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Mitten in der Krise schon auf morgen schauen
08.05.20  
Auf den Öffentlichen Dienst kamen durch die Corona-Krise in den letzten Wochen riesige Aufgaben zu. Von der Nor­ma­li­tät wird man hier noch lange entfernt sein. Moritz Pelzer ordnet die Situation ein und sagt, was man schon jetzt aus der Krise lernen kann.
Wann wird im Öffentlichen Dienst wieder annähernd Normalität herrschen?

M. Pelzer:
Noch befinden wir uns mitten in der Krise, von der niemand weiß, wie sie sich weiterentwickeln wird. Experten sprechen davon, dass uns das Social Distancing bis 2022 erhalten bleiben könnte. Wir wissen, dass die Pandemie eine Wirtschaftskrise nach sich ziehen wird. Man kann sicher sagen, dass weder dieses noch nächstes Jahr wieder Normalität an den Arbeitsplätzen im Öffentlichen Dienst herrschen wird. Denn in vielen Bereichen wird es noch zeitversetzt zu extremer Mehrbelastung kommen. Lehrer werden das Homeschooling aufarbeiten müssen, Jobcenter und Sozialamt werden durch die wirtschaftliche Entwicklung viel mehr ausgelastet werden. Finanzämter werden Soforthilfen und Lohnausfälle verrechnen müssen. Es werden dort viele schwierige Fälle zu bearbeiten sein.

Im Interview zum Öffentlichen Dienst in der Corona-Krise: Landesjugendleiter Moritz Pelzer
Was kann man aus der Krise lernen?

M. Pelzer:
Seit 2015 ist das Personal nicht aufgestockt worden. Dennoch sind die Beschäftigten motiviert, die nötigen Aufgaben möglichst umfassend zu erledigen. Wir müssen lernen, dass es so nicht weitergehen kann. In diesem eng gestrickten Kleid hängen keine freien Maschen mehr. Wir haben keine Ressourcen, die man zusätzlich nutzen könnte.
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Im Schulbereich haben wir nicht genug Lehrkräfte - im Schichtsystem soll nun mit Ausschluss der Risikogruppe, die es auch unter Lehrern gibt, weiter unterrichtet werden. Wie will man hier nach der Krise weiter­machen? Auch hier wird der Personalnotstand nach der Krise offenkundiger denn je sein.

Hätte die Politik die Mittel zur Verfügung gestellt, wäre bereits vor der Krise viel Digitalisierung möglich gewesen. Damit hätte man dem Bürger einen besseren Service bieten können. Man darf die Chance nicht verpassen, nach der Krise da anzuknüpfen, wo wir jetzt stehen und nicht alles wieder zurückzudrehen. Die digitale Infrastruktur muss überdacht werden.

Viele junge Leute berichten uns im Moment davon, wie stark und engagiert sie sich freiwillig in ihre Arbeitsbereiche einbringen. Was wäre da ein Zeichen?

M. Pelzer: Dieser Einsatzwillen darf nicht morgen schon wieder Schnee von gestern sein. Wir befinden uns in einer historischen Zeit, die so noch nie jemand erlebt hat. Wertschätzung wäre jetzt ein passendes Zeichen. Es wäre wichtig, ein Dankeschön für die bisher geleistete Arbeit aus­zu­sprechen. Vielfach aber wird agiert nach dem Motto: Nicht ge­schimpft ist genug gelobt.

Zudem wäre es wertschätzend, über andere Anreize Zeichen zu setzen - wie über das Beurteilungssystem, über das Beförderungen laufen. Mich schockieren erste Stimmen aus der Politik, die schon jetzt verlauten lassen, dass es nicht zu vertreten sei, jetzt noch zu befördern. Die Politik kann in der kommenden Besoldungsrunde des TVöD ein Zeichen setzen. Mit Kaffee und Kuchen ist es nicht getan.