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Alle feiern - einer wacht
18.12.2014  
"Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht…" so heißt es im viel gehörten Weihnachtslied. In vielen Familien, deren Angehörige im Öffentlichen Dienst und seinen privatisierten Bereichen arbeiten, wird es ein Fest ohne Väter, Mütter, Töchter oder Söhne werden. Denn sie sind im Dienst für das Wohl der Allgemeinheit und wachen nachts. Wir haben uns umgehört und erzählen euch, wie sie Weihnachten erleben.

Weihnachten und Silvester werden als Familienfeste ganz groß geschrieben. Wer nicht mit seinen Angehörigen zusammen feiert, der tut das mit anderen Menschen, die ihm nahe stehen. Genau diese Tage, auf die sich viele Menschen freuen, stellt viele Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst jedes Jahr vor eine besondere Herausforderung, die ihr Beruf mit sich bringt. Ob bei Polizei, Feuerwehr, in Krankenhäusern und Unikliniken, bei der Post oder auch beim Ordnungsamt: Es gibt viele Berufe, in denen Menschen auch an Wochenenden und Feiertagen im Einsatz sind für andere.
Weihnachten: alle wollen mit der Bahn nach Hause

Jens Megier, Vorstandsmitglied der dbb jugend nrw, kann sich nur an ein einziges Weihnachtsfest erinnern, an dem er statt im Lokführerstand bei seiner Familie unter dem Weihnachtsbaum gesessen hat und das auch nur, weil er Urlaub genommen hat. "Bei der Deutschen Bahn AG kommen mehrere Dinge zusammen", erklärt er. Im Dezember greift in jedem Jahr ein europaweiter Fahrplanwechsel, zudem ist wegen der Feiertage dann auch eine vorausschauende Planung notwendig. "Denn wenn auch zum Teil im Nahverkehr die Taktung der Bahnen geringer ist, wird sie im Fernverkehr aufgestockt", sagt er. Denn zum Fest der Liebe legen viele Menschen oft große Strecken zu ihren Lieben zurück und das oft mit der Bahn.
(c) by Tobias Goldkamp / flickr.de
Wie erleben eigentlich die Kollegen im Öffentlichen Dienst Weihnachten, wenn alle anderen feiern?
Foto: (c) by Tobias Goldkamp / flickr.de
"Besonders in dieser Zeit verlangt uns der herrschende Personalmangel einiges ab", sagt Jens. Darüber machen sich die Fahrgäste in den seltensten Fällen einen Kopf. Viele, kritisiert der Lokführer, setzen nur voraus, dass sie von A nach B kommen. Für die Menschen, die dafür auch in der Heiligen Nacht oder an Silvester dafür die Verantwortung tragen, haben nur wenige einen Gedanken übrig. Das kennt auch Sedat Söndogu. Er ist auch an den Feiertagen als Briefzusteller unterwegs. "Kürzere Tage gibt es auch an Weihnachten nicht", sagt er. Acht Stunden ist er auf den Beinen und das bei Wind und Wetter.

Ordnungsamt - auch am 24. für den Bürger im Einsatz


Ebenso auch beim Ordnungsamt. Wenn die Mitarbeiter zum Beispiel in Aachen in Sachen Jugendschutz oder Lärm­beschwerden unterwegs sind, dann "weicht die Personalstärke an den Feiertagen nicht vom Regelbetrieb ab", sagen Ron-Roger Breuer und Horst Pütz. Ihr Beruf bringt es mit sich, dass sich an beinahe allen Tagen im Jahr Menschen verantwortlich zeichnen für Aufgaben, die das Ordnungsamt zum Beispiel zur Unterstützung hilfloser Personen leistet, ebenso wie auch in Sachen Gefahrenabwehr.

Im Uniklinikum Aachen ist wie auch in allen anderen Krankenhäusern nicht daran zu denken, über die Feiertage dicht zu machen. Vor allem in den sehr spezialisiert arbeitenden Universitätsbetrieben sind meist schwierigere Fälle untergebracht. Wer hier kurz vor Weihnachten auf der Herzstation eingewiesen wird, für den ist es mitunter lebensrettend in den darauf­folgenden Tagen engmaschig Hilfe und Herz­über­wachung zu haben. Bojan Hartmann schiebt schon seit ein paar Jahren immer an Weihnachten Dienst. "Mir ist es wichtiger, Silvester frei zu haben", sagt er zu seinen eigenen Vorlieben und so findet er sich im Schichtplan nach eigenen Wünschen in der Nachtschicht wieder.

