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Helfen - alles andere als einfach
11.07.2014  
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Ein schwerverletzter Motorradfahrer liegt nach einem Unfall auf der Straße. Viele fühlen sich allein mit dem Anblick überfordert und sind unfähig zu helfen. Wissen nicht einmal, was sie tun können. Nicht aber Vorstandsmitglied Jens Megier. Seine gute Tat führt ihn dauernd zu Menschen, die Hilfe brauchen.
Als Jens zwölf Jahre alt ist, führt ihn ein Schulfest in eine Grundschule in der Nachbarschaft. Ein vergnüglicher Tag nimmt seinen Lauf, bis Jens ein Kind sieht, das um Luft ringt und dringend Hilfe braucht. "Ich kann mich noch erinnern, dass das Kind beim Spielen ein Bonbon verschluckt hat. Beinahe wäre es erstickt, hätte es keine Hilfe vom Rettungsdienst bekommen", erinnert sich Jens.

Schlüsselerlebnis: Kind in Not


Es war der ehrenamtliche Rettungsdienst des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der zu der Großveranstaltung auf dem Schulhof routinemäßig im Einsatz war und in diesem Fall schnell und besonnen reagierte und damit ein Kinderleben rettete. Jens beeindruckte das so sehr, dass er noch auf dem Schulhof die Ehrenamtlichen anspricht und sich danach erkundigt, ab welchem Alter man sich freiwillig beim ASB engagieren kann.

Das war der Anfang. "Ähnlich wie bei der Jugendfeuerwehr habe ich beim ASB gelernt, wie man Unfallstellen sichert, oder wie man mit Verletzten umgeht", sagt Jens. Er absolviert einen Lehrgang zum Rettungshelfer. Als er 18 Jahre alt wird, ist er endlich alt genug, den Ausbildungsschein für den Sanitätsdienst beim ASB zu machen.
Seitdem ist er regelmäßig mit dem Rettungswagen zur Unterstützung bei Rettungseinsätzen mit dabei, ebenso wie bei Krankentransportfahrten oder bei Großveranstaltungen, bei denen sicherheitshalber Sanitäter angefordert werden. Früher in Mettmann, heute in Düsseldorf. Und Unterstützung ist dort dringend erforderlich: Von 2011 bis 2013 nahm die Zahl der Rettungseinsätze im Düsseldorfer Stadtgebiet um 2,3 Prozent zu; in 2013 stieg sie um weitere 3,3 Prozent. Genau 116.556 Einsätze wurden dort im vergangenen Jahr gefahren - dazu gehören Notfalleinsätze, Einsätze mit Notarzt sowie Krankentransporte.

Kontakt zu Schwerstverletzten
"Normale Blessuren gehören ebenso zu den Dingen, mit denen ich zu tun habe, wie Verletzte mit Schnittwunden, Kreislauf­problemen oder nach Unfällen", sagt Jens über die ehrenamtliche Arbeit, die er neben seinem Ehrenamt bei der dbb jugend nrw ausübt. "Mir kommt dabei meine Erfahrung als Lokführer zugute, denn auch in meinem Beruf habe ich hin und wieder Kontakt zu Schwerstverletzten", fügt er an.

Es ist ein Ehrenamt, das einen voll und ganz fordert, denn man sieht Menschen in Ausnahmesituationen, vollkommen hilflos, voller Schmerz oder peinlich berührt. "Schwierig ist, dass man sich nie wirklich auf eine Situation vorbereiten kann, die man vorfindet", sagt der dbbj-ler. Zu Schaffen macht ihm auch manchmal eine Tatsache, die manch anderes Mitglied der dbb jugend nrw durch den eigenen Job kennt: "Problematisch ist zudem, dass man als Rettungskraft manchmal gar nicht helfen kann, weil man selbst angegriffen wird", fährt er fort und erzählt von einem Vorfall, bei dem der ASB-Rettungsdienst auf einer Kirmes gerufen wurde. Ein Betrunkener hatte einem anderen Menschen eine Flasche auf den Kopf gehauen. "Als wir kamen, um zu helfen, konnten wir zunächst nichts tun, weil auch wir angegangen wurden", so Jens. Erst die Polizei konnte die Situation entschärfen.

Fährt regelmäßig auf dem Rettungswagen mit: Jens Megier
Wo es besonders schwierig wird

Dass Helfen auch eine zwiespältige Angelegenheit sein kann, zeigt sich für ihn in Situationen, in denen er Berührungspunkte zu Menschen hat, die sich versuchen das Leben zu nehmen. "Es ist dann menschlich sehr schwierig, weil ich versuchen soll, jemandem das Leben zu retten, der es selbst versucht hat zu beenden", räumt er offen ein. Gar nicht leicht falle ihm das zudem dadurch, dass er es selbst kaum verstehen kann, warum Menschen zu so einer Tat schreiten.

Trotz all dieser Erlebnisse ist das Ehrenamt beim ASB für Jens Megier eines wie jedes andere. "Helfen kann jeder, ich finde daran nichts Besonderes. Auch wenn einer dem anderen einen Koffer trägt, ist das Hilfe. Die Polizei für jemanden zu rufen kann auch bereits Hilfe sein", sagt er. Für Jens Megier ist seine gute Tat eine, die fortreicht. Auch weiterhin wird er einmal im Monat einen Dienst von zwölf Stunden beim ASB übernehmen. Schließlich kann jeder mal in eine Notlage geraten. Sei es durch einen Verkehrsunfall, eine Naturkatastrophe oder bei einer Großveranstaltung.