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dbb jugend nrw on tour: Abenteuerreise nach Taiwan
02.12.2016  
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Ausgesprochen viel erzählen können die zehn jungen Gewerkschafter, die vom 25. September bis 5. Oktober mit der dbb jugend nrw nach Taiwan reisten. Dabei trafen sie auf fantastische Welten in 3D, wuselige Nachtmärkte, exotische Tempel und einen Wirbelsturm, der mit fast 200 km/h über sie hinwegzog.

Zunächst formiert sich der tropische Sturm, der von den Meteorologen später "Megi" getauft wird, nur langsam. Er bildet sich Mitte August weit östlich der Philippinen, zieht in den Wochen danach zwischen Südkorea und Südjapan hindurch und nimmt schließlich Kurs auf die Ostküste Taiwans. Als er am 27. September auf das taiwanesische Festland trifft, ist er über 160 Stundenkilometer schnell und sorgt für sintflutartige Regenfälle. Im Nordosten des Landes fallen innerhalb von 24 Stunden fast 1.000 mm Niederschlag. Das ist in etwa so viel wie in sieben Badewannen passt - auf jeden einzelnen Quadratmeter. Hunderte Flüge werden gestrichen, Züge fahren nicht mehr und mehr als 8.000 Menschen müssen evakuiert werden. Für alle anderen heißt es: Das Haus darf nicht verlassen werden! Das gilt auch für die zehn Mitglieder der dbb jugend nrw, die gerade erst in Taipeh angekommen sind und eigentlich mit Volldampf in ihr 10-tägiges Fachprogramm starten wollen. Doch nun haben sie erst einmal Hausarrest.
Sorgen machen sich die Mitglieder der Gruppe, die unter der Leitung von Beisitzer Jan Falkenhagen nach Taiwan gereist ist, jedoch nicht. Klar ist: Die Taiwanesen wissen, was sie tun. Das Land ist gut auf die regelmäßig wiederkehrenden Stürme vorbereitet und die Gruppe aus Nordrhein-Westfalen weiß sich bei den Vertretern ihres langjährigen Austauschpartners - der General­direktion für Personalverwaltung der taiwane­sischen Regierung - in den allerbesten Händen. Schon 35 Jahre gibt es den Austausch zwischen dem gewerkschaftlichen Jugendverband und der General­direktion. In dieser Zeit ist viel gegenseitiges Vertrauen gewachsen. Erst als die Mitarbeiter des taiwanesischen Partnerverbandes einen Tag später grünes Licht geben, wagen sich die Gäste aus Deutschland aus der Deckung und beobachten mit Staunen, wie schnell und effizient die Aufräumarbeiten auf den Straßen und Gehwegen vonstattengehen.

Als sich der Sturm gelegt hat, besucht die Gruppe
eine traditionelle Tee-Zeremonie in Taipeh

Zu den Privilegien des Delegationsleiters gehört das Entgegennehmen von Geschenken - hier bei HTC
Taiwan ist ein hochmodernes Land, das mit Effizienz, Fleiß und Innovation eine beachtliche Entwicklung durchgemacht hat. Wer bei „Made an Taiwan“ an billige Kopien europäischer Qualitätsprodukte denkt, tut dem Land nicht nur unrecht, sondern unterschätzt es massiv. Bei einer Größe von gut 36.000 km² (so groß wie Baden-Württemberg) und 23 Mio. Einwohnern zählt Taiwan zu den 30 größten Volkswirtschaften der Welt. Wie weit die taiwanesische Firma HTC beispielsweise schon die Entwicklung der Virtual-Reality-Brille vorangetrieben hat, können die jungen Gewerkschafter bei einem Besuch der Firma direkt selber testen. Mit der Brille auf dem Kopf lässt sich eine dreidimensionale Welt entdecken, betreten und durchqueren. Unvermittelt finden sich die Gäste aus Deutschland in heimischen Gefilden wieder. "Was seht ihr?", fragt der Mitarbeiter von HTC, der die Gruppe mit der Nutzung der Brillen vertraut macht. "Eine Burg in Schwaben", lautet die verblüffte Antwort. Und tatsächlich kann nun jeder virtuell auf heimischen Grund und Boden diese Burg erkunden und die Aussicht von oben genießen.
Doch natürlich geht es bei der Reise nach Fernost nicht in erster Linie darum, technische Errungenschaften zu bestaunen. Noch wichtiger ist für die Gruppe aus Deutschland vor allem die Frage, was ein Land mit so viel Innovationskraft tut, um seinen Öffentlichen Dienst weiterzuentwickeln. Viele Besuche - unter anderem beim Grundbuchamt, beim Rat für Nationale Entwicklung und der Kommission für Rechtsangelegenheiten für Staatsdiener - geben erstaunliche Antworten auf diese Frage. Sehr innovativ geht die Verwaltung in Taichung in Sachen Verbraucherschutz und Lebensmittelhygiene in den Restaurants und Supermärkten der Stadt vor. Unterstützend zu den regelmäßigen Kontrollen gibt es hier eine kostenlose App, mit der Bürger schnell und einfach Bedenken in Sachen Lebensmittelsicherheit, Brandschutz oder Gebäudesicherheit melden können.

Völkerverständigung in modernem Gewand: Gruppenselfie in Taipehs Grundbuchamt
Behördenmitarbeiter überprüfen die eingereichten Beschwerden innerhalb kürzester Zeit und ein Ampelsystem in der App informiert den Verbraucher schnell und einfach darüber, ob das Restaurant bzw. der Supermarkt von der Stadt mit "grün", "gelb" und "rot" markiert wurde - letzteres ein unmissverständliches Zeichen dafür, sein Essen lieber an einer anderer Stelle zu besorgen.

Auch das Thema "Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst" beschäftigt die Gruppe auf ihrer Reise durch das Land. Bei einem Termin in Taipehs Grundbuchamt erfahren sie, dass auch in Taiwan Aggressivität und Gewalt­bereit­schaft in der Gesellschaft zunehmen. Bürger schimpfen, schlagen auf Tische der Mitarbeiter und traktieren bisweilen auch die Beschäftigten selbst mit Faustschlägen und Fußtritten. Als direkte Konsequenz dieser Entwicklung geht man in Taiwan dazu über, Ämter mit Sicherheitspersonal und Büros im Öffentlichen Dienst mit Alarmknöpfen auszustatten. Im Grundbuchamt selbst sind die Außendienstmitarbeiter nur noch zu dritt unterwegs.
Fotoalbum
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von der Reise nach Taiwan
Wie immer, wenn die dbb jugend nrw in einem fremden Land unterwegs ist, bleibt am Rande des Fach­programms auch noch Zeit, um Land und Leute kennenzulernen. Zu den Highlights gehören unbestritten der Besuch beim wunderschönen Sonne-Mond-See, ein Spaziergang über einen wuseligen Nachtmarkt, der Besuch beim 828 Meter hohen "Taipeh 101" und eine Besichtigung des Konfuzius-Tempels in der Haupt­stadt des Landes. Einen Tag nach dem Sturm hatte der eigentlich noch wegen Auf­räum­arbeiten geschlossen. Die Gruppe aus Deutschland kann ihn durch einen Hintereingang trotzdem betreten. Wohl dem, der die Generaldirektion für Personalverwaltung der taiwane­sischen Regierung als Partnerverband hat.