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Crushed Eis mit Kidneybohnen - wie Kultur anders schmecken kann
04.11.2014  
Video-Interview 
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Alle Teilnehmer der Reise im Video-Interview
Kaum vorstellbar: Tägliche Arbeitstage von 9 Uhr morgens bis 22 Uhr und Dessertkuchen, der mit Kohlenstaub gefärbt ist - das brachte Sabrina Rehbann als Delegationsleiterin mächtig ins Staunen und derweil auch ins Schwitzen. Und das nicht nur, weil es der heißeste Herbst seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Taiwan war.
Als wir mit ihr sprechen, hängt Sabrina Rehbann die Reise noch in den Knochen. So schnell wie sie mitten in das pulsierende Leben in Taiwan hineingeworfen war, so langsam krabbelt sie nach einer intensiven und mit Eindrücken vollgestopften Reise nun wieder in das normale deutsche Leben zurück. Denn kaum hatte sie in Taipeh den Flieder verlassen und war mit ihrer Delegation - acht weiteren Mitgliedern der dbb jugend nrw - die Gangway in den Flughafen entlanggerollert, als sie unerwartet schnell umschalten musste: "Ich war noch in Gedanken beim Verlassen des Fliegers, als ich schon nach vorne gezogen wurde, um unsere taiwanesischen Gastgeber zu begrüßen", sagt sie im Nachgang der Reise. Die standen dort mit liebevoll gestalteten Schildern "Willkommen dbb jugend nrw".

Fieberalarm auf dem Flughafen

Sabrina Rehbann mit dem Vizeminister des taiwanesischen Partnerverbandes der dbbj nrw
Das Wundern sollte jedoch nach der herzlichen Begrüßung andauern. Zu den Einreisevorgaben des Landes gehört das Fiebermessen am Flughafen. "Eine unserer Mitreisenden hatte offensichtlich eine leicht erhöhte Temperatur. Sie wurde verunsichert zur Seite genommen", erzählt Sabrina weiter. Doch die kurzzeitig aufflammende Sorge um die Gewerkschaftskollegin ebbte schnell wieder ab. "Sie bekam einen Mundschutz und konnte unsere Gruppe wie vorgesehen begleiten", so die Delegationsleiterin der dbb jugend nrw. Allerdings zeigte sich, dass das Frühwarnsystem der Taiwanesen hervorragend funktionierte. Am nächsten Tag lag die junge Deutsche mit Fieber und einem Infekt flach.
Das aber sollte der einzige gesundheitliche Zwischenfall bei der zehntägigen Reise bleiben und das, obwohl die Wetterumstellung den deutschen Delegierten einiges abverlangte: Denn seit Beginn der Wetteraufzeichnung präsentierte sich das asiatische Land mit den heißesten Temperaturen im Herbst: "35 Grad und eine furchtbar hohe Luftfeuchtigkeit", sagt Sabrina. Und das in ständigem Wechsel mit klimatisierten Bussen und Büroräumen, eine ziemliche Herausforderung für die Reisenden, die zu dieser Jahreszeit eher schon den Wollpulli und nieseliges Wetter kennen.

