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August-Aktion der dbb jugend nrw: Junge Beschäftigte protestieren vor Staatskanzlei
28.08.2014  
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Hohe Krankenzahlen im Öffentlichen Dienst, Beschäftigte, die nur noch krank in den Ruhestand entlassen werden können, Burn-out-Fälle und Überlastung im Job: Den jungen Beschäftigten reicht es: Sie legten sich deshalb vor der Staats­kanzlei in Düsseldorf ins Lazarett.
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Öffentlicher Dienst: Erst schwer- behindert ist krank genug
Aus ganz NRW sind sie nach Düsseldorf gekommen. Junge Beschäftigte der Feuerwehr, der Kommunalverwaltungen, Lehrer, Zollbeamte, Pfleger und Beschäftigte von Bahn und Post haben sich symbolisch an den Tropf legen lassen. Für eine Stunde hat die dbb jugend nrw für ihre diesjährige August-Aktion dort unter dem Motto "Pflegefall Öffentlicher Dienst" ein Lazarett aufgeschlagen.

Aktenberge, Arbeitsverdichtung und Überlastung im Job: In vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes
ist das inzwischen Standard
Aktenschleppend laufen die jungen Beschäftigten wie Lastenesel bis obenhin bepackt mit Akten und Papierbergen hin und her, wuchten riesige Berge an Arbeit auf einen dort aufgestellten Schreibtisch. Wer zusammenbricht unter der Last, kann hier direkt ins Lazarett herübergebracht werden und wird dort - rein symbolisch - medizinisch versorgt. Es ist kein Zufall, dass die dbb jugend nrw heute an diesem Ort steht. Im August nämlich beginnt für viele junge Menschen ihre Ausbildung im Öffentlichen Dienst. "Viele Jugendliche starten guten Mutes und voller Neugier in eine ungewisse und belastende Zeit", sagt Jano Hillnhütter, Vorsitzender der dbb jugend nrw.

Denn Personalnotstand, hohe Krankenzahlen, der demografische Wandel und Überlastung am Arbeitsplatz sorgen dafür, dass vor allem die jungen Menschen in den Verwaltungen verheizt werden, bevor sie ihre feste berufliche Laufbahn überhaupt fokussieren können.
"Wenn es um Mehrarbeit oder Urlaubsverzicht geht, sind die jungen Beschäftigten oft die Leidtragenden. Sie sind aufgrund des Alters weniger oft krank, stecken Stresssituationen zumindest zu Beginn noch besser weg und hoffen auf eine spätere Übernahme und lassen darum eine Fünf eher mal gerade sein", fasst Hillnhütter die Situation zusammen.
Doch die Zahlen aus Gesundheitsberichten und in­ter­nen Erhebungen sagen ihnen eine furchtbare Zukunft voraus: Ein Fünftel der befragten Erzieherinnen und Erzieher leiden nach einer Studie des Instituts für Gesundheitsforschung der Kath. Hochschule Nordrhein-Westfalen so stark unter beruflichen Stressbelastungen, dass sie als Hochrisiko-Gruppe für Burn-out angesehen werden müssen. Jeder fünfte Lehrer geht laut Erkenntnis der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin krank in Pension, weil die Belastung im Job zu hoch ist. Auch in den Unikliniken fehlt es massiv an Mitarbeitern im Pflegebereich. Oft ist nur eine einzige Kraft in der Nachtschicht für 20 Patienten zuständig, die sich zwei Kollegen am Tag teilen. Und in manchen Kommunalverwaltungen fehlen zeitweise 20 Prozent der Mitarbeiter. Viele leiden unter Schlafstörungen, Er­schöpfung und Burn-out.

Rund 20 junge Mitglieder der dbb jugend nrw hielten vor der Staatskanzlei Mahnwache
Vor allem die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt immer weiter an, weil Mitarbeiter an ihrer Belastungsgrenze in zum Teil ohnehin harten und psychisch fordernden Berufen angekommen sind. Polizisten arbeiten ebenso wie Pflegekräfte oder auch die Feuerwehr im Schichtdienst. Das fordert sie körperlich und mental ohnehin schon enorm. "Oft müssen sie aber aufgrund von erkrankten Kollegen Doppelschichten einlegen. Besonders bei der Polizei ist es oft nicht möglich, entsprechende Erholungszeiten - wie sie eigentlich gesetzlich vorgeschrieben sind - zu gewähren", so Hillnhütter.

Empfing die Gewerkschafter zum Gespräch: Chef der Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense (Mitte)
Die jungen Beschäftigten sehen ihre Dienstherren in der Verantwortung. Denn bislang werde unberührt von steigenden Krankenzahlen einfach weitergemacht. Niemand forsche nach den Ursachen und betreibe Vorsorge. Dabei existieren schon jetzt Spielräume, die sich die Politik selbst geschaffen hat: „Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, den Mitarbeitern steuerfrei Beträge zur Verfügung zu stellen, die sie für die Verbesserung ihres allgemeinen Gesund­heits­zu­standes Gebühren für Fitnessstudio oder Rückenschule bezahlen oder Kurse zum Stressabbau besuchen. Doch von dieser gesetzlichen Möglichkeit mache in NRW kein öffentlicher Arbeitgeber Gebrauch.
"Schriftlich formuliert werden die Forderungen, in dieser Hinsicht aktiv zu werden, nun die Ministerpräsidentin erreichen und hoffentlich ein Umdenken in Gang bringen", äußert sich der Chef der dbb jugend nrw mit Blick in die Zukunft.