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Als Ehrenamtler früher in Rente?
14.03.2014  
Jeder dritte Deutsche engagiert sich ehrenamtlich. Und obwohl es so viele tun, fürchten Vereine und Verbände, dass es weniger werden. Denn in Zeiten von Flexibilität und Leistungsdruck wird es für viele immer schwieriger, Freiräume für diese Arbeit zu finden. Darum starten einige Verbände nun einen neuen Anlauf, um für Edelmut und Engagement Anerkennung zu bekommen, die sich in Zahlen lesen lässt.

Früher in den Ruhestand gehen können, weil man viele Jahre neben der beruflichen Arbeit auch die Bürde des Ehrenamtes getragen hat - das ist die Vorstellung mancher Verbandsoberster. Auch die Politik versteht, dass viele eine solche Doppelbelastung allein für die Ehre nicht auf sich nehmen möchten. Die Furcht ist beiderseits groß, dass auf Dauer vor allem in Bereichen wie der Pflege, bei Rettungsdiensten und THW Menschen fehlen werden, die sich engagieren wollen.

Die Sorge der dbb jugend nrw reicht allerdings auch in andere Richtung. Immer häufiger dient das Ehrenamt bei verschiedenen Arbeitgebern als Sparschraube für das Einstellen von Fachpersonal. "Von Kooperationspartnern wissen wir, dass gerade in sozialen und pflegerischen Bereichen durch den Einsatz von Ehrenamtlichen Stellen eingespart werden", kritisiert die stellvertretende Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes, Sabrina Hauck. Dem nicht Vorschub zu leisten, müsse beim Schaffen neuer Anreize im Auge behalten werden.

Sabrina Hauck: "Gesellschaftliche Anerkennung ist zu wenig"

Doch auch was das Finden finanzieller Anreize für Ehrenamtliche angeht, hält die dbb jugend nrw den rechten Weg noch nicht für gefunden. Als Motivator, so der Vorschlag des Geschäftsführers des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW), Stephan Thomsen, könnte das Ehrenamt durch Rentenansprüche für die engagierten Helfer attraktiver gemacht werden. Nach einer 40-jährigen Tätigkeit würde man so eine zusätzliche Rente in Höhe von 140 bis 180 Euro erwarten können.

Die Idee von der früheren Rente
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Diesen Vorschlag warf er bereits Anfang 2013 in die Waagschale, blieb damit jedoch bei der Politik ungehört. Nun griff ihn der Präsident des Reservistenverbandes, Roderich Kiesewetter, in anderer Form wieder auf und forderte, Ehrenamtler sollen eher abschlagsfrei in Rente gehen dürfen. Die Politik zeigt sich angesichts solcher Ideen erneut zurückhaltend. Die Idee eines Rentenabschlags in Höhe von jährlich 3,6 Prozent sei nicht machbar, verlautbarte der Chef der Arbeitnehmer-Gruppe im Bundestag, Peter Weiß (CDU) in der Rheinischen Post. Er verstehe solche Vorschläge, äußert er weiter, doch fehle ihm das Finanzierungskonzept derer, die das fordern. Sabrina Hauck fühlt sich von solchen Argumenten geohrfeigt, weil sie selbst schon seit vielen Jahren ehrenamtlich tätig ist und viele Stunden Zeit unentgeltlich neben ihrer Arbeit investiert. "Derzeit vertraut die Politik hauptsächlich darauf, dass Ehrenamtler gesellschaftliche Anerkennung erfahren und damit zufrieden sind", sagt die stellvertretende Landesjugendleiterin.
40 Jahre Ehrenamt für die späte Anerkennung?

"Das ist nur ein Totschlagargument, auch in Zeiten mauer Kassen. Das Geld dafür ist schon da, es wird nur an anderer Stelle eingesetzt. Wir halten diese Idee für schwierig, weil sie Ehrenamtlichen erst zu einer späten Lebensphase einen Anreiz in Aussicht stellt", sagt Hauck. Betrachtet man die nackten Zahlen, die Wirtschaftsforscher Thomsen in den Ring geworfen hat, kommt man ins Grübeln: "Wer soll das schaffen, 40 Jahre lang - ohne Unterbrechung - in einem Verein Engagement zu zeigen, um dann als alter Mensch 180 Euro mehr monatlich zur Verfügung zu haben?", moniert sie.
(c) Coloures-Pic / fotolia.com
Die dbb jugend nrw spricht sich für die steuerliche Besserstellung von Ehrenamtlern aus
Für viel wichtiger hält sie es, einen Ansporn zu schaffen, der früher greift. Vom Prinzip her hält sie Ideen wie die Ehrenamtskarte, die auf Initiative der Landesregierung entstand und Vergünstigungen beim Einkauf und in der Freizeit bereithält, für ausbaufähig. Für den richtigen Weg hält sie Initiativen wie die 2013 gestartete Besserstellung von Ehrenamtlern durch höhere Steuerfreibeträge. Personen, die sich ehrenamtlich engagieren und dafür eine geringe Entschädigung erhalten, werden finanziell sowie von Melde- und Abgabenpflichten entlastet. Im Zuge dessen wurde die Pauschale für Aufwandsentschädigungen auf 2.400 Euro jährlich angehoben und die Ehrenamtspauschale auf 720 EUR.

Konstruktive Gespräche mit der Politik müssen her
Leistungen in vielen gesellschaftlichen Bereichen - von der Jugendarbeit angefangen über das Ehrenamt bei Kirche und karikativen Einrichtungen sowie dem Katastrophenschutz - sollten selbstverständlich neben einer monetären auch eine gesellschaftliche Wertschätzung nach sich ziehen. Denn schließlich profitiert die Gesellschaft auch von ihr.

Wie sehr, das zeigt sich zum Beispiel beim Katastrophenschutz. So steht man dort seit dem Wegfall der Wehrpflicht zunehmend vor dem Problem, nicht mehr genug Ehrenamtliche zu finden, die sich dort einbringen. Das könne man nur verändern, wenn Politik, Verbände und Gewerkschaften gemeinschaftlich an Konzepten arbeiten, die den Menschen, die sich dort und in anderen Bereichen ehrenamtlich engagieren, auch erreichen und ihnen einen direkten Profit bringen würden, betont Hauck weiter. "Ehrenamt nur für die Ehre, das ist zu wenig."