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Team Magenta im Reich der Mitte
29.07.2019  
Uralte Geschichte, futuristische Gegenwart und eine ungewohnte Gesellschaftsstruktur lernte eine Delegation der dbb jugend nrw bei ihrem 10-tägigen Besuch in China Anfang Juni kennen.
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Im vergangen Jahr waren fünf Vertreter aus der chinesischen Provinz Shandong nach Nordrhein-Westfalen gekommen, um sich über Partizipationsmöglichkeiten in Deutsch­land zu informieren. Nun brachen sieben Vertreter der dbb jugend nrw Anfang Juni zum Gegenbesuch ins Reich der Mitte auf, um sich auch dort intensiv mit dem Thema "Gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen" zu beschäftigen.
In Peking, der ersten Station der Reise, besuchte die Gruppe den "Community Youth Club of Beijing Changping", in dem sich insbesondere junge Studieren­de engagieren. Sie betreuen hier Familien­bastel­gruppen, in denen selber eine Ukulele gebaut wird, oder nehmen an Müllsammel-Jogging-Events teil, die in China immer beliebter werden. Kurzerhand wurde die Gruppe aus NRW eingeladen, sich an einer solchen Aktion zu beteiligen. Mit Handschuhen und Müllbeuteln ausgestattet liefen die deutschen Ehrenamtler mit ca. 50 chinesischen Studierenden durch den Stadtteil und sammelten Strohhalme und Kaffeebecher vom Straßen­rand und aus dem Grünstreifen. Nach rund zwei Stunden ging es zurück zum Youth Club und besonders eifrige Sammler wurden mit einer Topfpflanze belohnt.

Auch Müllsammeln gehörte zum Programm der deutschen Delegation in China dazu
In der Diskussionsrunde im Anschluss erfuhr die Delegation mehr über das ehrenamtliche Engagement der Jugend in China. Was in Deutschland noch diskutiert wird - die Anerkennung von ehrenamtlichem Engagement z.B. durch Credit Points - ist in China bereits umgesetzt. Der Einsatz von Studierenden für die Gemeinschaft ist sogar in der Studienordnung vorgeschrieben: Um an der Universität seinen Abschluss machen zu können, muss man mindestens 30 Stunden soziales Engagement vorweisen können.

Von Peking reiste die Gruppe in die Provinz Shandong
Im Gemeindezentrum helfen die jungen Menschen nicht nur, sondern sie können auch selber Angebote nutzen. So werden sie z.B. in die Erstellung des Bildungs­programms einbezogen. Es gibt neben künstlerischen und musischen Angeboten auch Singlepartys, die in ganz China sehr beliebt sind, sowie Fach­ver­an­stal­tungen zu verschiedenen Themen. Ausgestattet sind die Zentren mit allem, was man zum Lernen braucht: Tische, Stühle, Whiteboard, aber auch Laptops und 3D-Drucker. Von einer solchen Ausstattung können Jugend­zentren und Schulen in Deutschland nur träumen. Ähnliche Zentren wie das im Stadtteil Changping entstehen gerade überall in China.
In Jinan, wohin die Gruppe weiterreiste, besuchten die Ehrenamtler aus NRW eine Einrichtung, die noch weitere Aufgaben übernimmt. Auch hier können Tanz-, Musik- und Handarbeitskurse belegt werden. Zusätzlich fördert das Zentrum Ideen zur Firmengründung und unterstützt junge Gründer mit Computer- und Büroausstattung sowie Fortbildungs- und Beratungsangeboten. Auch Ehrenämter werden hier vermittelt. In verschiedenen sozialen Bereichen arbeiten Hauptamtliche mit Volontären zusammen. Zum Beispiel unterstützt eine Frau mit einem behinderten Sohn die Initiative einer Trommelgruppe. Diese ist mittlerweile so professionell und bekannt, dass sie in der ganzen Provinz zu Auftritten eingeladen wird. Natürlich wird auch daran gearbeitet, dass Menschen mit Beeinträchtigung ein möglichst eigenständiges Leben führen können.
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Teilnehmerbericht von Jule
Das Zentrum enthält auch die "Ehrenamtssparkasse": Wer sich engagiert, bekommt Punkte gutgeschrieben. Wie in einem Sparbuch werden Einnahmen mit Datum, Stunden und Tätigkeit festgehalten. Für verschiedene Tätigkeiten erhält man je nach Verantwortung zwischen einem und drei Punkten. Die Punkte können dann auf verschiedene Arten wieder eingelöst werden: Für Produkte des täglichen Lebens, wie z.B. Shampoo, um selber Angebote in Anspruch zu nehmen oder um Abzeichen oder Zertifikate zu erhalten.
Dass die Jugend die Zukunft ist, weiß man auch in China. Deshalb hat das Land 2017 seinen ersten nationalen Jugendentwicklungsplan aufgestellt. Jede Provinz ist angehalten, Ziele und Maßnahmen zu ent­wickeln, um die Jugend u.a. in den Bereichen Ideologie, Moral, Bildung, Gesundheit, Unternehmertum und Kultur in besonderer Weise zu fördern. So soll zum Beispiel das Bildungsniveau gesteigert und Beschäftigung wie Unternehmertum von jungen Menschen gefördert wer­den. Auch der internationale Austausch wird als wichtig angesehen. In Deutschland werde der Jugend­arbeit sehr viel Bedeutung zugemessen, wussten die Gesprächspartner der Delegation aus NRW, und gerne wolle man von den Erfahrungen in Deutschland profi­tieren.

