impressum kontakt drucken suchen
 
Startseite Die dbbj nrw Aktuelles Arbeitsfelder Seminare Fotoalben Downloads
Miteinander von Alt und Jung in China
24.06.2013  
Fotoalbum
>>>
Mehr Fotos im Album
Wie reagiert China auf die drohende Überalterung seiner Gesellschaft und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf das Miteinander von Alt und Jung? Dies sind nur zwei der Fragen, mit denen sich eine 7-köpfige Delegation der dbb jugend nrw auf ihrer Reise nach Hongkong, Guangzhou und Peking vom 5.-16. Juni beschäftigte.
Jede Gesellschaft ist dauerhaft auf ein funktionierendes Miteinander der Generationen angewiesen. Die demo­grafische Entwicklung in Deutschland - höhere Lebens­erwartung der Bevölkerung bei gleichzeitig rückläufigen Geburtenraten - macht deutlich, welches Konfliktpoten­tial zwischen den unterschiedlichen Alters­gruppen mit ihren jeweiligen Lebenswelten und Bedürf­nissen liegen kann. Wie sieben junge Gewerkschafter auf ihrer 12-tägigen Reise feststellen konnten, steht die Volks­republik China ihrerseits vor demografischen Heraus­forderungen, die die Entwicklung in Deutschland noch in den Schatten stellen. Was 1979/1980 erdacht wurde, um das explosionsartige Bevölkerungs­wachstum in China einzudämmen, schafft nun ganz neue Probleme: Durch die "Ein-Kind-Politik" der chinesischen Regierung durchläuft das Land einen beispiellosen Alterungs­prozess. Kamen im Jahre 1975 auf einen über 60-Jährigen sechs Kinder, so stehen eine Generation später einem einzigen Kind zwei Rentner gegenüber.

Unter der Leitung des ehemaligen Landesjugend-leiters Markus Schallenberg (3.v.l.) reiste eine
7-köpfige Delegation der dbbj nrw nach China
Schon jetzt ist absehbar, dass diese dramatische Entwicklung eine ganze Reihe von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen mit sich bringt, die sich nachhaltig auf die Gesellschaft sowie auf die Familien und das Leben der Einzelnen auswirken wird: Unterjüngung und Vergreisung, eine Generation von Einzelkindern, die Tendenz zur Kleinfamilie und zum "leeren Familiennest" sowie die Politisierung der Beschwerden benachteiligter Bevölkerungsgruppen.

In einer ganzen Reihe von Gesprächen mit Verantwortlichen vor Ort versuchten die sieben gewerkschaftlichen Jugendvertreter herauszuarbeiten, wie Dialog, Solidarität, wechselseitiges Verständnis und gegenseitige Unterstützung zwischen den Generationen gefördert werden kann. Hierfür besucht die Delegation unter der Leitung des ehemaligen Landesjugendleiter Markus Schallenberg vor allem Altenheime, Altentagesstätten sowie Stadtteilzentren und Freiwilligenagenturen. Dort erfuhren die Teilnehmer, dass insbesondere der Bereich der Freiwilligenarbeit in den vergangenen Jahren in China deutlich an Bedeutung und Notwendigkeit gewonnen hat.

Markus Schallenberg bei der Eröffnungszeremonie
der Zhongzi Wohltätigkeitsveranstaltung
Vor allem im sozialen Bereich setzt die chinesische Regierung zunehmend auf örtliche Freiwilligendienste, die in enger Verbindung zur lokalen Bevölkerung und deren Bedürfnissen stehen. "Freiwilliges Engagement ist in China zu einem wichtigen Motor der gesell­schaftlichen Entwicklung und Stabilität geworden", bringt Delegationsleiter Markus Schallenberg eine zentrale Erkenntnis der Reise auf den Punkt und ergänzt: "Von vielen freiwilligen Helfern wird hier unglaublich wichtige Arbeit geleistet, aber die Idee von Freiwilligenarbeit an sich wird hier in China doch noch mal ein bisschen anders interpretiert". So wird beispielsweise zur Förderung des Konzepts des freiwilligen Engagements unter Studierenden an der University of Science and Technology in Beijing die Absolvierung von 36 Stunden Freiwilligenarbeit während des Studiums kurzerhand im Curriculum festge­schrieben.
Der Besuch der Delegation, deren Mitglieder bis auf Geschäftsstellenleiter Markus Klügel alle zum ersten Mal im Reich der Mitte zu Gast waren, führte die Jugendvertreter aus NRW von Hongkong über Guangzhou im Süden des Landes bis in die Hauptstadt Peking. Neben einem fachlich-inhaltlichen Austausch nutzten die Gruppenteilnehmer auch die Gelegenheit, sich intensiver mit landestypischen Gepflogen- und Besonderheiten auseinander zu setzen. Alle bewiesen dabei Wagemut und die Bereitschaft, Neues kennen zu lernen und persönliche Grenzen auszuloten: Die einen bissen zum Frühstück beherzt in einen Hühnerfuß, andere probierten Taubenhirn und gegrillten Skorpion, wieder andere überwanden ihre Höhenangst bei einem Spaziergang über einen Glasboden auf dem 600 Meter hohen Kanton Tower oder kämpften sich in der Mittagshitze unzählige, teilweise extrem steile Stufen der Chinesischen Mauer hinauf, um oben - nassgeschwitzt aber glücklich - die tolle Aussicht genießen zu können.

Unterwegs im Namen der deutsch-chinesischen Freundschaft: jede Austauschmaßnahme der
dbbj nrw dient auch der Völkerverständigung
Mehr zum Thema
>>>
Besuch einer chin. Delegation in NRW 2012
>>>
Video-Interviews der China-Reisenden
>>>
Teilnehmerbericht
von Karen Altmann

>>>
Teilnehmerbericht
von Tabitha Henn
Die Belohnung für ihren Wagemut erhielten die China-Reisenden in Form von unvergesslichen Eindrücken, zahlreichen Abenteuerberichten über bestandene Heldentaten und vielen neuen Freundschaften. Trotz der vergleichsweise kurzen Zeit wuchsen chinesische und deutsche Gruppenteilnehmer einander so sehr ans Herz, dass am Abschiedsabend reichlich Tränen flossen und ein Wiedersehen fest vereinbart wurde.

Glücklicherweise wird es im nächsten Jahr schon soweit sein, wenn eine chinesische Delegation zum Gegenbesuch bei der dbb jugend nrw eintrifft und anderthalb Wochen lang NRW erkundet. Schon seit dem Jahr 2002 finden im jährlichen Wechsel Besuche zwischen dem gewerkschaftlichen Jugenddachverband aus NRW und dem Chinesischen Verband für Völkerverständigung statt. Und das Ziel der "Völkerverständigung" kann definitiv als erreicht bewertet werden.

Wenn man mit der dbb jugend nrw in die Ferne reist, mag man als Fremder ausländischen Boden betreten. Spätestens bei seiner Rückkehr verlässt man das Land jedoch als Freund.