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3,8 Mio. Überstunden bei Polizisten, Lehrern und Justizbeschäftigten
08.04.2015  
Wer sich über hohe Krankenstände bei den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst wundert, muss einfach mal einen Blick auf die kontinuierlich steigende Arbeitsbelastung werfen. Im Jahr 2014 haben Polizeibeamte, Lehrkräfte und Justizbedienstete die unglaubliche Zahl von 3.800.000 Überstunden aufgehäuft. Und dies keineswegs freiwillig.
Fast vier Mio. Überstunden haben die Landesbe­schäftigten in NRW im vergangenen Jahr angehäuft. Allein Polizisten, Lehrkräfte und Justizbedienstete haben zusätzliche 3,8 Mio. Stunden gearbeitet, ohne dafür einen Ausgleich zu erhalten. Die Zahlen nannte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans auf eine Anfrage der FDP im Landtag. Der damit verbundene Druck auf die Mitarbeiterschaft darf nicht unterschätzt werden. So fragen sich die Beschäftigten des Öffent­lichen Dienstes jetzt schon, wie das Arbeits­aufkommen noch zu bewältigen ist und wie man die Arbeitsgebiete krankheitsbedingt ausgefallener Kolleginnen und Kollegen noch mitgetragen soll. Hinzu kommt, dass sich die Personalsituation im Öffentlichen Dienst durch ausbleibende Wiederbesetzungen von Stellen in den letzten Jahren ohnehin geschmälert hat. Dass der demografische Wandel auch vor dem Öffentlichen Dienst nicht Halt macht, scheint logisch, wird aber bei der Personalplanung nicht berücksichtigt. Diese Faktoren führen zwangsläufig zu einer immer größer werdenden Mehrbelastung, die sich unter anderem in der Überstundenzahl widerspiegelt.
(c) by fotomek / fotolia.comDer Überstundenberg im Öffentlichen Dienst des Landes NRW wird von Jahr zu Jahr größer
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Doch dies ist alles kein Überraschungsei, das der Osterhase vergangenes Wochenende vor der Staatskanzlei abgelegt hat. Schließlich sind die 3,8 Mio. Überstunden nicht plötzlich aufgetaucht. In den vergangenen Jahren war bereits ein stetig wachsender Überstundenberg zu beobachten. Nicht minder irritierend ist in diesem Zusammenhang die Bekanntmachung von SPD und Grüne, die dieses Jahr 155 Mio. Euro bei den Stellen im Öffentlichen Dienst des Landes einsparen wollen. Frank Meyers, Beisitzer der Landesjugendleitung der dbb jugend nrw, zeigt sich verwundert über diese Berechnungsformel. "Einfach mal eine hohe Summe in den Raum schmeißen, die beim Landespersonal eingespart werden soll, halte ich für völlig irreführend und reißerisch. Der bereits jetzt bestehende Überstundenberg wird hierdurch nicht schrumpfen. Im Gegenteil: Man muss bei dieser Ankündigung davon ausgehen, dass Personalabbau betrieben wird und somit die Belastungen für die verbleibenden Beschäftigten weiter steigen. Das führt unweigerlich zu weiteren Überstunden."

Der Mitteilung von SPD und Grüne, einen Millionenbetrag einsparen zu wollen, um den Haushalt zu sanieren, muss natürlich die Frage entgegen gehalten werden, was dies für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet. Frank Meyers hierzu: "Wenn beim ohnehin nicht gepuderten Personalkörper der Lehrer oder der Steuerfahndung gespart werden soll, darf bei ausfallendem Schulunterricht oder steigenden Steuervergehen, denen nicht nachgegangen werden kann, die Ursache nicht bei den Beschäftigten gesucht werden!"