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Mittendrin statt nur dabei - Besuch aus Israel in NRW
18.11.2014  
Der lang ersehnte Besuch einer Delegation aus Israel fand vom 3. bis 6. November statt und führte die Gäste an vier Tagen in sieben verschiedene Städte NRWs. Überall tauschte man sich konstruktiv zum Thema "Mittendrin statt nur dabei: Gesellschaftliche Partizipation junger Menschen" aus.

Seit 1976 besteht bereits die Partnerschaft zwischen der dbb jugend nrw und der ULAI (Union of Local Authorities in Israel), dem städtischen Gemeindebund in Israel. Seit jeher finden im jährlichen Wechsel fachliche Austausch­maß­nahmen in Deutschland und Israel zu jugend- und gesellschaftspolitischen Themen statt. Dieses Mal ging es um das Engagement junger Menschen in der Gesellschaft.

Eine 9-köpfige Delegation, bestehend aus Bürgermeistern, Direktoren von städtischen Jugendämtern sowie einem Mitarbeiter des Bürgerrats, zuständig für Jugendliche aus verschiedenen Gebieten in Israel, reiste am 3. November aus Israel nach Deutschland. Nachdem der ursprünglich für Juli geplante Besuch bereits einmal kurzfristig abgesagt werden musste, da die politische Situation vor Ort kein Verlassen ihres Landes für die Gäste zuließ, freute sich die dbb jugend nrw umso mehr, die Delegation nun endlich in Empfang zu nehmen.

Keine Zeit zu verlieren

Vier Tage sind nicht viel. Um den Gästen jedoch ein umfangreiches fachliches Programm zu bieten, waren alle Tage voll bepackt mit Terminen. Bereits am Ankunftstag machte sich die Delegation in Begleitung des Landesjugendleiters der dbb jugend nrw Jano Hillnhütter sowie der Geschäftsstellenmitarbeiterin Miriam Kiene auf den Weg nach Duisburg zum Empfang im dortigen Rathaus. Bürgermeister Manfred Osenger empfing die israelische Delegation sehr herzlich und nach einem kurzen Grußwort konferierten die Anwesenden intensiv über die gesellschaftliche Partizipation junger Menschen in Duisburg. Hierzu hatte sich eine Mitarbeiterin des dort ansässigen Jugendamtes dem Termin ange­schlossen und berichtete mit viel Herz über zahlreiche Projekte, bei denen beispielsweise junge Migrantinnen und Migranten Integrationshilfe für andere junge Menschen mit Migrationshintergrund anbieten. Auf persönlicher Ebene und vor allem auf Augenhöhe.

Auch Bürgermeister Osenger berichtete erfreut von einem Projekt zum Erhalt der Blumenpracht der Stadt. Dort hatten Senioren begonnen, Blumen in der Stadt zu pflanzen und viele junge Bürger Dortmunds hatten sich daraufhin den älteren angeschlossen und angefangen, ebenfalls Blumen zu pflanzen und sich so begeistert für den Erhalt des Stadtbildes und der Umwelt engagiert. Die israelischen Gäste zeigten sich sichtlich beeindruckt und diskutierten anschließend darüber, wie man junge Erwachsene weiter und mehr motivieren könne, sich gesellschaftlich zu engagieren.
Gleiche Herausforderungen in Deutschland und Israel

Anschließend waren die Delegation und ihre Begleiter in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf geladen. Auf Hebräisch tauschten sich die Gäste und zwei Lehrerinnen sehr angeregt über die Integration der jüdischen Einwanderer aus z.B. Russland aus, und die Schwierigkeiten - vermehrt durch Sprachbarrieren -, die damit zusammenhängen. Man war sich auf beiden Seiten schnell einig, dass derartige Probleme auch in Israel herrschen und verabredete sich zum zukünftigen gegenseitigen Dialog. Somit wurden hier neue Kontakte geknüpft und Anregungen gesammelt.

Jano Hillnhütter (3.v.r.) und Jens Megier (1.v.r) mit der Delegation beim Besuch in der Jüdischen Gemeinde
Zum Willkommens-Dinner kamen die Delegation sowie der Vorstand der dbb jugend nrw am Montagabend in Düsseldorf zusammen. Mit herzlichen Grußworten ließ man in gemütlicher Runde den Tag ausklingen.

