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In der Corona-Krise im Einsatz für alle
23.03.2020  
Wenn Susanne Aumann morgens ihren Dienst beim Ordnungsamt der Stadt Aachen beginnt, weiß sie nicht, was sie im Tagesverlauf erwarten wird. Wie sich ihre Arbeit in diesen Tagen verändert hat, welche Belastungen die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst im Moment tragen und welche unfassbar solidarischen Momente sie beflügeln.

Aachen ist eine gemütliche und quirlige Stadt. Doch die Infektionsgefahr mit dem Corona-Virus und die Nähe zu Heins­berg und den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden machen dort sehr frühzeitig einschneidende Maßnahmen notwendig.

Der Schutz der Bevölkerung zählt

Im Sonderteam arbeiten die Beschäftigten aus den verschiedenen Bereichen eng zusammen
Im Ordnungsamt Aachen versucht Susanne Aumann gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen jeden Tag das Unplanbare möglichst gut vorzubereiten. Dazu gehört auch die Umsetzung der Vorschläge aus dem Krisenstab. Dazu zählt zum Beispiel, vorausschauende Strategien zu finden, die unter anderem einen Pandemie­plan betreffen, aber auch die Umsetzung der Erlasse des Landes NRW. Wie viele Beschäftigte müssen zur Aufrechterhaltung der Verwaltung, der inneren Ordnung und der Sicherheit verfügbar sein? Wie sieht die kritische Infrastruktur aus? Es betrifft die Vorbereitung zusätzlicher Maßnahmen, auf die man vielleicht in Zukunft ganz schnell wird zurückgreifen müssen. Es geht um die Präsenz auf den Straßen. - Zum Schutz der Bevölkerung.

Nix "Dienst nach Vorschrift"
Das geht nicht alleine. Es geht nur, weil viele Beschäftigte weit mehr als das tun, was man von ihnen erwarten könnte. Manche arbeiten täglich zwölf bis vierzehn Stunden, sieben Tage die Woche. Weil sie helfen wollen, die schwierige gesellschaftliche Situation möglichst gut zu meistern. Von dem Bild eines trägen und unflexibel arbeitenden öffentlichen Dienstes, das in der Öffentlichkeit oft vorherrscht, ist das meilenweit entfernt.
Viele Beschäftigte anderer Abteilungen springen spon­tan ein. "Arbeitsbereiche, die jahrelang neben­ein­an­der her gearbeitet haben, sind jetzt mental fest zusammen­ge­schweißt", sagt Susanne. Ein Sonderteam aus ver­schie­denen Abteilungen, zu dem neben dem Außen­dienst auch Bereiche wie die allgemeine Gefahren­ab­wehr sowie Veran­stal­tungen, Gaststätten oder Gewerbe zählen, plant übergreifend. "Seit Anfang März arbeiten in vielen Bereichen Kollegen freiwillig mehr - auch an Wochenenden", sagt Aumann. Sie schieben Telefon­dienste, beantworten Fragen von Bürgern und vermitteln Kontakte, wenn es um die finanzielle Förderung in nun entstandenen Notlagen geht.

Solidarität zum Anfassen

Das Ordnungsamt der Stadt Aachen erlebt
in diesen Tagen viel Solidarität
Diese Welle der gegenseitigen Unterstützung trägt sie und das ganze Team durch die schwierige Zeit. Die Stadt organisiert intern Hilfsangebote und überlegt, aus welchen Abteilungen Kollegen abgezogen werden können, um die Arbeit in den Bereichen zu unterstützen, in denen es um die Sicherheit, Gesundheit und Ordnung geht. "Wir haben zum Beispiel von der Bauaufsicht oder dem Sportamt Hilfsangebote bekommen", sagt Susanne. Wenn sie davon berichtet, spürt man, wie eng die Krise die Beschäftigten zusammen gebracht hat. "Wir erleben viel solidarische Haltung", so fasst sie es zusammen.

An manchen Stellen kann man diese Solidarität auch auf den Straßen erleben. Sie selbst war mit dem Kommunalen Ordnungs- und Sicherheitsdienst dort in den letzten Tagen im Einsatz, um gesperrte Spielplätze zu überprüfen und die Schließung von Geschäften und Restaurants zu kontrollieren. "Das tun wir seit Anfang der vergangenen Woche", sagt sie. Neben Bürgern, die das gutheißen, erleben die Mitarbeiter des Ordnungsamtes jedoch auch andere Szenen. "Oft spüren wir, dass das Verständnis für diese strikten Maßnahmen da ist. Doch viele begreifen den Ernst der Lage noch nicht", Susanne.
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Viele warten auf den Besuch des Ordnungsamts

Das betrifft nicht nur Familien, die nach wie vor mit ihren Kindern die Spielplätze besuchen möchten, sondern auch Gewerbetreibende. Von Nagelstudiobesitzerinnen, die sich über eine Schließung wundern, bis hin zu Restaurantbesitzern, die trotz gültiger Allgemein­ver­fügung der Stadt auf eine private Information warten. "Viele glauben, die Verfügung ist erst zu bedenken, wenn das Ordnungsamt persönlich vorbeikommt", sagt die junge Verwaltungsbeamtin.

Der Innendienst musste deshalb aufgestockt werden, aber auch der Stab der Kontrolleure die raus fahren, um so genannten Corona-Partys nach­zu­gehen und aufzu­lösen oder Restaurantbesucher- und -betreiber darauf hinzuweisen, dass Essengehen in diesen Zeiten ein zu hohes Risiko darstellt und darum unterbleiben muss.

Das geht nicht alleine. Es geht nur, weil viele Beschäftigte weit mehr als das tun, was man von ihnen erwarten könnte. Manche arbeiten täglich zwölf bis vierzehn Stunden, sieben Tage die Woche. Weil sie helfen wollen, die schwierige gesellschaftliche Situation möglichst gut zu meis­tern. Von dem Bild eines trägen und unflexibel arbeitenden öffent­lichen Dienstes, das in der Öffentlichkeit oft vorherrscht, ist das meilenweit entfernt.

Manche Kommunen vermelden Übergriffe

Bislang liefen solche Ermahnungen in Aachen relativ friedlich ab. Das ist nicht in allen Kommunen so. In Viersen beispielsweise wurden Beschäftigte des Kommunalen Ordnungsdienstes bei verschiedenen Spielplatzkontrollen be­spuckt, beleidigt und körperlich angegriffen. In einem Fall mussten sich die Beschäftigten mit Pfefferspray zur Wehr setzen und die Angreifer danach selbst überwältigen.

Solche Momente gehen besonders in der derzeitigen Situation den öffentlich Beschäftigten zusätzlich nahe. Denn weit über das normale Maß hinausgehendes Engagement und die Belastung wie auch der Wille, diese Krise zum Wohle der Gesellschaft zu meistern, liegen lastend auf den Schultern vieler.

In vielen Bereichen macht die Corona-Krise sichtbar, wo aus normalen Berufstätigen Helden werden. In den sozialen Medien werden Krankenschwestern mit Dankesworten bedacht, Mediziner, Kassiererinnen oder Bäcker. "An das Ordnungsamt und den kommunalen Dienst denken da nicht viele", stellt Susanne ernüchtert fest und fügt an: "Auch wir arbeiten für eure Sicherheit und Gesundheit. Darum bleibt bitte für uns zu Hause!"