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Besonderer Austausch: Besuch in Kapstadt und seinen Slums
23.11.2015  
Seit 15 Jahren gibt es zwischen Aachen und dem südafrikanischen Kapstadt eine besondere Verbindung. Jährlich tauschen Mitarbeiter aus der Kommunalverwaltung ihren Arbeitsplatz für einige Zeit gegen den in der Fremde. Gerade erst ist komba-Mitglied Ron-Roger Breuer zu seinen Kollegen vom Ordnungsamt in Kapstadt gereist. Hier lest ihr, was er dort erlebt hat.

Zwölf Stunden Flug sind es bis Kapstadt, der zweitgrößten Stadt Südafrikas. Diese Strecke legte erst im August der 58-jährige Eddie Scott zurück. Er kam über ein Austauschprojekt zwischen der Stadt Aachen und Kapstadt nach Deutschland, um die Arbeitsweise des Ordnungsamtes hierzulande kennen zu lernen. Schon da wusste Ron-Roger Breuer, dass er in wenigen Wochen die Gelegenheit haben würde, selbst Erfahrungen in einer südafrikanischen Verwaltung zu machen. Sein Einsatzbereich: Law Enforcement, was nichts anderes ist als das Ordnungsamt in Kapstadt.

Private Sicherheitsfirmen patrouillieren neben Ordnungsamt
"Das Gebäude, in dem der Bereich untergebracht ist, erinnerte mich sehr an Deutschland", sagt Ron-Roger Breuer. Ganz anders hingegen die Arbeit auf der Straße. "Der innere Stadtbereich ist super-sicher und sauber. Wir haben nur hier und da kleine Diebstähle beobachtet. Die Präsenz durch kommunale Mitarbeiter und private Sicherheitsfirmen, die von den Geschäftsleuten bezahlt werden, ist hoch", erzählt Ron-Roger. Zusätzlich sorgt massive Kameraüberwachung für Sicherheit. "Es ist ein bisschen wie bei Big Brother. Über 80 Bildschirme wird überwacht, was da passiert", erzählt er weiter.

Ganz anders jedoch zeigte sich die knapp vier Millionen Einwohner große Metropole in den Außenbezirken - den Townships. Der Weg dorthin führt über die Autobahn. Plötzlich reißt die aufgeräumte städtische Kulisse ab und durch Holzzäune am Fahrbahnrand wird der Blick frei auf die Slums. Drastisch zeigt sich hier das Gefälle zwischen betuchtem Mittelstand und krasser Armut. Auf staubigen Boden gebaute Wellblechhütten reihen sich aneinander. Zwischen Müll und den Randstreifen der Autobahn sieht man spielende Kinder. "Die Menschen laufen auf der Autobahn herum oder fahren auf der offenen Ladefläche eines Pick-ups umher", schildert er seine Eindrücke.

Bei seinem Besuch in Kapstadt traf Ron-Roger Breuer auch Bürgermeisterin Patricia De Lille
In Slums verloren seit Jahresanfang 60 Polizisten ihr Leben

Ron-Roger Breuer im Kreise seiner
südafrikanischen Law Enforcement-Kollegen
In den Armenvierteln Südafrikas, die während der Apartheid gegründet wurden, lebt ein großer Teil der schwarzen und farbigen Bevölkerung. "Hier gibt es kein Sozialsystem und Korruption ist allgegenwärtig. In den Townships gibt es keine Kontrolle", sagt Ron-Roger Breuer. Wie sich das für die Mitarbeiter des Ordnungs­amtes anfühlt, erlebt er dort, als er mit Eddie Scott durch die Straßen patrouilliert. Mit Razzien versuche man die Probleme dort in den Griff zu bekommen. Auf offener Straße wird gedealt und gestohlen. "Zum Teil kann man die Townships zwar betreten, zum Teil aus Sicher­heits­gründen auch nur mit dem Auto befahren", erzählt der Aachener Kommunalbeamte. Immer trägt er eine kugelsichere Weste. "Denn seit Anfang des Jahres sind dort 60 Polizisten erschossen worden", weiß er. Den Menschen hier fehlen Perspektiven. "Man kann immer noch die Apartheid spüren."
Zurück in der Innenstadt fühlt sich Ron-Roger Breuer wieder sicher. "Es erdet einen, einmal da gewesen zu sein. Man weiß dann die Vorzüge unseres Sozialsystems zu schätzen", resümiert er. Denn auch beim abendlichen Rundgang durch Kapstadts Innerstes treffen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf befremdliche Situationen: "Eine Frau schickte ihr Kind barfuß zum Betteln durch die Straßen. Uns schrie sie an: 'Wenn ihr mir die Kinder wegnehmt, bring ich sie um'". Was Ron-Roger Breuer an diesem Fall lernt: Man geht sehr routiniert mit solchen Situationen um. Schnell hat ein Sozialarbeiter sich der Frau angenommen. Doch im Vergleich zu deutschen Verhältnissen fehlt es dort an kurzzeitigen Unterbringungsmöglichkeiten für die Kinder.

Die private Seite der Reise
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Neben aufregenden Eindrücken am Tag gab es auch entspannte am Abend. Wir sind unglaublich lecker essen gegangen, Eddie Scott hat mir die unterhaltsame Seite der Stadt gezeigt und an einem Abend gab es auch ein typisch süd­afri­kanisches Barbecue bei ihm zu Hause. "Im nächsten Jahr treffen wir uns zu einer Sicherheitskonferenz in London", erzählt Breuer. Der Draht zwischen den beiden Ordnungsamtsmitarbeitern wird also nicht abreißen. "Ich fahre dann auch privat wieder zu ihm und er kommt hierher."