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Mehr Notrufknöpfe und Anzeigen - Innenminister a.D. sieht Beschäftigte in der Pflicht
04.05.2016  
Wenn es Beschäftigten im Job nicht gut geht, sie andauernd beschimpft oder sogar verletzt werden, dann darf das dem Arbeitgeber nicht egal sein. Vielerorts wird das Problem wachsender Übergriffe jedoch tot geschwiegen. Hier lest ihr in loser Folge, was Politiker dazu zu sagen haben. Den Auftakt macht NRW-Innenminister a.D. Dr. Ingo Wolf (FDP).
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Gesamtbericht über die Podiumsdiskussion
Im September 2014 wird ein Mitarbeiter im Sozialamt Rensberg erschossen. Im April 2016 wird ein Schaffner von einem Reisenden mit einem Gullideckel beworfen. Die Dunkelziffer täglicher Übergriffe umfasst weit mehr als solche Spitzen der Gewalt gegen Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst. Wie aber nimmt das der ehemalige Innenminister des Landes NRW wahr?

"Heute wird draufgeschlagen, auch wenn jemand am Boden liegt", sagt Innenminister a.D. Dr. Ingo Wolf
"Das Phänomen ist nicht neu. In meinem Leben vor dem Innenminister-Dasein war ich unter anderem Stadt­direktor und Kreisdirektor in Euskirchen. Dort habe ich Notrufknöpfe eingeführt", sagt Wolf in der Podiums­diskussion mit Vertretern der Politik zum Thema Gewalt auf dem Frühjahrs-LJA der dbb jugend nrw am 15. April. Damit will er darauf hinweisen, dass es das Problem schon immer gegeben habe. "Im Einzelfall ist die Gewalttat allerdings roher und brutaler geworden. Es wird draufgeschlagen, auch wenn jemand schon am Boden liegt", erklärt er. Auch die Ausraster im Bierzelt habe es schon immer gegeben, doch die Art und Weise habe sich verändert: "Man organisiert sich zum Teil systematisch, um Uniformträger anzugreifen", hält Wolf fest. Er hält das Phänomen für unbegreiflich. "Wir beobachten die Zusammenrottung von Gruppierungen, die andere einfach zusammenschlagen", führt er fort. Die Polizei schütze das Demonstrationsrecht bei Rechts-Links-Demos und stehe plötzlich mitsamt der Rettungskräfte zwischen sich aufschaukelnder Gewalt.
Einzelpositionen
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Thomas Stotko (SPD)

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Werner Lohn (CDU)

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Martin-Sebastian Abel (Bündnis 90/Die Grünen)
Welche Ideen hat er, dem zu begegnen? "Insgesamt beobachten wir in der Bevölkerung eine gestiegene Anzeigen­bereitschaft", erklärt Wolf. Würden Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes attackiert, rät er auch denen, diese Fälle konsequent zur Anzeige zu bringen. "Wenn es zu einem Übergriff kommt, darf man sich von keinem Vorgesetzten davon abhalten lassen", findet der Landespolitiker.

Außerdem ist er der Überzeugung, dass es darum gehen müsse, junge Menschen zu Gewaltfreiheit zu bringen. "Heute haben wir eine Gesellschaft, in der sich Kinder kaum mehr austoben können", sagt Wolf. Es wäre ein Ansatz, sie in Gemeinschaft und in Bewegung zu bringen. Entgegen der Meinung der anwesenden Gewerk­schafter hält Wolf die Zahl der Straftäter in Deutschland für überschaubar. "Es ist ein kleiner Teil, der das tut. Die Massivität steigt durch die Gruppendynamik."

Diskutierten nach der Podiumsdiskussion weiter:
Dr. Ingo Wolf und Frank Meyers
In den Behörden aber sind es Einzeltäter, die in der Regel alleine auftreten. Wolf hält es für schwierig, das Problem an den Behördentüren einzufangen. Man könne aus den Gerichten und Ämtern keine Hochsicherheits­trakte machen. Eine Auffassung, die auch die dbb jugend nrw teilt. "Der sicherste Ort ist derzeit die Kölner Domplatte, weil da so viel Personal ist. Ich halte das für einen guten Ansatz, um für mehr Sicherheit zu sorgen", so Wolf. Weniger einhellig ist allerdings die Meinung des gewerkschaftlichen Dachverbandes und die des Innenministers a.D. in Sachen politischer Verantwortlich­keit. "Es sind nicht nur einige, die gegen Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes vorgehen - es sind mehrere", betont der stellvertretende Vorsitzende der dbb jugend nrw, Frank Meyers. "Wir erwarten darum Gefährdungs­analysen und das Erfassen der Gewalttaten", sagt Meyers und richtet seinen Appell direkt an die anwesen­den Politiker: "Da gucke ich sie an als Vertreter des Landtages. Da sind sie in der Pflicht!"