Der Uni in Qingdao statteten die Ehrenamtler
aus NRW ebenfalls einen Besuch ab
Bei weiteren Fachterminen wie beim Besuch der Freiwilligen im Automuseum in Peking, dem Community Center in der Brunnenstadt und dem Besuch der deutsch-chinesischen Fakultät in Qingdao kam die Delegation mit vielen jungen Menschen ins Gespräch. Durch die hohe Bevölkerungszahl und die große Konkurrenz der jungen Menschen untereinander ist die Zeit für gesellschaftliches Engagement knapp. Dennoch bemühen sich die jungen Menschen, sich zumindest einmal im Monat für die Gemeinschaft zu engagieren. Der Staat versucht, sie dabei zu unterstützen: So werden Kooperationen zwischen Schulen bzw. Universitäten und verschiedenen gesellschaftlichen Einrichtungen gefördert und es werden Vorteile für diejenigen geschaffen, die sich engagieren. Ein Jahr Auszeit für die Gemeinschaft, wie es in Form des Freiwilligen Sozialen Jahres oder Bundesfreiwilligendienstes in Deutschland möglich ist, scheint in China aber weiterhin undenkbar. Zu groß sind Konkurrenzkampf und Leistungsorientierung. Für manche Ehrenämter gibt es Auswahlverfahren, manchmal sogar Leistungsprüfungen. Das Verständnis, für ein Ehrenamt besser sein zu müssen als die anderen, erscheint aus deutscher Sicht eher fremd.

Die Kulturunterschiede sind nicht nur beim Ehrenamt zu spüren. Auch beim Essen machen sie sich bemerkbar. Durchweg sehr lecker und abwechslungsreich probierten die mutigsten Delegationsmitglieder auch Schildkröte und Seestern. Nach dem Essen noch gemütlich bei einem Espresso zusammensitzen? In China undenkbar. Mit dem Code-Satz "Ihr seid doch sicher müde nach dem langen Tag", wird man aus dem Separee gescheut, sobald man die Stäbchen aus der Hand gelegt hat.
Neben den Fachterminen hatte die Delegation auch ein wenig Zeit für Sightseeing. So wurde die Verbotene Stadt besichtigt, die Chinesische Mauer erklommen und die Geburtsstadt von Konfuzius besucht. Eine besondere Erfahrung war es, dass nicht nur die alten Gemäuer sondern auch die Delegation aus NRW ein beliebtes Fotomotiv für viele Chinesen war. Besonders in der Provinz schienen die NRW-ler für manche die ersten Europäer zu sein, die sie zu Gesicht bekamen, und oft folgte die Bitte, mit ihren Kindern vor Sehens­würdig­keiten zu posieren.

Für alle war die Reise ein besonderes Erlebnis. Die Delegationsmitglieder haben unglaublich viel gesehen, gelernt und selbst ausprobiert und dabei tolle Menschen kennengelernt. Wie Konfuzius sagte: "Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können."

Auch ein Treffen mit offiziellen Vertretern des Partnerverbandes CPAFFC stand auf dem Programm