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Leidenschaftlicher Austausch zum Thema Migration
24.11.2015  
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Als die dbb jugend nrw Mitte 2013 das Thema für die Austauschmaßnahme mit ihrem ukrainischen Partnerverband festlegt, der gute zwei Jahre später nach NRW kommen soll, ahnt noch niemand, wie hochaktuell und heiß diskutiert die Thematik dann sein würde. So kamen sie genau zum richtigen Zeitpunkt, die sieben Fachkräfte aus der Ukraine, die vergangene Woche mehr über das Themenfeld "Migration/Integration" erfahren wollten.
Hochspannend und ganz nah am Zeitgeschehen waren die vielen Gespräche und Begegnungen, die die dbb jugend nrw für ihre ukrainischen Gäste in der Woche vom 16.-23. November arrangiert hatte. In der momen­tanen Flüchtlingssituation in Deutschland und Europa waren viele Fragen rund um die Themen Migration und Integration so aktuell wie selten zuvor. Manch eine der Organisationen, bei denen die dbb jugend nrw im Vorfeld für einen Besuchstermin angefragt hatte, musste gar abwinken, weil schlichtweg die Arbeitsbelastung zu hoch war, um nebenher noch wissbegierige Gäste zu empfangen. Und die hatten in der Tat viele Fragen mitgebracht. Eine hochkarätige Mannschaft von Fach­kräften hatte der ukrainische Partnerverband nach Nordrhein-Westfalen entsandt, um das Thema intensiv und fachkundig diskutieren zu können.

Situation der jungen Migranten im Fokus

Die Landesjugendleitung der dbb jugend nrw freut
sich über den Besuch von Gästen aus der Ukraine
Insbesondere die Situationen der jugendlichen Migranten bzw. der jungen Asylbewerber und der minderjährigen Flüchtlinge standen im Fokus der Betrachtungen. Hierfür nahmen die ukrainischen Fachkräfte, die in der Ukraine ebenfalls reichlich Berührungspunkte mit dem Thema Migration haben, unter anderem die Arbeit des Jugend­migrations­dienstes des Aachener Caritasverbandes ausführlich unter die Lupe. 15 Mitarbeiter/innen sind hier insgesamt im Migrationsdienst beschäftigt und allein acht von ihnen kümmern sich ausschließlich um Geflüchtete. Häufig können sie direkt selber helfen, oftmals vermitteln sie die Hilfesuchenden auch weiter an die entsprechenden Stellen.

Eine dieser Stellen ist beispielsweise das Café Zuflucht, einer Beratungsstelle, die ein spezielles Büro für minder­jährige unbegleitete Flüchtlinge unterhält, dem die Gruppe aus der Ukraine ebenfalls einen Besuch abstattete. Wie stark die Nachfrage nach Beratung gestiegen ist, wird hier deutlich, als die zuständige Mitarbeiterin Juliane Hoppe den ukrainischen Fachkräften einen Einblick in die Statistik gibt: "Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 450 unbegleitete Flüchtlinge beraten. In diesem Jahr sind es zum jetzigen Zeitpunkt bereits über 700."

Integrationsarbeit mit Herz und Leidenschaft

Heidemarie Ernst von der Stadt Aachen (li.) hielt ein flammendes Plädoyer für eine offene Gesellschaft
Mit besonders viel Leidenschaft, Enthusiasmus und Fachwissen wurde das Thema Migration im Kommu­nalen Integrationszentrum der Stadt Aachen diskutiert. Heidemarie Ernst, die Integrationsbeauftragte der Stadt, nahm sich zweieinhalb Stunden Zeit, um sich mit viel Innbrunst und Begeisterung zur Fürsprecherin für das Zuwanderungsgesetz und die Asylpolitik der Bundes­republik Deutschland zu machen. "Das Geheimnis unseres wirtschaftlichen Erfolgs und des Friedens mit den anderen Nationen in unserer Nachbarschaft ist unsere offene Gesellschaft", machte Ernst ihre Position ganz klar und stieg in eine intensive Diskussion mit den Fachkräften aus der Ukraine ein. Asyl- und Migrations­politik funktioniert dort nach gänzlich anderen Regeln und Maßgaben wie eine Delegation der dbb jugend nrw im vergangenen Jahr feststellen konnte, die zum gleichen Thema viele Gespräche und Diskussionen in der Ukraine führte.
Nicht alle Standpunkte konnten die ukrainischen Gäste vollumfänglich teilen, aber alle Beteiligten kamen überein, dass es wertvoll und bereichernd ist, den Standpunkt des anderen näher kennenzulernen. Heidemarie Ernst macht das übrigens nicht nur in beruflicher Hinsicht wie sie der Gruppe verriet. Sie hat nämlich einen ukrainischen Schwiegersohn. Doch der ukrainische Leiter der Gruppe, Dmytro Nykonenko, zog nach: "Und ich habe einen deutschen Schwiegersohn!" Das ist gelebte Integration.
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Bericht der Stadt Aachen
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dbbj nrw besucht ukrainischen Partner in Krisenzeit
Mit jungen Menschen, die ebenfalls mit beiden Kulturen gut vertraut sind, kam die Gruppe bei ihrem Besuch im Gymnasium Alsdorf ins Gespräch. Neben enga­gierten Lehrerinnen und Lehrern, die hier nach einem ganz besonderen päda­gogischen Konzept arbeiten, trafen die ausländischen Gäste hier auch russisch­sprachige Kinder, die in beiden Ländern ein Stück Heimat haben.

Gespräche mit jungen Kriegsflüchtlingen

Weitere Fachgespräche führte die Gruppe nach Köln in das Gesundheitszentrum für Migrantinnen und Migranten, in das Interkulturelle Haus Nr. 9 in Köln-Chorweiler sowie nach Düsseldorf ans Franz-Jürgens-Berufskolleg, in dem in mittlerweile sechs Flüchtlingsklassen insgesamt 120 Schülerinnen und Schüler Deutsch lernen und ihren Hauptschulabschluss anstreben. Darunter sind auch viele junge Menschen aus Kriegs- und Krisenländern wie Syrien, Afghanistan und Somalia, mit denen die Mitglieder der ukrainischen Delegation ins Gespräch kamen.


Die Bürgermeisterin der Stadt Aachen, Dr. Margrethe Schmeer, begrüßte die Gäste herzlich in Aachen
Die Eindrücke, die die ukrainischen Gäste im Laufe der acht Tage in Nordrhein-Westfalen sammelten, hätten vermutlich auch für zwei Wochen gereicht, so vollgepackt waren die Tage mit Begegnungen und Terminen. Am Schluss waren aus den Fremden Freunde geworden und manch einer erinnerte sich an die Worte der Integrationsbeauftragten Heidemarie Ernst: "In erster Linie sehen wir das Potential und den Gewinn, wenn fremde Menschen in unser Land kommen." Gewonnen hat die dbb jugend nrw sehr viel durch den Besuch der Gäste aus dem Ausland und der Abschied fiel sehr schwer. Umso mehr freut sich der Verband auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr, wenn dann wieder eine Gruppe aus Deutschland in die Ukraine reist.