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Ungewohnter Frühstücksanblick, aber viele warmherzige Erinnerungen
27.06.2013  
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Hongkong zum ersten Mal zu sehen, das kann schon ein Flash sein. Nichts aber war das für die siebenköpfige Delegation der dbb jugend nrw gegen das erste echt chinesische Frühstück in der Weltmetropole. Tabitha Henn berichtet für uns von kulinarischen Herausforderungen und unvergesslichen Augenblicken.
Entsetzen macht sich unter den neugierigen Besuchern aus Deutschland breit. Mit knurrenden Mägen hatten sie sich am Morgen nach dem zehn-Stunden-Flug nach China aus den Betten gepellt, um erst einmal ausgiebig zu frühstücken. Mancher konnte aber seinen Augen kaum trauen. Was eigentlich als besonders gast­freundliche Geste der chinesischen Gastgeber gemeint war, trieb vielen deutschen Delegations­mitgliedern das Grauen in die Glieder: Statt eines knackigen Müslis ragten Hühnerfüße aus den Schälchen. Statt frischem Aufschnitt und knackigem Obst gab es warme Speisen - so wie im fremden Land üblich. "Das hat mich echt geschockt", so schildert Tabitha Henn ihre ersten Eindrücke aus dem Partnerland. Allein die Tatsache, ohne Kaffee in den Tag starten so müssen, setzte der 27-Jährigen zunächst etwas zu. Ihr Lieblingsgetränk ist der stattdessen angebotene Pu-erh-Tee zwar nicht geworden, doch konnte sie sich nach der Spezialitätenauswahl am ersten Morgen dann später doch mit dem Essen und den Essgewohnheiten der Gastgeber anfreunden.

Essen mit Stäbchen will gelernt sein: Spätestens
nach zwei, drei Tagen hatten sämtliche China-Reisenden der dbbj nrw den Bogen raus
Essen kann so anders sein

"Meine Angst vor einer Zwangsdiät hat sich dann relativiert", so löst die junge Frau aus Remscheid das Schockerlebnis auf. "Zu Beginn habe ich vor allem mit der Schärfe gekämpft, aber das ging nicht allen so. Torsten Helbig zum Beispiel liebte es scharf", sagt Tabitha nach der Rückkehr. Immer habe es aber so viele verschiedene Speisen gegeben, dass jeder etwas finden konnte, was er mochte. Den ersten Kulturschock konnten darum alle überwinden, auch wenn Taubenkopf mit Hirn nicht jedem der Delegierten munden wollte.

Bei der Zhongzi Wohltätigkeitsveranstaltung in Guangzhou werden alte Menschen von
Freiwilligen mit Geschenken bedacht
Auf andere Art beeindruckend war das, was die Mitglieder der dbb jugend nrw über das Leben in China erfahren durften. "In Guangzhou haben wir erfahren, dass in China der Freiwilligendienst ganz anders verbreitet ist als hier", sagt die Deutsche. Hundert­tausende üben im Reich der Mitte Dienste in der Alten- oder Jugendhilfe aus. "Es gehört einfach in einem guten Lebenslauf dazu", erklärt Tabitha und bringt diese Tatsache aber in Zusammenhang mit der großen Population in China. In Guangzhou wurde die Gruppe von solchen Freiwilligen begrüßt. "Jeder bekam einen eigenen Volunteer zugeordnet, der uns sogar im Regen den Schirm gehalten hat", erinnert sich die junge Frau. Nach einer gemeinsamen Teezeremonie, die dort ein bedeutendes Ritual ist, wurde der deutschen Gruppe demonstriert, was so ein Freiwilligendienst in China bedeutet. Junge Menschen kümmern sich zum Beispiel neben ihrer Arbeit täglich um alte Menschen, deren Familien nicht mehr in der Nähe wohnen, oder die nur am Wochenende Zeit für sie finden.
Ein Augenblick purer Armut

"In einem Hinterhof haben wir die pure Armut gesehen", sagt Tabitha, immer noch bewegt von den Eindrücken. "Wir schauten in enge, stinkende Gassen. Auf der Straße stand ein Metzger, der dort Fleisch schnitt. Für uns ist das unvorstellbar", fährt sie fort. Mit der chinesischen Begleitung besuchten die Mitglieder der dbb jugend nrw einige alte Leute in alten, eng aneinander liegenden und ungepflegten Gebäuden. "Es ist mir jetzt noch genau im Gedächtnis, die Freude der alten Menschen über unseren Besuch zu sehen", erinnert sich die 27-Jährige. "Ich hatte Tränen in den Augen." Auch ein Besuch in einem Vorzeigealtenheim und einer einfachen Altenunterkunft berührte sie sehr. "Die alten Leute schliefen in Betten, ähnlich einer Art Gitterbox. Es war, als würden sie dort nur auf ihren Tod warten", so Tabitha.In krassem Gegensatz dazu lebte die deutsche Gruppe im "puren Luxus", wie Tabitha sagt. Sie hatte eher damit gerechnet, in einfachen Unterkünften wie zum Beispiel einer Jugendherberge untergebracht zu sein. "Das aber war nicht der Fall. Wir wohnten immer in erstklassigen Hotels."

Arbeit und Familie funktionieren anders
Als Gewerkschafterin war sie unglaublich beeindruckt von der Arbeitsleistung der Chinesen. Sie haben eine Arbeitszeit von acht bis 17 Uhr, doch nur fünf bis zehn Tage Urlaub im Jahr. Schon vor der Reise hatte Tabitha sich vorgenommen, mehr über die Arbeitszufriedenheit der Chinesen zu erfahren. Das aber gestaltete sich - wie vermutet - schwierig. "Sie sind ein Gesichts-wahrendes Völkchen und sagen aus Höflichkeit niemals ehrlich, was sie denken", sagt die Remscheiderin. Aber zwischen den Zeilen konnte man bei dem ein oder anderen hören, wie hoch der Druck in der Arbeitswelt ist. Da in China die Ein-Kind-Politik vorherrscht, ist es für Eltern besonders wichtig, dass das einzige Kind, das sie haben, etwas im Leben erreicht. Denn sie selbst wollen später durch das Kind versorgt werden. "Aus diesem Grund ist der Druck auf die Kinder schon recht hoch. Außerdem nehmen die Eltern Einfluss auf den Weg, den ihre Kinder beruflich nehmen", sagt sie.

Mit ganzem Herzen ließ sich Tabitha Henn auf die chinesische Kultur ein - und zeigte auch beim abendlichen Karaoke-Singen vollen Einsatz
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vor der China-Reise

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Miteinander von Alt
und Jung in China
Im Herzen nimmt sie die engen Freundschaften zu einigen der Chinesen mit nach Hause. Weinend standen die neuen Freunde aus dem fernen Land bei der Abreise da und verstanden über ihr emotionales Verhalten selbst fast die Welt nicht mehr. "Ich habe viele Kontaktdaten mit nach Deutschland gebracht und bisher schreiben wir uns oft. Ich bin sicher, dass ich den einen oder anderen wiedersehen werde", ist Tabitha überzeugt. Schon im August wird sich vielleicht ein erstes Wiedersehen organisieren lassen. Dann nämlich kommt eine der Chinesinnen nach Deutschland, um hier ihr Studium fortzuführen.