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Delegationsreise: Ausflug in ein anderes Leben
11.10.2011  
Kostenloses Internet überall - selbst in der Straßenbahn - mit dem Smartphone überall online gehen können. Das könnte man sich im Silicon Valley vielleicht vorstellen, aber in Russland wohl eher nicht. Ein Irrtum, wie sich bei der Austauschaktion der dbb jugend nrw zeigte: „Selbst in rappeligen, alten Straßenbahnen geht das“, schildert Christian Haefs seine Erlebnisse.

Wer an Russland denkt, denkt sicherlich nicht unmittelbar an Moderne und Fortschritt. „Es ist wohl ein Land, in das man sonst eher nicht so schnell fährt“, gibt auch Christian Haefs im Gespräch über die Erlebnisse der Austauschnahme dorthin zu verstehen. Trotzdem aber hat er sich der Gruppe angeschlossen - oder gerade deshalb. Sonst nämlich wäre er dorthin sicher nicht gereist, schon gar nicht auf eigene Faust.
Viele Besuche in öffentlichen Einrichtungen, private Kontakte zu Menschen, die in dem Land leben und Gespräche mit Politikern und Putin-Anhängern haben ein Bild von Russland gezeichnet, das der Wirklichkeit näher kommt als jeder Besuch als Tourist.

„Wir waren in einer Privatschule für betuchte Kinder in Uljanowsk. Da bezahlen die Eltern 600 Euro monatlich, was für russische Verhältnisse astronomisch ist“, erzählt Haefs. Die Delegation besuchte aber auch zwei öffentliche Schulen und konnte sich so unmittelbar eine Vorstellung von den Unterschieden in der Gesellschaft machen. Während die Privatschule erst vor drei Jahren erbaut wurde und wohlwollend ausgestattet war, platzte an den Gebäuden der öffentlichen Schulen von außen der Putz von den Wänden. Mit Blumen und Selbstgebastelten hatte man allerdings im Innern versucht, auch hier eine schöne Atmosphäre für die Kinder zu schaffen.

Vor ihrem Besuch in Uljanowsk verbrachten die sechs Mitglieder der dbb jugend nrw noch 3 Tage in Moskau

Christian Haefs war zum ersten Mal mit der dbbj nrw im Ausland - und direkt völlig begeistert
Russland zeigte sich aber auch in anderen Bereichen als Land der Gegensätze: Sehr verhaftet geblieben ist das Denken dort auch unter jungen Leuten im alten Rollenverständnis von Mann und Frau: Der Mann arbeitet und verdient das Geld, die Frau bleibt zu Hause und zieht den Nachwuchs groß. Dennoch gibt es viele Frauen, die studieren. Sie kümmern sich danach allerdings erst mal um die Familie. Dass Frauen Karriere machen und in Führungsetagen neben Männern anzutreffen sind, ist für die russischen Jugendlichen eine ungewohnte Vorstellung.

„Der Beruf des Lehrers ist in Russland eine reine Frauendomäne“, weiß Christian Haefs nach der Delegationsreise. Der Grund liegt auf der Hand: Trotz eines Studiums ist diese Tätigkeit nachher auf Hartz-4-Niveau bezahlt. Etwas besser verdienen nur diejenigen, die eine Professur anstreben.

Auf der zehntägigen Reise immer mit dabei waren junge Studentinnen und ein Student der Fremdsprachen­fakultät, die über ihre Aufgaben als Dolmetscher hinaus die sechsköpfige Delegation freundschaftlich begleiteten. Nachdem man sich erst einmal kennengelernt hatte, verbrachten sie selbst ihre Freizeit mit den neuen deutschen Freunden. Besonders in Erinnerung bleiben wird Christian Haefs der Abschiedstag, an dem plötzlich der junge Übersetzer einen Block zückte. Er hatte sich vorab hingesetzt und zu jedem der einzelnen Delegationsreisenden der dbb jugend nrw sehr persönlich Begebenheiten und Rückblicke der vergangenen Woche aufgeschrieben. Die begann er vorzutragen, musste aber nach kurzer Zeit den Block beiseitelegen, weil er der aufsteigenden Tränen nicht mehr Herr wurde. Ein enges Band hatte sich zwischen den zuvor fremden Deutschen und Russen geknüpft.

Während der 10-tägigen Reise entwickelten sich unter zuvor Fremden viele neue Freundschaften
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Nicht ohne Folgen: „Über Silvester werde ich wieder dorthin fliegen und dann privat dort unterkommen“, erzählt Christian Haefs. In ihm ist eine tiefe Begeisterung für das Land und seine Leute zurückgeblieben. „Die Flugtickets sind schon gekauft.“

Geplant hatte der 27-Jährige schon länger, sich einmal einer Austauschmaßnahme der dbb jugend nrw anzuschließen. „Ich war gespannt darauf, ein Land einmal nicht als Tourist kennen zu lernen, sondern einmal hinter die Kulissen gucken zu können“, erklärt Haefs. Das ist gelungen. Er würde immer wieder in Austauschmaßnahmen mit der dbb jugend nrw starten.

Unterstützt wurde die Reise der dbb jugend nrw von: