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"Auf dem Jakobweg weint jeder einmal"
12.12.2018  
Elf Tage unterwegs auf dem Jakobsweg: Gemeinsam mit der dbb jugend nrw unternahm Bundesjugendleiterin Karoline Herrmann eine besondere Tour. Sie erzählt uns, worüber sie sich am meisten gefreut hat. Und warum ihr an einem Abend die Tränen kamen.

Immer den gelben Pfeilen nach und den Fliesen mit den Jakobsmuscheln hinterher - neun Wandertage lang, eine Tour von insgesamt elf Tagen. Das Ziel: Santiago de Compostela. Zeit, Abstand zu finden. Genau so hat es sich dbb-Bundesjugendleitern Karoline Herrmann vorgestellt. Mit wenig auskommen und rebooten wollte sie sich. Und? Ist ihr das gelungen?

Karo Herrmann (vorne) war mit einer Pilgergruppe
der dbbj nrw unterwegs auf dem Jakobsweg
"Ja", sagt sie wenige Tage nach der beinahe 200 Kilometer langen Tour auf dem portugiesischen Jakobs­weg nach Santiago de Compostela. "Es war eine tolle Erfahrung. Aber ich habe es mir emotionaler vorgestellt." Was sie damit meint: "Ich glaube, dass man tiefer nach­denkt, wenn man alleine statt in einer Gruppe unterwegs ist." Dennoch sind gute Gespräche und emotionale Erfahrungen nicht zu kurz gekommen.

Berührende Begegnungen


An einen sehr intensiven Moment erinnert sie sich als es am Abend nach einer Tagesetappe mit einem Pilger, den die Gruppe unterwegs kennengelernt hatte, zu einem intensiven Gespräch kam. "Er hat aus seinem Leben erzählt", erinnert sich Karoline. Über den Jakobs­weg sagt man, dass jeder auf dem Weg einmal weint. "Da war es soweit", gibt sie unumwunden zu, ohne Details nennen zu wollen.
Worüber spricht man, wenn man sich mit wildfremden Menschen gemeinsam auf den Weg macht? "Über zu Hause und das, das man erwartet hat", sagt Karoline offen. Auf so einer Tour lernt man sich schnell sehr gut kennen - so gut sogar, dass manche Kontakte auch die Zeit danach sicher überdauern werden, fügt sie bei.

Vieles ist einfach nicht mehr so wichtig

Denn nicht immer waren die Tagesstrecken einfach zu meistern: Zwischen 18 und 30 Kilometer legten die Mitglieder in der Gruppe der dbb jugend nrw zurück. Am vorletzten Tag sogar im Dauerregen. "Das war krass", sagt Karoline, die an diesem Tag gemeinsam mit den anderen satte 25 Kilometer zu bewältigen hatte.

Das schweißt zusammen und lässt Dinge vergessen, die einem sonst vielleicht wichtig wären. Denn wenn auch die Füße schmerzen, so ist klar: Es muss weiter­gehen. Jeden Tag ein neues Etappenziel vor Augen werde man schmerzfreier in vielen Dingen, sagt Karoline. "Fragen wie: 'Schminke ich mich oder nicht?' werden sekundär. Man achtet einfach nicht mehr darauf", erzählt Karoline von ihren Erfahrungen.

Wenn Übernachtungen zum Abenteuer werden

Insgesamt waren auf der Pilgertour
rund 200 km zu Fuß zu bewältigen
Fotoalbum
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Mehr Bilder vom Jakobsweg
Auch die Übernachtungen in den unterschiedlichsten Herbergen zeigten sich als Abenteuer. Von der Ferienwohnung in Porto, in der der Strom ausfiel und zu eiskalten Duschen führte, über Hostels oder Pilgerherbergen war alles dabei. "Wir haben in Zehn-Bett-Zimmern, aber auch in 25-Bett-Zimmern geschlafen", erzählt Karoline und erinnert sich dankbar an das Päckchen Ohropax, das sie bereits beim Vortreffen mit einem Augenzwinkern von der dbb jugend nrw entgegengenommen hat. Dennoch war es trotz der körperlich anstrengenden Tage nicht immer leicht, Schlaf zu finden.
Unerwartete Geschenke unterwegs

Doch egal wie die Nacht war, am nächsten Tag hieß es: Schuhe an und weiter. Was sie getragen hat, war nicht nur die Gruppe. Auch die netten Gesten und lieben Erfahrungen mit vollkommen fremden Menschen. "Die ganze Herzlichkeit, die uns begegnet ist, war toll", erinnert sie sich. Menschen, die einem am Weg Weintrauben schenken oder schnell einen Pfirsich aus dem Garten holen und einem in die Hand drücken. Das habe sie gefreut und beeindruckt.

"Ich kann mich an einen Bauern erinnern, der extra von seinem Traktor sprang, zu uns lief und uns segnete", sagt die Bundesjugendleiterin. Bevor er sie ziehen ließ, gab es noch einen Tipp für ein Café, in dem sie rasten sollten.

So beflügelt schaffte die Pilgergruppe der dbb jugend nrw auch den letzten von Regen durchzogenen Tag. Am Ziel zeigten sich Erschöpfung und Berührtsein: "Wir haben uns trotz des regendurchnässten Bodens einfach vor der Kathedrale auf den Boden gelegt und in den Himmel geschaut", sagt Karoline. - Ein weiterer emotio­naler Moment. Die Überreichung der Pilger­urkunde, die sie sich noch vor der Pilgerreise als den größten Augenblick vorgestellt hatte, erschien ihr dagegen dann in Wirklichkeit kleiner.

Am Ziel angekommen: erschöpft, aber glücklich
Nun hat der Alltag sie wieder. Dennoch will Karoline sich einige der Erinnerungen und Erfahrungen bewahren und vor allem mehr Gelassenheit walten lassen. "Ich nehme mit, dankbar zu sein und ich habe die Gewissheit bekommen, dass es weitergeht. Auch wenn man denkt, es geht nicht mehr."