Als der Minister noch Delegationsmitglied war
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Neben den ungewöhnlichen Witterungsbedingungen gab es für die Mitglieder der dbb jugend nrw auch ungewöhnliche Begegnungen, wie zum Beispiel die mit dem Minister der Kommission für die Übersee-Chinesen und Auslands-Chinesen. Er war im Jahr 1982 selbst Mitglied einer Delegation, die zu Gast bei der dbb jugend nrw in Deutschland war und konnte davon berichten, dass heute alle damaligen Delegationsmitglieder in ranghohen Positionen in Taiwan tätig sind. Ein Abendessen auf Einladung des Vize-Ministers der Generaldirektion für Personalverwaltung des Exekutiv-Yuan war für die deutsche Delegation heute der Beweis dafür, wie wichtig man den Besuch des deutschen Partners in Taiwan nimmt.
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"Was wir bei diesem Abendessen kredenzt bekamen, hatten auch einige unserer taiwanesischen Begleiter niemals zuvor gegessen", erzählt Sabrina. Ihr jedenfalls nahm das den Schrecken nicht, denn während die meisten dbb-j-ler von allen Speisen probierten, stellte es für die Delegationsleiterin eine nicht immer überwindbare Herausforderung dar. "Beinahe bei jedem Essen gab es etwas sehr Schwabbeliges, das wohl Schweineschwarte war", sagt die junge Frau. Vergeblich wartete sie auf die anderen Teile des Schweins, die hierzulande eher verspeist werden. Und auch der freudig herbeigesehnte Nachtisch entpuppte sich für sie als Überraschung: "Es gab Crushed-Eis mit gesüßten Kidney-Bohnen". Noch jetzt wundert sie sich über die große Freude der Taiwanesen solch eine Leckerbissen zum Abschluss des Mahls angeboten zu bekommen. Auch ein weiterer Nachtisch bleibt den Delegierten als exotisch, aber immerhin als regionale Kost in Erinnerung: schwarzer Kuchen, der eigens mit Kohlestaub aus der Region versehen worden war.

Schock für die Gewerkschafter
Sabrina Rehbann beim Tee rösten: Auch das konnte man auf der Reise durch Taiwan lernen
In ganz anderer Hinsicht erstaunlich war für sie zudem die Erkenntnis, dass hierzulande vor allem von Gewerk­schaftern viel bezüglich der Arbeitsumstände, Gesund­heits­vorsorge oder auch Entlohnung von Mitarbeitern angestoßen und bemängelt wird, doch der Standard hier für einen Taiwanesen paradiesische Zustände bedeuten würde.

"Die Menschen arbeiten dort von morgens neun Uhr an und sind froh, wenn sie nachts um 22 Uhr zu Hause sind", so erfuhr Sabrina im persönlichen Gespräch mit einem der Dolmetscher, die die Gruppe begleiteten. Im ersten Jahr ihrer Beschäftigung haben sie keinen Urlaubsanspruch und auch im zweiten Jahr nur sieben Tage. Obwohl dann immerhin eine Woche Urlaubs­anspruch besteht, sei es nicht gerne gesehen, wenn Mitarbeiter diesen auch nehmen. Sie müssen dann mit der Frage ihres Vorgesetzten rechnen: "Hast du nicht genug zu tun?"
"Die Sichtweise ist dort eine ganz andere", berichtet Sabrina. Selbst der Vize-Minister unserer Partnerorganisation vor Ort berichtete ganz ohne Argwohn, die Beamten im Land hätten viel Urlaub. Dann nannte er eine akzeptable Zahl an Tagen. "Doch im Nachhinein stellte sich heraus, dass er die Wochenenden als Urlaubstage hinzugerechnet hatte", so Sabrina Rehbann.

Das Land, in dem ungenannte Wünsche in Erfüllung gehen

Unübertroffen wird ihr jedoch die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der taiwanesischen Freunde im Herzen bleiben: "Wenn wir eine Frage stellten und uns nach etwas erkundigten, nahmen es unsere Gastgeber gleich zum Anlass es als Bitte aufzufassen und das ganze Programm umzumodeln, nur um unseren Wünschen nachzukommen", erzählt Sabrina über ihre Erfahrungen.

Besonders beeindruckt hat sie ein Ausflug zum Sonne-Mond-See, zu einer Papierkirche, die aufgrund der häufigen Erdbeben ausschließlich aus Papier gebaut war, um sie nach einem Beben schneller wieder aufbauen zu können und der Besuch einer Teefabrik. "Wir konnten dort selbst einmal Tee rösten und haben anschließend an einer Tee-Zeremonie teilgenommen". Es sind unzählig viele Eindrücke, die sie im fremden Land gesammelt hat und nach der Reise weiß sie sicher: "Das hätte ich bei einer privaten Reise nach Taiwan nie erleben können."