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Flexible Flüchtlingshilfe - ohne feste Dienstzeiten
26.10.2015  
Nicht abbrechende Flüchtlingsströme sind eine Belastungsprobe für das ganze Land und in besonderer Weise für den Öffentlichen Dienst. Denn unzählige, die hier arbeiten, sind beruflich ohnehin in das Thema involviert. Andere melden sich freiwillig. Welche Belastungen und auch Probleme das mit sich bringt, lest ihr hier.

Wenn es darum geht, neu angekommenen Flüchtlingen zu helfen, ihnen zu sagen, wo sie schlafen können oder wo sie medizinische Hilfe finden, dann gibt es keine Wochenarbeitszeit und keine festen Dienstzeiten. Der immense Flüchtlingszustrom hat vieles umgekrempelt in Deutschland. "Vielerorts zeigt sich jetzt auch nach außen, wie flexibel die Verwaltung ist. Sie ist das durch die engagierten Menschen, die hier arbeiten", sagt Jano Hillnhütter, Vorsitzender der dbb jugend nrw.

Im Moment steht vieles Kopf: Verwaltungsbeschäftigte zerbrechen sich die Köpfe, wo sie noch Unterkünfte für die Hilfe­suchenden finden sollen. Sie stoßen an die Grenzen des Machbaren, wenn es darum geht, Turnhallen manchmal innerhalb weniger Stunden mit Rigipswänden zu Notunterkünften zu machen. Denn oft kommen die Informationen aus übergeordneten Behörden erst kurzfristig in den Kommunen an. Das zeigt, wie heiß man auch dort kochen muss.

Hoher Einsatz trotz liegenbleibender Arbeit  
Das zeigt sich ebenfalls vor Ort. "Manchmal ist bei Ein­treffen von Flücht­lings­zügen nicht klar, wie viele Menschen an Bord sind. Ein anderes Mal wartet man ganz ver­gebens und keiner kommt. Das ist schwierig, denn es braucht Ressourcen, die an anderer Stelle nicht zur Verfügung stehen", sagt Jano Hillnhütter. Nicht in der Flücht­lings­hilfe und auch in den Verwaltungen nicht, in denen die abgeordneten oder freiwilligen Helfer sonst beruflich eingesetzt sind.

Es ist eine außergewöhnliche Situation, seine ange­stammten Arbeitsbereiche einfach zu verlassen und da anzupacken, wo man gebraucht wird. Die Gründe dafür, dass die jungen Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes trotz der starken zeitlichen und mitunter auch psy­chischen Belastung motiviert mitanpacken zeigt, wie sehr sie sich mit ihrem Arbeitgeber - dem Staat - identifizieren.

Die aktuellen Flüchtlingsströme sind für den Öffentlichen Dienst eine Belastungsprobe
Mengenmäßig fehlen jetzt zwei komplette Finanzämter

"Aus dem Bereich der Finanzämter haben sich rund 500 Kollegen landesweit für eine Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe gemeldet", erklärt der Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes. 400 von ihnen werden in einem ersten Turnus dorthin abgeordnet, weil sie dort gebraucht werden. Wichtig sei es nun, aber auch in der Öffentlichkeit zu kommunizieren, welche Nachteile das für viele Bürger mit sich bringen wird. "Wenn ich Menschen in einem Bereich abziehe, wird es dazu führen, dass die Arbeit nicht in gewohntem Umfang ausgeführt werden kann", verdeutlicht Hillnhütter.
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In Bezug auf die Bearbeitung von Steueranträgen wird das konkret längere Bear­beitungs­zeiten bedeuten. In Summe wird derzeit das Personal von landesweit zwei ganzen Finanzämtern in die Flüchtlingshilfe abgegeben. In anderen Bereichen sieht das nicht anders aus. Ob Polizei oder die Bezirksregierungen, viele Verwaltungen beschäftigen sich zurzeit schwerpunkt­mäßig mit der Flüchtlingshilfe.

Bürger müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen

Die Remscheider Ausländerbehörde kann aus Über­las­tungs­gründen den schon seit vielen Jahren in Deutsch­land lebenden Ausländern zeitnah keine Termine mehr vergeben. In einer öffentlichen Be­schluss­sache der Stadt wird deutlich, dass statt weniger Tage nun eine Wartezeit von acht bis zehn Wochen notwendig ist - und das trotz der Schaffung zweier überplanmäßiger Stellen. Auch in anderen Städten und Ver­wal­tungs­bereichen sieht es ähnlich aus.

"Wir machen, so viel wie wir können, und arbeiten ent­gegen aller Vorurteile auch samstags oder sonntags", so schildert Hillnhütter das, was er seit Wochen von vielen jungen Beschäftigten aus dem Öffent­lichen Dienst hört. Sie arbeiten zum Teil auf dem Zahnfleisch, weil ohnehin zu wenig Beschäftigte da sind und man unter dem von Arbeitgebern ermittelten Stellen­soll ist. Doch bei allem Engagement ist klar, dass das nicht auf Dauer in diesem Umfang leistbar ist.