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Was die öffentlich Beschäftigten in der Krise leisten
05.05.20  
Die Corona-Krise hat das Leben aller verändert. In vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes leisten Beschäftigte in den letzten Wochen sichtbar und oftmals auch unsichtbar Unglaubliches. Warum das unverzichtbar für ein ganzes Land ist und was die Beschäftigten hier leisten, erklärt Moritz Pelzer, Vorsitzender der dbb jugend nrw.

Warum ist der Öffentliche Dienst gerade in einer solchen Krise wichtig?

M. Pelzer: Weil hier Dienste für die Gesellschaft geleistet werden, die unverzichtbar sind. Ohne Ordnungsämter, die dafür Sorge tragen, dass die Regelungen, die allen auferlegt werden, auch von allen beachtet werden, wäre diese Krise beispielsweise nicht zu meistern. Im Öffentlichen Dienst arbeiten Menschen, die hoheitliche Aufgaben wahrnehmen, welche von niemand anderem übernommen werden können. Der Öffentliche Dienst ist beispielsweise Leistungs­erbringer im Sozialstaat. Die Arbeit in Sozialämtern oder Jobcentern müssen darum auch in der Krise weiterlaufen, weil sie die Existenz vieler Menschen sichern. In Ministerien müssen Anträge auf Soforthilfe gerade jetzt zeitnah abgewickelt werden.

Denken wir an die hoheitlichen Aufgaben, denken viele vielleicht gleich an die Polizei. Das Standesamt hingegen haben vermutlich viele Bürger nicht im Blick, wenn es um solche Aufgaben geht: Neben Trauungen sind die Beschäftigten dort auch jetzt für die Beurkundung von Geburten, Namensgebungen und leider auch von Sterbefällen zuständig. Darum könnte es niemals vollkommen schließen.
Der Öffentliche Dienst gilt als schwerfällig und un­flexibel. Wirklich wahr?

M. Pelzer: Ich sehe das aus eigener Erfahrung und tiefstem Herzen anders. Wir leben in einem demo­kra­tischen Rechts­staat, der nur am Laufen gehalten wird, wenn der Öffentliche Dienst funktioniert. Und er funk­tio­niert: leistungs­fähig und flexibel. Selbst in unplanbaren Krisen­situationen. Da sind Beschäftigte, die von heute auf morgen ihren Bereich wechseln und in einer völlig fremden Behörde mitarbeiten. Das geht nur, weil im öffentlichen Sektor Menschen arbeiten, die gut ausge­bildet sind und darum in der Lage, schnell in anderen Bereichen einzuspringen. Sie zeigen Flexibilität in fach­lichen Dingen, aber auch in ihrer Einsatz­bereit­schaft. Viele, die normalerweise tagsüber arbeiten, sind im Moment in Schichtsystemen tätig. Viele machen Über­stunden.

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M. Pelzer: Keinesfalls. Auch im Öffentlichen Dienst gibt es unzählig viele flexible und kreative Lösungen in dieser Zeit. Weil die Behörden für den normalen Publikumsverkehr gesperrt sind, hat sich beispielsweise die Stadt Remscheid einen besonderen Service einfallen lassen: Sie liefert Führerscheine und Personalausweise aus. In Schulen hat man von einem Tag auf den anderen auf "Lernen auf Distanz" umgeswitcht. Dort geben Lehrer in Videokonferenzen Unterstützung beim Lernen, stehen in Chats mit den Schülern in Kontakt und sind auf vielen Wegen erreichbar. In vielen kommunalen Einrichtungen sind Hotlines geschaltet, wo nor­maler­weise Beratungen im persönlichen Gespräch auf der Tages­ord­nung stehen.

Im Öffentlichen Dienst arbeiten viele Menschen, die nicht so offen­sichtlich wie vielleicht medizinisches Personal oder Supermärkte im Blick der Öffentlichkeit stehen. In welchen Bereichen hat der Öffent­liche Dienst meist von der Öffentlichkeit unbemerkt viel zu meistern?


M. Pelzer: In vielen Bereichen werden im Moment unzählige Überstunden geleistet. Denken wir allein an die Menschen, die in den Krisenstäben auf kommunaler und auf Landesebene arbeiten. Im IT-Bereich kümmern sich Beschäftigte seit vielen Wochen um die Bereitstellung von Online-Möglich­keiten. Denn viele arbeiten plötzlich aus dem Homeoffice, es müssen Hardware- und Softwarelösungen für Dienste gefunden werden, die es zuvor nicht gab. Es wurde eine IT aus dem Boden gestampft, wie es sie im Öffentlichen Dienst in dem Ausmaß noch nie gegeben hat.

Denken wir auch an die, die in den Gesundheitsämtern und bei Ord­nungs­diensten tätig sind oder an die, die Frei­willigen­listen führen, um für den absoluten Ernstfall gerüstet zu sein und pflegerische und medi­zinische Unter­stützung zu sichern. All das ist ein großer ad­ministra­tiver Aufwand, der ungesehen im Hintergrund läuft.