancement laut der DAK-Studie die Runde. Das liegt nahe, denn das Phänomen an sich ist nicht neu. Bereits eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK) brachte ans Licht, dass es auch in Studi-Kreisen die Runde macht, sich mit Pillen aufzuputschen: Demnach sind zehn Prozent der Medikamente, die Studenten insgesamt verordnet bekommen, Psychopharmaka. Immer häufiger liegen neben Grippemitteln, Nasensprays und Salben also Antidepressiva auf dem Nachttisch.

Durch anonyme Bezugsquellen über das Internet, leichtsinnige Ärzte oder sorglose Apotheker kommen die Doper an die Mittel, die für Kranke ein Segen sind. 44,5 Prozent der Befragten gaben an, die Mittel ohne Rezept aus ihrer Apotheke bekommen zu haben. Erschreckend ist, wie locker die Bevölkerung zum Teil mit der Einnahme solcher Präparate umgeht. Vier von zehn Beschäftigten wissen, dass Medikamente gegen alters- und krankheitsbedingte Gedächtnisstörungen oder Depressionen auch bei Gesunden wirken können. Knapp 20 Prozent der Befragten akzeptieren Stimmungsaufheller, um Stress im Beruf und die Belastung am Arbeitsplatz besser aushalten zu können.

Eins darf man nicht vergessen: Wer sich zur Leistungssteigerung im Job dopt, der riskiert seine Gesundheit! Die Gefahr der Abhängigkeit ist unüberschaubar, Folgen schlimmer Erkrankungen durch Mischkonsum sind vorprogrammiert!