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GDL ermittelt bundesweites Lagebild unter den Bahnbeschäftigten in Sachen Gewalt
22.06.2016  
Viele Zugbegleiter und Lokführer kennen es, körperlich angegriffen zu werden. Das legte eine Umfrage der GDL NRW seinerzeit offen. Nun will es die GDL noch genauer wissen und startete eine bundesweite Umfrage, die wahrscheinlich ein schockierendes Lagebild abgeben wird.

Allein die Zahlen aus dem Sicherheitsbericht der Deutschen Bahn AG von April 2016 lassen Schlimmes vermuten: Im letzten Jahr ist die Zahl der Übergriffe auf Mitarbeiter dort erneut um 20 Prozent gestiegen. 1.800 Mitarbeiter wurden während ihrer Arbeit Opfer von Angriffen. Vor diesem Hintergrund will es die GDL nun ganz genau wissen. Sie startete im Mai eine groß angelegte Umfrage an alle Mitglieder, die sich an Zugbegleiter ebenso wie an Lokführer, Bord­gastro­nomen oder Bereitsteller richtet.

Eine GDL-Umfrage hat ergeben: Bahnbeschäftigte werden im Dienst immer häufiger Opfer von Gewalt
Die Umfrage geht zurück auf die Initiative der Arbeitskreise "Sicherheit im und am Zug" und "Belasten­de Ereignisse bewältigen", die die Fachgewerkschaft auf Bundesebene gebildet hat. Dort hat man zusammen­getragen, welche Initiativen es bereits gibt, die sich mit dem sensiblen Bereich befassen. "Wir wollten wissen: Wie ist in verschiedenen Situationen zu verfahren? Was sollte der Arbeitgeber tun, wenn etwas passiert?", sagt Christian Deckert, Sprecher des Arbeitskreises Sicher­heit. Doch dabei wollen es die GDLer nicht belassen. Mit der bundesweiten Umfrage geht die GDL neue Wege: Erstmals werden die Mitglieder aller Eisenbahn­verkehrs­unter­nehmen gleichzeitig einbezogen. Damit will man ein möglichst realistisches und repräsentatives Gesamtbild der Situation der Beschäftigten des Zugpersonals im Nah- und Fernverkehr erfassen.
"Im Anschluss möchten wir das Bild, das sich daraus ergibt, mit der Einschätzung abgleichen, zu der die Arbeitgeber kommen", so Deckert. Schon jetzt nämlich zeichnet sich ab, dass in den Erhebungen der Bahnunternehmen wesentliche Sicherheitsaspekte keine Berücksichtigung finden. Tatbestände wie das Bespucken von Mitarbeitern, Beleidigungen oder gar Bedrohungen werden aus Sicht der GDL nicht erfasst.
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Noch bis zum 26. Juni will die Fachgewerkschaft darum ein Lagebild aus den Daten erstellen, die die Beschäftigten selbst zur Verfügung stellen. "Zwei Psychologen haben uns bei der Erstellung der Umfrage unterstützt und Ratschläge gegeben", sagt Deckert über den umfangreichen Fragenkatalog. Eine halbe Stunde Zeit sollte man einplanen, wenn man ihn beantworten möchte. Dass das nicht wenig Zeit ist, ist den Beteiligten klar, doch ist es dringend nötig, ein genaueres und vor allem repräsentatives Lagebild zu bekommen. Denn auch in anderen Bereichen zeigt sich, dass Arbeitgeber und Politik wach geworden sind und das Problemfeld "Übergriffe" und "zunehmende Gewalt" wahrnehmen. Die gewerkschaftlichen Forderungen lassen sich jedoch nur durch Fakten untermauern.
Die Auswertung der anonym gehaltenen Umfrage wird durch das große Datenvolumen einige Zeit in Anspruch nehmen. Schon jetzt weist Deckert auf erschütternde Teilerkenntnisse hin, die sich aus der Umfrage ergeben. "Die vielen Rückmeldungen zeigen, wie wichtig das Thema ist und wie sehr es die Mitarbeiter beschäftigt. Zum Teil sind in den Rückmeldungen erschreckende Situationen geschildert", so Deckert. Die Not der Beschäftigten, so der erste Eindruck der Organisatoren noch vor Abschluss der Umfrage, ist offenbar noch größer als gedacht. Bis zum 26. Juni können Mitglieder der GDL an der Umfrage teilnehmen. Danach geht es an die genaue Auswertung, über die hier mehr zu lesen sein wird.