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Internationaler Frauentag am 8. März: viel geschafft, noch viel zu tun!
08.03.2018  
Obwohl viel bewegt wurde und sich schon vieles verbessert hat, gibt es auch gut hundert Jahre nach der Einführung des Weltfrauentags noch dicke Bretter zu bohren. In vielen Ländern wurde die gesetzliche Gleichberechtigung durchgesetzt. Trotzdem gibt es nach wie vor strukturelle Faktoren, die auch in Deutschland weiterhin eine Ungleichheit aufrechterhalten. Veränderung kann und muss hier auf verschiedenen Eben passieren - politisch, gesellschaftlich und bei jedem selbst.

Dinge, die heute für beide Geschlechter als selbstverständlich gelten, sind es noch gar nicht so lange, wie man vielleicht glaubt. Beispielsweise benötigten Frauen bis 1958 die Erlaubnis ihres Vaters oder Ehemanns, um einen Führerschein zu machen. Erst ab 1962 durften sie ihr eigenes Bankkonto eröffnen, bis 1969 waren verheiratete Frauen nicht geschäftsfähig. Sie brauchten bis 1977 die Erlaubnis ihres Ehemannes, um einen Beruf auszuüben. Das ist schon über 40 Jahre her, doch Vergewaltigung in der Ehe wird erst seit knapp 20 Jahren als solche bestraft. Zuvor wurde sie als Körperverletzung bzw. Nötigung eingestuft. Erst vor 15 Jahren gab es zum ersten Mal eine Frau im Vorstand eines DAX-Unternehmens und auch wenn es mittlerweile 25 sind, liegt der Frauenanteil nur bei 12,5%.

8. März: Heute ist Weltfrauentag
Mädchen und Frauen holen auf, sie sind gut in der Schule, besuchen häufiger Gymnasien und machen öfter Abitur. Der Frauenanteil an Universitäten steigt kontinuierlich. Doch häufig spiegelt sich diese Entwicklung nicht im Berufsleben wieder. Tendenziell verdienen Frauen weniger und besetzen seltener Führungspositionen als ihre männlichen Kollegen. Gut ausgebildete und im Beruf erfolgreiche Frauen schieben einen Kinderwunsch häufig lange hinaus bis es irgendwann zu spät ist. Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist immer noch mehrheitlich die Aufgabe der Frau: Entweder muss sie auf Nachwuchs verzichten oder auf die Vollzeitstelle. Dabei geht es gar nicht nur um verpasste Karrierechancen, sondern auch um existenzielle Fragen, wie z.B. die Finanzierung des Lebensunterhalts, wenn man alleinerziehend ist, oder die Höhe der Rente, wenn überwiegend in Teilzeit gearbeitet wurde.
Die Politik hat schon einige Faktoren in den Blick genommen, doch hier ist noch viel Luft nach oben, besonders bei der Betreuungsinfrastruktur. Unternehmen sollten in Anbetracht fehlender Fachkräfte ihre Arbeitszeitmodelle und Flexibilität überdenken, da es auch ökonomisch sinnvoll ist, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen im eigenen Unternehmen zu halten.

Gesellschaftlich müssen sich die Bilder in den Köpfen ändern - dies gilt besonders für die alten Bundesländer. Eine Mutter, die Vollzeit arbeiten geht, ist keine Rabenmutter und ein Vater, der zu Hause bleibt, kein Weichei. In anderen Ländern ist das seit Jahren völlig normal. Jedem sollte ermöglicht werden, diese Entscheidung für sich selbst zu treffen, ohne durch äußere Faktoren dazu gezwungen zu werden und ohne gesellschaftliche Sanktionen erdulden zu müssen.

Die Veränderung beginnt bei allen im Kopf. Und dass es eine Veränderung geben muss bei unserer Betrachtung von Männern und Frauen zeigt die #metoo-Debatte ganz deutlich. Dass es noch immer eine Vielzahl von Menschen gibt, die Frauen als Objekte betrachten, mit denen man machen kann, was man möchte, ist erschreckend. Genauso erschreckend ist die Zahl der Frauen, die sich erst durch diese Bewegung trauten zu erzählen, was ihnen passiert ist oder womit sie regelmäßig konfrontiert sind. Das zeigt deutlich, dass es hier Bedarf gibt, zu diskutieren, anzuprangern, sich auszutauschen, deutlich zu machen, wann die rote Linie erreicht ist.

Deshalb brauchen wir den Weltfrauentag auch nach über 100 Jahren noch genauso, damit Gleichberechtigung der Geschlechter nicht nur auf dem Papier steht, sondern gesellschaftliche Realität ist.