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Reise nach Russland ging unter die Haut
24.09.2013  
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Auf Einladung des Russischen Jugendverbands, mit dem die dbb jugend nrw schon seit 30 Jahren erfolgreich zusammenarbeitet, flogen sieben junge Gewerkschafter unter der Leitung von Sabrina Deiter (stellv. Landesjugendleiterin) vom 14.-22. September nach Russland. Dort beschäftigten sich die Jugend­vertreter vornehmlich mit dem Thema "Jugendliche und Drogen: Prävention und Therapie".

Im sog. "Föderalen Drogenkontrolldienst" in Twer konnten sich die deutschen Gruppenteilnehmer umfassend über Drogenpräventionsarbeit in Russland informieren. Die dort tätigen Fachkräfte hatten sich für den Besuch aus Deutschland gut vorbereitet und standen für sämtliche Fragen zur Verfügung. Auch vermeintliche Tabuthemen - wie sexuelle Aufklärungsarbeit oder AIDS-Prävention - wurden offen angesprochen und lebhaft diskutiert. Wie angehende medizinische Fachkräfte auf ihre Präventionsarbeit vorbereitet werden, konnten die Gäste aus Deutschland in einem Workshop mit Studenten dann am eigenen Leib erfahren. Kurzerhand wurden sie in die Gruppenarbeit eingebunden und fanden sich wenig später etwas unerwartet in der Rolle des Gruppensprechers wieder, um die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe an einem Flipchart zu präsentieren.

Drogenarbeit hautnah

Die Delegation der dbbj nrw um Leiterin Sabrina Deiter (4.v.r.) informierte sich in Russland über Drogenarbeit
Um sich über die medizinische Behandlung von drogengeschädigten Patienten zu erkundigen, wurde einem örtlichen Krankenhaus ein Besuch abgestattet. Auch hier hatten die russischen Gastgeber wenig Berührungsängste, steckten die verblüfften Gewerk­schafter spontan in sterile Kleidung und nahmen sie mit auf die Krankenstation. Und wer veraltete Technik und eher einfache Bedingungen erwartet hatte, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Zumindest das führende Kreiskrankenhaus in Twer steht deutschen Krankenhäusern in Sachen Ausstattung in nichts nach. "Ich habe in Deutschland schon altmodischere Geräte in Krankenhäusern gesehen", musste auch Gruppen­teilnehmerin Wiebke Heit zugeben, die selber als Verwaltungskraft in einem Kreiskrankenhaus in Dormagen beschäftigt ist.

Und was passiert mit ehemaligen Drogenabhängigen nach dem Entzug? Auch hierauf gab der russische Partner den Gästen aus Deutschland in seinem gut durchstrukturierten Fachprogramm eine Antwort. In der Stadt Kimry konnten die Jugendkräfte in einem Drogenrehabilitationszentrum, das von der orthodoxen Kirche finanziert wird, mit Fachkräften und ehemaligen Drogenabhängigen ins Gespräch kommen, um mehr darüber zu erfahren, wie Ex-Junkies in Gruppen- und Einzeltherapie die nötige Stabilität verliehen wird, um ein Leben ohne Drogen führen zu können. Auch Vertreter der örtlichen Selbsthilfegruppe "Narcotics Anonymous" standen für ein Gespräch zur Verfügung und berichteten umfassend über ihre Arbeit.

Völkerverständigung zum Anfassen

Auch mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwach­senen gab es während der neun Tage viele Begeg­nungen. Die Gruppe besuchte die Staatliche Universität Twer sowie die dortige Technische Uni und tauschte sich mit den Studentinnen und Studenten über Pro­gramme aus, die junge Menschen in Russland für eine gesunde Lebensweise begeistern soll. Und auch hier wurde nicht lange gefackelt: Als eine Folkloregruppe alte russische Tänze und Gesänge vorführte, bekamen die Gäste aus Deutschland kurzerhand eine private Tanzstunde und mutierten vom Zuschauer zum Mittänzer. Auch wenn man den deutschen Tänzern einen gewissen Trainingsrückstand anmerken konnte, machten alle eine gute Figur.

Schülerinnen und Schüler der "Schule 112" in Rschew tanzten und sangen für die Gäste aus NRW

Musikalisch und künstlerisch ging es auch an der "Schule 112" in Rschew zu, als die Schülerinnen und Schüler das Märchen mit der Rübe szenisch vorführten und "Sag mir wo die Blumen sind" vortrugen: samt und sonders auf Deutsch.

Gänsehautatmosphäre in Rschew

Das bekannte Antikriegslied von Marlene Dietrich war vermutlich nicht zufällig gewählt und stimmte die Gruppe schon auf den nachfolgend angesetzten Termin ein. Rschew war Schauplatz des härtesten, blutigsten und verlustreichsten Kampfes im 2. Weltkrieg. Von Dezember 1941 bis März 1943 lieferten sich hier Wehrmacht und Rote Armee erbitterte Stellungskämpfe. Die Zahl der Opfer war größer als in Stalingrad; genaue Angaben gibt es bis heute nicht. Im Gedenkzentrum für die blutigen Kämpfe in und um Rschew, der auch die Zivilbevölkerung der Stadt fast vollständig zum Opfer fiel, geht man von rund 800.000 gefallenen deutschen Soldaten sowie 2 Millionen auf russischer Seite aus.


In der Kriegsgedenkstätte in Rschew traf die Delegation aus Deutschland eine Zeitzeugin
Gänsehautatmosphäre kam auf, als eine alte russische Dame hinzukam und der Gruppe - auf Deutsch - von ihrer Vergangenheit erzählte. Als 8-jähriges Mädchen hatte sie die blutigen Kämpfe, den unvorstellbaren Schrecken und das entsetzliche Leid der 15 Monate andauernden Schlacht und dem bitterkalten Winter 1941 in Rschew mit Temperaturen von bis zu -30 Grad am eigenen Leib miterleben müssen. Gebannt und tief bewegt lauschten die Gruppenteilnehmer den Erzählungen der Zeitzeugin. Während der Blumen­niederlegung am russischen wie am deutschen Soldatenfriedhof in Rschew wurde kaum ein Wort gesprochen.

Unterwegs als Botschafter des eigenen Landes
Wie bei dem Besuch des Gedenkzentrums in Rschew fühlte sich die Delegation der dbb jugend nrw auch bei den offiziellen Treffen mit den Bürgermeistern, Stadtdirektoren und Gouverneuren in den benannten Städten ein wenig wie Botschafter ihrer eigenen Kultur, ihrer Geschichte und ihrer Nation. Und gerne nutzte sie die Gelegenheit, zu dem friedfertigen Umgang der beiden Länder einen ganz kleinen Teil beizutragen.
Videointerviews
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Wir haben die 7 Abenteurer am Ende der Reise nach ihren Eindrücken befragt
Jede Austauschmaßnahme mit jungen Menschen ist eine Investition in ein friedfertiges Miteinander der beiden Völker. Und die dbb jugend nrw freut sich schon darauf, ihren russischen Freunden bei deren Besuch in Deutschland in 2014 dieselbe Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit und Offenheit entgegenzubringen, die den sieben deutschen Jugendvertretern bei ihrem diesjährigen Besuch zuteil werden durfte.