impressum kontakt drucken suchen
 
Startseite Die dbbj nrw Aktuelles Arbeitsfelder Seminare Fotoalben Downloads
Alles auf Neuanfang: Mit nichts hinein in ein großes Abenteuer
12.06.2017  
Noch vor wenigen Wochen saß Anja Wysocki als Terminkoordinatorin im Büro des Oberbürgermeisters in Düsseldorf. Jetzt ist ihre Wohnung jedoch so gut wie leer. Sie hat alles verschenkt oder verkauft. Als Vorbereitung auf ein riesiges Abenteuer. Welches, lest ihr hier.

Ihr ganzes Hab und Gut passt in ein paar Kartons. Anja Wysocki ist darüber erleichtert. Sie hat es sich so gewünscht. Allen unnötigen Ballast abwerfen. Sich reduzieren. Und am Ende selbst ganz von hier zu verschwinden. Für ein Jahr mindestens, vielleicht auch länger.

Um die Welt zu bereisen, hat Anja gekündigt und
ihren Beamtenstatus an den Nagel gehängt
Am 15. Juni tritt die 29-Jährige ihr großes Lebens­abenteuer an. Dann startet sie gemeinsam mit ihrem Partner eine Weltreise. Erstes Ziel: Dänemark und die skandinavischen Länder. "Und von dort aus immer dahin, wo es sonnig ist", sagt sie. Asien, Australien, Neuseeland - das alles steht auf ihrer Reiseliste. Einen festen Plan aber hat sie nicht. "Wir wollen am liebsten alles von der Welt sehen." Los geht es mit dem Motorrad.

Auf dem Jakobsweg fing alles an

Es ist nicht so, dass sie bisher nichts gesehen hätte. Mit der dbb jugend nrw war Anja in Israel, auf eigene Faust in den USA und in vielen Ländern Europas: Frankreich, Malta, England, Irland und Portugal. Auch in Spanien. Dort war sie sogar sechs Wochen lang. Zwei Jahre ist es her, als Anja dort den Jakobsweg ging. Alleine. Da hatte sie viel Zeit zum Nachdenken.
"Ich habe es genossen, mal aus dem Trott auszubrechen und nicht nur für die Arbeit zu leben." Sie will sich damit nicht beklagen. Ihren Job als Terminkoordinatorin im Büro des Düsseldorfer Oberbürgermeisters hat sie gerne gemacht. Er forderte sie und sie fühlte sich wohl im Team. Sie hat einiges dafür getan, um dort arbeiten zu können: Nach ihrer Ausbildung zur Fremdsprachenassistentin hat sie ein dreijähriges duales Studium absolviert und sich für den gehobenen Dienst qualifiziert. Dann wurde sie verbeamtet. Doch den erarbeiteten Beamtenstatus hängt sie jetzt an den Nagel - und das mit voller Überzeugung.

Raus aus der Fremdbestimmung

Warum so viel besitzen, wenn man mit wenig auskommt? Das ist eine der Fragen, die Anja auf ihrem Pilgerweg vor zwei Jahren immer wieder durch den Kopf geht. Sie genießt das Gefühl, frei von unnötigem Ballast zu sein und ganz unabhängig zu entscheiden. Diese Erfahrung brennt sich in ihr Hirn ein. Das möchte sie auch in Zukunft tun.

Als Anja vier Wochen später wieder an ihrem sicheren Arbeitsplatz sitzt, steigt sie engagiert wieder ein. Aber die Gedanken an die Reise verschwinden nicht. Der Drang, nicht nur für die Arbeit leben zu wollen, wird immer stärker in ihr. Ihr Partner kann das nachvollziehen. Sie steckt ihn an mit ihren Ideen. "Ich möchte nicht erst reisen, wenn ich in Pension bin. Ich möchte meine Träume lieber gleich umsetzen", sagt sie. Für beide ist beschlossene Sache: Sie werden ihr persönliches Abenteuer starten. Beide kündigen.

