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Bürger sind mit Ämtern zufrieden - aber nicht überall
21.09.2015  
Eigentlich kein Grund zur Klage: Das Statistische Bundesamt hat in einer Umfrage herausgefunden, dass die Bürger im Schnitt mit ihren öffentlichen Verwaltungen zufrieden sind. Doch wer genauer hinschaut, der sieht die kleinen, aber entscheidenden Missklänge. Die spüren die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst Tag für Tag.

Der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Roderich Egeler, zieht ein positives Resümee: "Die Bürgerinnen und Bürger sind überwiegend zufrieden mit der öffentlichen Verwaltung in Deutschland." Das hat eine Umfrage ergeben, die ans Licht bringen sollte, wie einverstanden die Deutschen mit behördlichen Dienstleistungen sind. Dazu sollten die Befragten die Leistungen auf einer Skala von "sehr unzufrieden" (-2) bis "sehr zufrieden" (+2) bewerten. Im Schnitt bekamen die verschiedenen Ämter dabei die Note 1,06.

Wer in der Bürgergunst oben steht

Doch wer genauer hinschaut, dem eröffnet sich anderes. Auffällig ist nämlich, dass die Bürger immer dann, wenn sie eher mit angenehmen Anliegen die Behörde aufsuchen, ein besseres Urteil über den dort angebotenen Service, über Wartezeiten oder über die Fachkompetenz des Personals abgeben. Auch in Sachen "Zugang zu den richtigen Stellen" oder "Vertrauen in die Behörde", schnitten Stellen in wohlgelittenen Behörden wie Standesamt, Bürgerbüro oder Zulassungsstelle gut ab. Anders hingegen in den Ämtern, zu denen die Bürger bei finanziellen Problemen Kontakt haben. Diese bekommen eine deutlich schlechtere Beurteilung. "Das ist unter anderem ein Ergebnis dessen, dass es hier um existenzielle Dinge geht", sagt der Vorsitzende der dbb jugend nrw, Jano Hillnhütter.
(c) by Falko Matte / fotolia.com
Je unangenehmer der Sachverhalt, desto schlechter werden Ämter und Behörden vom Bürger bewertet
Die Folgen dieser schlechteren Grundstimmung be­kommen dann oft die Beschäftigten in diesen Bereichen zu spüren. Sie werden beschimpft, angepöbelt und haben zusehends mit mehr Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber zu tun. Handgreiflichkeiten und Bedrohungen schildern viele der Mitglieder der dbb jugend nrw. Sie werden angegangen, weil sie ihren Job tun. "Unsere Mitglieder sind am Arbeitsplatz oft gefährdet", weiß Hillnhütter.

Wo der Ärger vorprogrammiert ist

Zusammenhänge lassen sich vor allem in Arbeits­agen­turen und Jobcentern ablesen, die am schlechtesten in der Bürgergunst abschneiden. Genau von dort berichten die Mitarbeiter bereits seit langem über viele schwierige Situationen. Daran muss sich nach Auffassung des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes etwas än­dern.
"Hier ist die Politik gefragt", fordert Hillnhütter. Schon seit Monaten macht die dbb jugend nrw auf die steigende Zahl von Übergriffen auf Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes aufmerksam. Nun sei es an der Zeit, dass nicht mehr nur Lageberichte abgegeben würden, sondern auch gehandelt werde. Schon bei einem Treffen mit NRW-Innenminister Ralf Jäger zu Beginn des Jahres schlug ihm darum der Vorsitzende der dbb jugend nrw vor, sich der Sache ressortübergreifend anzunehmen. Geschehen ist indes nichts. Noch in diesem Jahr will die dbb jugend nrw die Gelegenheit nutzen, auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in einem persönlichen Gespräch die Problemlage zu verdeutlichen und politisches Handeln einzufordern.