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dbbj nrw informiert sich über den Kampf der Ukraine gegen Drogen
07.07.2010  
Seit spätestens 1995 ist die Ukraine mit einer massiv um sich greifenden Drogensucht konfrontiert. Die Zahl der verstorbenen Drogensüchtigen beläuft sich Schätzungen zufolge auf etwa 120.000 pro Jahr. Zum Vergleich: in Deutschland kamen im vergangenen Jahr bei fast doppelt so vielen Einwohnern 1.331 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen ums Leben.

Sogar der Präsident des Landes Viktor Janukowitsch bezeichnete den Kampf der ukrainischen Sicherheitskräfte gegen den Drogenhandel als „unzureichend und vielleicht sogar kriminell“. Hierfür erbracht er kürzlich einen besonders effektvollen Beweis: Zu einer im Fernsehen übertragenen Regierungssitzung brachte Janukowitsch Ende Juni Kokain, Marihuana und illegale Medikamente mit, die seine Mitarbeiter in den vergangenen Tagen seiner Aussage nach problemlos im Internet kaufen konnten.
Um sich selbst ein Bild über die Herausforderungen im Umgang mit der zunehmenden Verbreitung von Drogen in der Ukraine zu machen, brach am 14. Mai eine 6-köpfige Delegation der dbb jugend nrw vom Düsseldorfer Flughafen in die Ukraine auf. Seit 2006 pflegt die dbb jugend nrw eine Partnerschaft mit dem Bund der jungen ukrainischen Staatsbediensteten in der Gebietsorganisation Tschernigiv. Die ukrainischen Kollegen hatten der Gruppe aus Nordrhein-Westfalen ein einwöchiges abwechselungsreiches und äußerst informatives Fachprogramm zusammengestellt.

Im Rahmen dieses Programms besuchte die Delegation verschiedene Therapiezentren, in denen vor allem junge Suchtpatienten behandelt werden. Dabei zeigte sich, dass in der Ukraine junge Menschen ganz besonders gefährdet sind, in die Drogensucht abzugleiten.


Schon am Flughafen in Kiew wurden die Mitglieder der
dbb jugend nrw stilsicher in Empfang genommen

Auch in Ripky wurden die Vertreter aus NRW gebührend empfangen - mit Brot und Salz
Auch fast 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der UdSSR ist die Ukraine noch immer in einer Phase des gesellschaftlichen Wandels. Zusammen mit den großen wirtschaftlichen Problemen des Landes und der hohen Arbeitslosigkeit führt dies zu fehlendem Halt und Per­spektivlosigkeit junger Menschen, worauf Drogen eine zumindest kurze Flucht aus der Realität versprechen.

Der renommierte ukrainische Drogenarzt Dr. Petro Seden nahm sich persönlich Zeit, um den Mitgliedern der deutschen Delegation in seinem Therapiezentrum die Zusammenhänge zwischen Drogenkonsum und dem Risiko einer HIV-Infektion zu erläutern. Seine Ausführungen interessierte die Mitglieder der Delegation besonders. Schließlicht widmet sich die dbb jugend nrw bereits seit 2008 verstärkt dem Thema Aids, um junge Menschen über die Gefahren der Ansteckung und Erkrankung mit dem HI-Virus aufzuklären.

Auch der Besuch von Nichtregierungsorganisationen, die sich vorrangig um Aufklärungs- und Präventivarbeit kümmern, stand bei den Vertreter der dbb jugend nrw auf dem Programm. Und bei allen Fachterminen legte der ukrainische Partnerverband großen Wert auf eine abwechslungsreiche Programmgestaltung. Neben zahlreichen offiziellen Terminen in Jugendzentren, der Stadtverwaltung in Kiew und Drogenzentren lernten die Mitglieder der Delegation auch viel über die Geschichte des Landes und der Menschen. Dazu ermöglichte der ukrainische Gastgeber zahlreiche Besichtigungen wie beispielsweise in Baturin, der historischen Hauptstadt der Ukraine.

Besonders in Erinnerung dürfte den Delegationsmitgliedern allerdings die persönlichen Begegnungen und die enorme Gastfreundschaft der Ukrainer bleiben. Dazu Delegationsleiter Markus Schallenberg: „Die Ukraine befindet sich in einer schwierigen Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung. Es ist daher um so erstaunlicher, dass die Menschen in der Ukraine trotz der eigenen großen Probleme einen mit einer so unglaublichen Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit empfangen, egal wo man hinkommt. Mir erscheint es als betrete man in dem Moment, in dem man nach seiner Ankunft den Flughafen in Kiew verlässt, ein Land mit 46 Millionen Freunden.“