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Damals Flüchtling, heute Flüchtlingshelferin
04.12.2015  
Fokus "Flüchtlinge"
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Flexible Flüchtlingshilfe ohne feste Dienstzeiten
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Vom Finanzamts-Schreibtisch
in die Flüchtlingshilfe

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Ernst gemeinte Hilfe: Polizisten im Zwölf-Stunden-Einsatz

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Flüchtlingshilfe: Trotz Über- stunden häuft sich die Arbeit
Auch wenn der Flüchtlingsandrang momentan etwas nachlässt: Beinahe 15.000 Menschen sind über die letzten Monate mit dem Zug an der Drehscheibe Köln am Köln-Bonner Flughafen angekommen. Zum Teil auf Flip Flops oder in Sandalen. Wie das ist, als Flüchtling anzukommen, weiß auch Neellab Hakimi. Heute packt sie dort selbst mit an.

Zu Stoßzeiten fuhr alle zwei Tage an der Drehscheibe Köln ein Flüchtlingszug ein, erfahren wir von Stefanie Heinisch, Jugendleiterin der komba in Köln. An ihrem Arbeitsplatz im Ausländeramt der Stadt hört sie von den Kollegen, die sich als Helfer für die Flüchtlingsarbeit gemeldet haben, was dort los ist. Einmal war das Gleis zu kurz für den nicht enden wollenden Zug, der dort einfuhr, erzählt sie uns. Glücklicherweise ging trotzdem alles gut.

Städtische Mitarbeiter arbeiten Hand in Hand mit Feuerwehr und Freiwilligen
Die Stadt Köln ist mit zahlreichen Helfern vor Ort, um die Hilfesuchenden erstzuversorgen. "Wir können uns übers Intranet für die Arbeit melden", erzählt Steffi. Die Zeit, die die Mitarbeiter der Stadt an der Drehscheibe verbringen, bekommen sie als Arbeitszeit angerechnet, denn Hilfe tut hier dringend Not trotz der Mitarbeit der Feuerwehr, der ehrenamtlichen Helfer, der Hilfsorganisationen und der Bundeswehrunterstützung.
Ende September fuhr der erste Zug mit Flüchtlingen hier ein. Seitdem löst Köln die Drehscheibe Dortmund ab. Das Szenario, das sich hier und andernorts abspielt, ist immer in etwa gleich: Wenn die Räder quietschend zum Stillstand gekommen sind und sich die Zugtüren öffnen, sind es Rufe und Anweisungen in verschiedensten Sprachen, die durch die Luft schwirren. Koffer werden angereicht, Kinder steigen übermüdet aus. In der Mehrzahl sind es junge Männer, die hier ankommen. Neellab Hakimi schätzt ihren Anteil auf 95 Prozent. Sie kann verstehen, wie sie sich nach ihrer Ankunft fühlen. Denn die junge Frau, die heute in der Stadtverwaltung arbeitet, kam vor 14 Jahren selbst als Flüchtling aus Afghanistan. In diesen Tagen fasst sie bei der Flüchtlingshilfe mit an. Durch ihre eigene Geschichte betrachtet sie die Aufnahme der Hilfesuchenden mit anderen Augen.

Geflüchtete, die an der Drehscheibe Köln
ankommen, werden hier erstversorgt
"Wenn sie hier ankommen, schauen wir, dass genug Dolmetscher da sind. Kranke Säuglinge werden nach der Ankunft sofort versorgt. Wir schauen, wer zu dünn angezogen ist und Kleidung benötigt. Diejenigen schicken wir zum Kleiderkreisel weiter. Es werden Schuhe für die besorgt, die auf Sandalen, Flip Flops oder Pumps kommen. Es gibt 'Halal-Essen' für die Moslems und in den Zelten der Aufnahmestationen sogar Gebetsbereiche. Später werden die Menschen auf die freien Erstaufnahmeunterkünfte in NRW verteilt', so Neellab Hakimi.

Neellab Hakimi hat selbst andere Erfahrungen gemacht
Fotoalbum
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Noch mehr Fotos von Neellab
geben einen kleinen Einblick
in die Arbeit mit Geflüchteten
Auch wenn rund um die Flüchtlingshilfe immer wieder kreative und flexible Lösungen gefragt sind, findet sie, dass alles wahnsinnig gut organisiert ist. "Als ich hier ankam, hat mich niemand empfangen und auch die ganze Situation drumherum war eine andere", sagt die junge Frau. Heute staunt sie über die Reaktionen mancher Männer, die überrascht sind, wenn sie in Köln ankommen und von einer offenen, afghanischen Frau in Empfang genommen werden. Aufgrund der kulturellen Prägung kommt damit nicht jeder gut zurecht. Doch Neellab schreckt das nicht. "Es gibt auch diejenigen, die stolz darauf sind, eine Landsfrau so zu sehen", sagt die städtisch Beschäftigte.
"Nur für eines habe ich kein Verständnis", gesteht sie. "Wenn hier verschiedene Kulturen aufeinandertreffen und die Auseinandersetzungen hierzulande weiter­ge­führt werden, wegen derer sie aus ihren Ursprungs­ländern geflohen sind." Doch Neellab schaut nicht zu. Manches Mal ist sie schon forsch eingeschritten - sehr zur Verwunderung ihres meist männlichen Gegenübers.

Im Ausländeramt ist viel zu tun - auf unabsehbare Zeit

Stefanie Heinisch hingegen erlebt Flüchtlingshilfe aus einer anderen Perspektive. Da sie im Ausländeramt arbeitet, hat sie in anderer Hinsicht damit zu tun. Die Zahl der zu bearbeitenden Fälle ist explosionsartig an­gewachsen. "Ich hätte keine Kapazitäten mehr frei, um auch noch vor Ort zu helfen. Die Arbeit türmt sich", erzählt sie. Die Aktenberge auf Schränken und Tischen wach­sen immer weiter an. Ihre Arbeit beginnt sie darum in aller Früh, schon lange bevor sich die Amtstüren öffnen.

Kann gut nachfühlen wie Geflüchtete sich fühlen: Neellab Hakimi von der Stadt Köln (1.v.l.)
Und ein Ende ist kaum in Sicht. Denn die Bearbeitung der Asylverfahren wird rund vier Monate in Anspruch nehmen. "Mitte 2016 werden voraussichtlich also noch jede Menge Familienangehörige der jetzt eingereisten Asylsuchenden kommen."