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Flüchtlingshilfe: Trotz Überstunden häuft sich die Arbeit
02.12.2015  
Der langsam hereinbrechende Winter bereitet Hilfsorganisationen und auch der Politik Kopfzerbrechen. Diejenigen, die sich um Geflüchtete kümmern, stehen vor zusätzlichen Herausforderungen. Auch in Remscheid haben die Beschäf­tigten des Öffentlichen Dienstes ihre Ärmel hochgekrempelt. Hier lest ihr, vor welchen Problemen man dort steht.
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Damals Flüchtling, heute Flüchtlingshelferin
Wenn eine "Task Force" eingerichtet wird, dann ist klar, dass etwas oberste Priorität hat. So ist es auch in Remscheid. Dort beschäftigt sich eine eigens eingerichtete Projektgruppe ausschließlich mit der Organisation der Flüchtlings­hilfe seitens der Stadt. Das Besondere: "Sie tun das übergreifend und haben Zugriff auf die Mitarbeiter aller Bereiche der Stadtverwaltung", erklärt Torsten Helbig von der komba gewerkschaft remscheid. Damit tut die Kommune einen Schritt, den sie noch nie getan hat. "Theoretisch könnte die Task Force Mitarbeiter aus jedem Bereich anfordern, ohne auch nur Rücksprache mit dem Amtsleiter zu halten." In der Praxis geht man allerdings vollkommen kollegial miteinander um und es hat diesbezüglich bislang keine Probleme gegeben.

"5000 Teddys braucht kein Mensch"

Deutlich wird aber: Die Organisation der Flüchtlingshilfe hat oberste Priorität. Dabei geht es nicht nur um das Organisieren von Wohnraum für ankommende Menschen und deren Erfassung, sondern auch um ganz andere Dinge. "Es ist wichtig, auch die Bevölkerung zu informieren", sagt Torsten Helbig. "Denn bislang haben sich die Bürger unglaublich spendabel und hilfsbereit gezeigt. Jetzt aber gilt es, die Hilfsangebote zu koordinieren", führt er fort. Dahinter steht ein großer logistischer Aufwand. Hilfe tut immer noch Not, doch es zeigt sich, wie wichtig Absprachen und Informationen sind. "5000 Teddys braucht kein Mensch", bringt es Helbig auf den Punkt.

Daneben kümmern sich die Mitarbeiter innerhalb der Projektgruppe ausschließlich um Fragen der Finanzierung; andere betreiben Unterkunftsakquise. "Es werden Hallen gesucht und angemietet. Sie müssen oft umfunktioniert und mit Zwischenwänden versehen werden", sagt Helbig. Auch Aspekte wie Brandschutz spielen eine Rolle. "Im ersten Moment mag das überorganisiert wirken. Wenn man sich aber vorstellt, dass da 300 Menschen in einer Halle untergebracht sind, wird schnell klar, was das im Ernstfall heißen kann", erklärt er.

Ein Haufen beinahe unlösbarer Aufgaben jeden Tag

Den meisten Geflüchteten, die oft eine lange Odyssee hinter sich haben, fehlt es an dem Nötigsten
Foto: (c) by Jürgen Hüls / fotolia.com
Ebenfalls in den Kompetenzbereich der Task Force fällt die Beschaffung von Betten. So einfach das klingt, stellt es die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes man­ches Mal vor beinahe unlösbare Aufgaben. "Hoch­betten sind im ganzen Land nicht mehr zu bekommen", sagt Helbig. Der Markt ist schlicht und ergreifend leergefegt. Auch Matratzen zu organisieren mutiert zum Problem.

In Anbetracht der großen organisatorischen Heraus­forderungen ist große Einsatzbereitschaft unter allen Beschäftigten gefragt. Denn auch in den Behörden müssen Engpässe durch mehrbelastete oder delegierte Kollegen aufgefangen werden. "Dabei darf man nicht vergessen, dass wir gegen die Pleite ankämpfen und 321 Stellen bis zum Jahr 2021 abbauen sollen. Und plötzlich erwartet uns zusätzlich ein großer Aufwand, durch den viele Kollegen gezwungen sind, zusätzliche Überstunden zu machen", schildert Helbig als Personalratsmitglied.
Personalabbau und Mehrarbeit passen nicht ganz zusammen

Bereits ohne Berücksichtigung des beschlossenen Personalabbaus wird derzeit die Situation eng. "Im Ausländer­wesen sind beispielsweise Stellen eingespart worden. Nun aber müssen dort viel mehr Betroffene betreut werden." Das reiße alles ein, was man in den letzten vier Jahren mit Sparbemühungen aufgebaut habe. Derzeit auch noch nicht absehbar ist die zusätzliche Arbeitslast, die die aktuelle Flüchtlingswelle noch Jahre nachdem sie sich beruhigt hat mit sich bringen wird. Bereits jetzt wartet man im Remscheider Ausländeramt zwischen acht und zehn Wochen auf eine Passverlängerung. Und das, obwohl dort jede Menge Überstunden gemacht werden. Für alle Seiten ist das keine befriedigende Situation.

Sorgenvoll blicken viele Mitarbeiter in den öffentlichen Verwaltungen auf Abläufe und Vorgänge, die mit Fristen versehen sind. Noch sei man in den meisten Bereichen einigermaßen gut aufgestellt, doch auf Dauer werden auch solche Probleme drängender. Besonders dort, wo Wiederbesetzungssperren bestehen.