Nach einem kurzen kulturellen Exkurs in Köln wurden die Gäste zu einem Arbeitsgespräch ins Rathaus der Stadt Köln geladen. Dort unterhielten sich die israelischen Bürgermeister und Jugendamtsvertreter mit Frieder Wolf - zuständig für Internationale Angelegenheiten der Stadt Köln - über die langjährigen Beziehungen der Stadt Köln mit Israel sowie viele vergangene Austauschmaßnahmen in diesem Rahmen. Auch hier ging es wieder vorrangig um die jungen Menschen der Stadt, die sich haupt- oder ehrenamtlich in die Pflege dieser Beziehungen einbringen.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Bonn empfing die Delegation mit einer ausführlichen Präsentation über die Arbeit ihrer Jugendabteilung. Im Gespräch stellte sich heraus, dass die bpb mehrmals im Jahr Exkursionen nach Israel durchführt, um den kulturellen Horizont von jungen Erwachsenen und Heranwachsenden zu erweitern. Dies sah man zum Anlass, auch in Zukunft in Kontakt zu bleiben.

Viele neue Erkenntnisse und Anregungen
Bei der Caritas-Stiftung in Kürten erfuhr die israelische Delegation mehr über ein Schulprojekt
Einen weiteren interessanten Termin nahm die Delegation bei der Caritas-Stiftung in Kürten wahr. Dort wurde von einer Mitarbeiterin des Senioren-Wohn­zentrums sowie zwei Schülerinnen über ein Projekt berichtet, das die evangelische und katholische Kirche in Kooperation mit der Gesamtschule in Kürten initiiert hatte. Das Projekt „Das kommt gut… an?!“ verpflichtet Schülerinnen und Schüler der Klassen 8-10, sich in Form von Nachmittags-Praktika für ein halbes Jahr in den örtlichen Jugendzentren, Seniorenheimen, Kinder­gärten etc. sozial zu engagieren. Die zwei Schü­lerinnen und auch Lehrer berichteten voller Freude und Elan von dem Projekt, ihrer Arbeit und wie viel Spaß ihnen das ganze mache.
Viele von ihnen verlängerten sogar freiwillig ihren Einsatz oder engagieren sich nun ehrenamtlich. Für die israelischen Gäste bot dieses Projekt viele Anreize und auch Antworten auf die Frage, wie man junge Menschen zu gesellschaftlicher Partizipation animieren könne.

Im Anschluss fand sich die Gruppe in Bergisch Gladbach im Rathaus ein, um dort zu einem Gespräch mit Bürgermeister Lutz Urbach zusammen zu kommen. Hier hatte sich der für Internationale Beziehungen und Jugend zuständige Kollege der Stadt angeschlossen, um sich mit den wissbegierigen Israelis auszutauschen, Ideen zu sammeln und Beziehungen für die Zukunft aufzubauen. Von einem Rathaus ins andere ging es weiter nach Mönchengladbach, wo die Gäste aus Israel freundlich in Empfang genommen wurden. 1. Bürgermeister Michael Schroeren bekundete sein Bedauern über die brenzlige Situation in Israel/Palästina und wünschte der Delegation alles Gute für die Zukunft. Um die Zukunft ging es auch im nächsten Termin in Mönchengladbach. Die israelischen Gäste bekamen einen genauen Einblick in den Jugendclub Westend. Die Leiterin der Einrichtung führte alle durch das Haus und berichtete über die qualifizierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie deren sprachliche, musikalische, künstlerische und kulinarische Förderung. Ausgelassen tanzte und sang die israelische Delegation im Musikraum, der mit aller Art Musikinstrumenten ausgestattet war.
Die dbb jugend nrw nahm diesen Termin auch zum Anlass, eine noch ausstehende Spende zu überreichen. Seit viele Jahren schon empfängt der Jugendclub Westend in Mönchengladbach die dbb jugend nrw und ihre internationalen Gäste, um über die Einrichtung sowie die Jugendarbeit vor Ort zu berichten. Daher lag es dem gewerkschaftlichen Jugend­dach­verband sehr am Herzen, eine so wichtige Institution finanziell zu unterstützen. Die Bewunderung über die gute Arbeit des Jugendclubs und deren Einrichtung war auch der Delegation deutlich anzusehen.

Vier Tage voller neuer Eindrücke, Erkenntnisse, Infor­ma­tionen, Freundschaften, Kontakte und Freude ver­gingen wie im Fluge. Alle waren sich einig, dass der Besuch beim nächsten Mal länger ausfallen muss. Die dbb jugend nrw heißt den israelischen Partner in jedem Fall wieder herzlich willkommen.


Miriam Kiene (li.) und Jenny Kampa (re.) aus der Geschäftsstelle der dbbj nrw überreichen dem Jugendclub Westend einen Spendenscheck