Ungewöhnliche Chance genutzt

Schritt für Schritt arbeiten sie darauf hin, ein ganz anderes Leben anzufangen. Möbel werden verkauft, Klamotten sortiert. "Einige Dinge haben wir verkauft, andere an Hilfsorganisationen abgegeben", sagt Anja. Schwer gefallen ist ihr das nicht. "Es war ein gutes Gefühl, sich von den materiellen Dingen zu trennen", sagt sie. Sie merkt immer mehr, was ihr wirklich wichtig ist: "Meine Freunde und die Familie", sagt sie. "Menschen, auf die ich mich verlassen kann und die mich immer unterstützen würden." Die zurücklassen zu müssen, fällt ihr schwer.

Die gemeinsame Wohnung ist inzwischen deutlich leerer geworden. Die ersten Ikea-Regale stehen nackt da. Da hört sie über eine Freundin vom lebenslangen Umtauschrecht beim Skandinavischen Möbelhaus. Kurzerhand schrauben Anja und ihr Partner alle nicht mehr benötigten Möbel auseinander. Gegen den Unmut der Ikea-Beschäftigten tauschen sie einen Transporter voller Schränke und Regale um. "Durch diese Aktion sind wir nicht nur einen guten Schwung Mobiliar losgeworden, es besserte auch die Reisekasse erheblich auf", sagt die junge Frau grinsend.

Mit dem Umzug kommt ein neues Reiseziel hinzu

Dann ist die Zeit gekommen. Anja zieht um. Aus dem schicken Appartement in Düsseldorf in eine möblierte Wohnung. Sie tauscht ihren zweieinhalb Meter großen Kleiderschrank gegen einen von einem Meter. Den teilt sie sich mit ihrem Partner. Der Platz reicht.

Durch den Umzug in die neue Wohnung kommt ein neues Reiseziel auf ihrer Landkarte hinzu. Die Vermieter kommen aus Indonesien. Sie vermieten ihre Wohnung unter, weil sie für eine Zeit in ihrem Heimatland sein werden. "Als sie von unseren Plänen hörten, haben sie uns zu sich nach Hause eingeladen", erzählt die 29-Jährige.

Intensive Stunden kurz vor der Abreise

Nun sind es nur noch ein paar Tage bis zur Abreise. Ihr festes Dach über dem Kopf wird sie dann gegen ein Zeltdach tauschen. Vielleicht sei unterwegs mal ein bisschen Couchsurfen drin oder ein Airbnb-Appartement, meint Anja. Die Tage in Deutschland sind gezählt und der Abschied rückt näher. Von vielen hat sie bereits Abschied genommen. "Es waren Momente dabei, in denen man klar hat, dass man Freunde oder Familienmitglieder das letzte Mal sieht. Wir wissen alle noch nicht, wo und wann wir uns wiedersehen werden", weiß Anja. "Abschied ist nie leicht", sagt sie leise, als ob sie sich damit selbst ein bisschen trösten will.
Mehr zum Thema
>>>
Anjas Reiseblog im Netz
Die sozialen Medien werden ihr helfen, in Kontakt zu bleiben, ist sie sich sicher. Über Skype, facebook und einen Blog will sie Familie und Freunde auf dem Laufenden halten. Über den Blog www.movinminds.com werden sie und ihr Freund Bilder und Reiseberichte mit allen teilen. "Dann fühlt man sich nicht ganz so abgeschnitten von der Heimat", sagt sie.

Und vielleicht, so überlegt sie, bekommt sie auf ihrer Reise um die Welt ja auch Besuch vom ein oder anderen. Nun will sie erst einmal handeln. "Man träumt von vielem und setzt das wenigste davon um." Mit Mut will Anja jetzt ihren Traum leben - bestimmt für einige Zeit, vielleicht auch noch für etwas länger.