In der Pflege gibt es keine Feiertage

Auch wenn natürlich besonders an den Festtagen danach geschaut wird, dass möglichst viele Patienten daheim bei ihren Angehörigen sein können, lässt sich das für andere auf keinen Fall verantworten. "Es gab Jahre, in denen waren alle 28 Betten auf der Station voll belegt", erinnert sich der 24-Jährige. Erst in den Tagen vor dem Fest zeigt sich, wie wahrscheinlich die Situation für das laufende Jahr sein wird. Doch bei allen medizinischen Notwendigkeiten hält im Gegensatz zu manch anderen Dienststellen im Öffentlichen Dienst Weihnachten auch auf den Klinikstationen Einzug. "Es sind vor allem Familienmütter, die dafür sorgen, dass es zu verschiedenen Festen wie auch an Halloween oder eben jetzt entsprechend geschmückt ist", sagt Bojan. An letztes Jahr kann er sich besonders gut erinnern. Da war die Familie eines Kranken an Weihnachten kurzerhand zum Feiern in die Klinik umgezogen. "Der Patient hatte von seinen Angehörigen einen Kuchen mitgebracht bekommen und als es etwas ruhiger war, haben wir ihn gemeinsam gegessen", erinnert er sich. Solch heimeligen Situationen finden sich jedoch zwischen Versorgungsstress und Personalnotstand selten.

Immer geraten Menschen in Not

Bei der Polizei weiß man - je nach Schichtmodell - bereits lange im Vorhinein, ob man an Weihnachten arbeiten muss oder nicht, erklärt Ines Tyborowski. Grundsätzlich wird immer versucht, die Pläne so aufzustellen, dass jeder Kollege in irgendeiner Weise Weihnachten feiern kann. Für viele ist der Kollegenkreis wie eine zweite Familie. "Der Dienstherr stellt einen Weihnachtsbaum auf, man macht sich kleine Geschenke oder versucht auf andere Weise, sich untereinander eine Freude zu machen und die Zeit schön zu verbringen." Meistens gelingt das sehr gut, sagt Ines.

Bei der Berufsfeuerwehr ist das ähnlich. Auch wenn stets ein Einsatz dazwischen kommen kann, versucht man hier an Weihnachten und auch an Silvester eine besondere Stimmung entstehen zu lassen. "Der Dienstplan wird schon ein Jahr im Voraus geplant, so dass jeder weiß, ob er arbeiten muss oder nicht und so noch genug Zeit ist, Dienste zu tauschen", erklärt Valentino Tagliafierro. Auf der Wache schafft man es trotz der Arbeit, ein wenig Weihnachtsstimmung herbeizuzaubern, was ähnlich wie bei der Polizei vor allem mit der ohnehin familiären Atmosphäre unter den Feuerwehrleuten zu tun hat. "Die Kollegen auf der Wache schmücken den Weihnachtsbaum und an den Festtagen versucht der Kantinier Wünsche bezüglich des Essens zu erfüllen, sogar wenn es Gänsekeule oder Kartoffelsalat mit Würstchen sind", erklärt Valentino.

Auch wenn das Einsatzaufkommen im Schnitt so hoch ist wie an allen anderen Tagen und auch an den Festtagen viele Leute im Dienst sein werden, versuchen die abrufbereiten Feuerwehrleute ein wenig Ruhe einkehren zu lassen. "Auf manchen Wehren kommen auch die Familien dazu", erklärt er eine Ausnahmeregelung, die nur für Weihnachten gilt.

Eine Ausnahmeregelung wahrlich. Jens Megier und viele andere Beschäftigte in den privatisierten Bereichen und dem Öffentlichen Dienst werden die Feierstunden alleine verbringen. "Viele realisieren gar nicht mehr, dass sie von einem Menschen gefahren werden. Auch wenn ich auf dem Gleis zu sehen bin, ist es selten, dass ich ein 'Frohe Weihnachten' höre."