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"Wir brauchen Entwicklungsmöglichkeiten im Öffentlichen Dienst"
19.11.2019  
An den Schulen fehlen Lehrer, die Steuerbescheide bei den Finanzämtern brauchen ewig und bei Kommunen bleiben Stellen frei. In vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes fehlt es an Personal. Der Grund: kein Nachwuchs. Zeit, einen Blick auf die Gründe dafür zu werfen.

"Wir steuern einer großen Ausscheidungswelle entgegen", sagt Sebastian Schallau, stellvertretender Vorsitzender der dbb jugend nrw. Vorbei sind sie, die geburtenstarken Jahrgänge der 70er Jahre, die eine große Auswahl an Bewerbern mit sich brachte. Wenn die damals eingestellten Mitarbeiter nun vermehrt ausscheiden, bleiben viele Schreibtische leer. Denn der Öffentliche Dienst wirkt heute auf viele potentielle junge Bewerber verstaubt und unattraktiv.

Fort- und Weiterbildung sollte auch im Öffentlichen Dienst für jeden möglich sein, findet die dbbj nrw
Befristete Verträge sorgen für Unsicherheit

Früher war es vor allem die Sicherheit im Job, die die Bewerber anzog. Doch die Zeiten haben sich geändert. Auch im Öffentlichen Dienst gibt es befristete Verträge, sicher ist da lange nichts mehr. Zudem sind jungen Leuten heute oft andere Dinge wichtig. Dazu zählen Entwicklungsmöglichkeiten im Job oder auch, wie sehr sie sich selber mit ihren Ideen und Beobachtungen einbringen können. Partizipation halt.

"Wenn man selbst mitgestalten kann, ist die Iden­ti­fi­ka­tion mit dem Job höher", sagt Schallau. In einigen Ver­wal­tungen hat man deshalb ein so genanntes Ideen­mana­ge­ment etabliert. Mitarbeiter können dort Vor­schlä­ge einreichen, die dazu beitragen, Arbeitsabläufe oder auch das Arbeitsumfeld besser zu gestalten.

Beschäftigte mitgestalten lassen
"Es fehlten beispielsweise im hinter Bereich des Warendorfer Kreishauses Wegweiser, um Bürger durch das Kreis­haus zu lotsen", sagt Schallau aus der eigenen Erfahrung. Denn im Kreis Warendorf hat man das Ideen­management bereits erfolgreich etabliert. Ebenso in Münster oder Steinfurt, um nur einige Behörden zu nennen. Damit nutzt man das Knowhow der eigenen Beschäftigten. "Die Ideen sind sehr verschieden und reichen von einer Wildblumenwiese bis hin zu Wegweisern für Blinde oder Vorschläge zur Umsetzung einer barrierefreien Behörde", sagt Schallau. Nicht alle Ideen werden tatsächlich umgesetzt. In den jeweiligen Behörden sind kleine Teams dafür zuständig, die eingereichten Vorschläge zu bewerten und auf ihre Umsetzbarkeit hin zu prüfen. Ist eine Idee sinnvoll, wird sie umgesetzt und der Ideengeber bekommt einen monetären Anreiz, erklärt Schallau.

"Genau das braucht man neben anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel der Möglichkeit zur persönlichen Weiter­ent­wick­lung, um den Öffentlichen Dienst wieder für junge Menschen attraktiv zu machen", sagt Schallau. Denn nicht nur Themen wie Work-Life-Balance sind im Fokus junger Leute.

Berufliche Entwicklung planbar machen

Gerade Berufsanfänger möchten wissen, wie sie sich innerhalb ihrer beruflichen Laufbahn fortbilden- und weiter­ent­wickeln können, so der stellvertretende Vorsitzende. Neben finanziellen Anreizen spiele auch die Freistellung von der Arbeit zugunsten aufbauender oder berufsbegleitender Masterstudiengänge eine Rolle. Schallau erwähnt das, weil es dazu keine einheitlichen Regelungen gibt. Manche Kommunen stellen ihre Mitarbeiter dafür frei, in anderen sind studieninteressierte Arbeitnehmer gezwungen, ihre Stunden zu reduzieren und das angestrebte Studium außerhalb der Arbeitszeit zu absolvieren.

Fortbildung darf nicht finanziell belasten

Damit bringt eine berufliche Fortbildung vor allem Berufsanfänger in eine finanziell angespannte Situation. Auch in Bereichen mit niedrigeren Gehältern komme es dazu, dass eine Weiterbildung allein an monetären Voraussetzungen scheitere.

Anderes Beispiel: "Viele Dienstherren tun sich schwer, ihren Verwaltungsfachangestellten den Ausbildungslehrgang II zu ermöglichen. Die Interessierten müssen ihn in der Regel selbst bezahlen", sagt Schallau. Für den stellvertretenden Vorsitzenden der dbb jugend nrw ist das nicht nachvollziehbar. Die Investition in sein eigenes Personal sei doch eine Investition in die Zukunft.

"Wir würden uns wünschen, dass ein transparentes System geschaffen wird, das Fort- und Weiterbildungen für jeden ermöglicht", sagt Schallau. Es fehle in den Verwaltungen ein Konzept im Kampf um die besten Köpfe. Wäre dies vorhanden, würde man einzelne Mitarbeiter in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen können. Dazu aber müsste man ihre Fähigkeiten analysieren und langfristig gemeinsam mit ihnen planen, wo man sie in drei bis fünf Jahren sieht.

Die Realität hingegen sieht anders aus: Es ist vom Arbeitgeber oder Dienstherrn abhängig, ob solche Gespräche stattfinden oder nicht. So jedoch bindet man kein Personal. Man gewinnt es nicht einmal.