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Drogenkonsum treibt wilde Blüten
04.04.2011  
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Drogen-Infopoint der
dbb jugend nrw
Immer wildere Blüten treibt in Deutschland der Drogenkonsum. Überwiegend junge Leute bringen sich unbedacht in Lebensgefahr, weil sie unbemerkt oder uninformiert Drogen konsumieren. Öffentliche Stellen wie das Bundeskriminalamt oder die Bundesapotheker­kammer schlagen Alarm, denn mit der eigenen Gesundheit sollte man nicht experimentieren.
Die Gesetzgebung hinkt immer einen Schritt hinterher, denn sie kann gefährliche Substanzen erst dem Betäubungsmittelgesetz unterstellen, wenn sie bekannt werden. Meist haben sie dann aber auf illegalen Märkten längst ihren festen Platz gefunden und die Gesundheit unzähliger junger Menschen ruiniert. Die Liste der Wirkungen, die Rauschmittel haben können, ist lang: Kreislaufzusammenbrüche, Vergiftungen, Psychosen, Zittern, Herzrhythmusstörungen, Krämpfe, Schweißausbrüche, Gedächtnisschwund oder neurologische Schäden sind unter anderem möglich. Oft stehen Jugendliche an der Grenze zum Tod.
Pflanzendiebe, die in Vorgärten Hortensientriebe ernten oder sich über Engelstrompeten her machen, hat die Polizei besonders im Auge. Fachleute wissen, dass diese Pflanzen als Marihuana-Ersatz genommen werden. Solche und andere Naturdrogen liegen im Trend. Was die jungen Konsumenten verdrängen: Sie sind zwar pflanzlich, aber keinesfalls harmlos. Schon oft kam es unter Einnahme solcher Rauschmittel dazu, dass sich deren Konsumenten selbst verstümmelten.

Etwa vier Prozent aller 12- bis 25-Jährigen, so gab die Apothekerkammer Nordrhein auf einer Tagung in Köln bekannt, haben schon Erfahrungen mit solchen Drogen gemacht. Naturdrogen enthalten unterschiedliche psychoaktive Substanzen, die je nach Pflanze und Standort stark in ihrer Intensität variieren können. Das macht sie zusätzlich gefährlich, denn die Jugendlichen wissen nie, in welcher Dosis sie die Giftstoffe gerade konsumieren.

Neuer Trend aus den USA: Die gefährliche Modedroge "Badesalz" wird wie Kokain geschnupft oder geraucht
Erst vor wenigen Tagen warnte auch die Bundesapothekerkammer offiziell davor, Pflanzen als Rauschmittel zu nehmen. Werden Hortensien zum Beispiel verbrannt, wird Blausäure freigesetzt. Die Konsumenten vergiften sich, wenn sie den Rauch einatmen. "Die möglichen Folgen reichen von Bewusstlosigkeit und Störungen des zentralen Nervensystems bis zum Tod", erklärt die Apothekervereinigung.

Doch auch vor immer wieder neuen synthetischen Drogen sollte man sich in Acht nehmen. Neu auf dem Markt der Möglichkeiten hat sich die Designerdroge "Badesalz" breit gemacht, vor dem das Bundeskriminalamt (BKA) und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, den Zeigefinger heben. Der Konsum so genannter "Legal High"-Produkte, die als "Badesalz", "Lufterfrischer" oder "Kräutermischung" deklariert und als angeblich legale Alternative zu herkömmlichen illegalen Drogen angeboten werden, sei gefährlich.

Die harmlos angebotenen Produkte enthalten jedoch meist ebenfalls Betäubungsmittel oder ähnlich wirkende chemische Wirkstoffe, die auf den bunten Verpackungen nicht ausgewiesen werden. Konsumenten rauchen, schlucken oder schniefen die Produkte zu Rauschzwecken. "Aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse müssen wir vor der missbräuchlichen Anwendung aller sogenannten 'Legal High'-Produkte dringend warnen", so Mechthild Dyckmans. Mit dem Konsum seien unkalkulierbare gesundheitlichen Risiken verbunden. Dem BKA wurden Fälle aus ganz Deutschland bekannt, in denen es nach dem Konsum von "Legal High"-Produkten zu Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen, Wahnvorstellungen, Muskelzerfall bis hin zu drohendem Nierenversagen bei den Konsumenten kam und sie in Krankenhäusern notfallmedizinisch behandelt werden mussten.

Besonders gefährlich und unkalkulierbar ist auch beim Konsum dieser Drogen, dass die Konsumenten nicht wissen, welchen Wirkstoff sie sich in welcher Konzentration zuführen. So können weder Wirkung noch Nebenwirkung der meist unerforschten Substanzen eingeschätzt werden.

Dazu erklärt Mechthild Dyckmans: "Die besondere Gefahr dieser Tabletten liegt in der verzögerten Wirkung dieser Wirkstoffe, die anders als bei den bisherigen Ecstasy-Tabletten erst nach etwa einer Stunde eintritt und weltweit bereits zu vielen Todesfällen unter anderem auch in Deutschland geführt hat." Die Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht schätzt darum diese neuen Rauschmittel als "Spice"-ähnliche Kräutermischungen auf Pflanzenbasis ein, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt werden und dadurch eine psychoaktive Wirkung entfalten. Dyckmans kündigte an, dass sie sie, sobald neue Zusammensetzungen bekannt werden, in Deutschland unverzüglich dem Betäubungsmittelgesetz unterstellen wird.