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Jugendarbeitslosigkeit steigt - vor allem in NRW
09.09.2020  
Fehlende Bildung, eine unsichere Lage in vielen Unternehmen - das wirkt sich vor allem auf die Situation der jungen Menschen in Deutschland aus: die Jugendarbeitslosigkeit steigt. Ein Überblick über die ernste Lage.

Die ersten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nach Beginn der Corona-Krise sind da. Ein Grund zur Freude sind sie nicht für Moritz Pelzer, dem Vorsitzenden der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). Sie dokumentieren, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt vor allem für Jugendliche ernst ist. Immer mehr Jugendliche sind arbeitslos.
275.000 arbeitslose Jugendliche

"Wir hatten letztes Jahr im Mai 190.000 Menschen unter 25, die arbeitslos gemeldet waren. Dieses Jahr im Mai waren es schon 275.000 - und das trotz des demo­gra­fischen Wandes", sagt Pelzer beim parlamentarischen Abend "Meet & Greet - Jugend trifft Politik" der dbb jugend nrw in Düsseldorf. Diese Zahlen werden - nach Einschätzung Pelzers - in der Zukunft nicht nur die dbb jugend nrw als Jugenddachverband beschäftigen. Auch die politischen Gäste, zu denen unter anderem Andreas Bothe, Staatssekretär des Familien­ministeriums, Jürgen Mathies, Staatssekretär des Innenministeriums, sowie Düsseldorfs Ober­bürger­meister Thomas Geisel zählten, werden Antworten auf diesen Trend finden müssen. "Es tut Not, dass wir uns dringend etwas einfallen lassen" sagt Pelzer.

Unsichere Zukunft für junge Menschen:
In Deutschland steigt die Jugendarbeitslosigkeit
Schon der Übergang von Schule in die Ausbildung zeigt sich bei den unter 25-Jährigen als problematisch - und das vor allem in Nordrhein-Westfalen. Das bevölkerungsreiche Bundesland liegt auf Platz eins einer traurigen Hitliste. Im Juni 2020 waren rund 70.100 Jugendliche unter 25 arbeitslos. Im Vergleich dazu Bayern: dort waren es rund 32.600, in Niedersachsen 31.600.

Im europäischen Vergleich steht Deutschland nur scheinbar gut da

Zwar steht Deutschland im europäischen Vergleich noch relativ gut da, denn hierzulande liegt die Jugend­arbeits­losen­quote bei 5,6 Prozent. In Spanien dagegen sind es beispielsweise 33,1 Prozent. Allerdings gebe es dafür nach Ein­schätzung Pelzers Gründe, die auch keinen Anlass zur Beruhigung geben: Deutschland ist demografisch sehr schlecht aufgestellt. Seit vielen Jahren werden zu wenig Kinder geboren. Das führt dazu, dass es nun für die geburtenschwachen Jahrgänge im Vergleich zu anderen Ländern mit einer höheren Rate junger Menschen vergleichs­weise viel Arbeit gibt.

Unterm Strich bleibt es dennoch zu wenig, wie die aktuelle Entwicklung zeigt. In Folge der Corona-Krise müsse man davon ausgehen, dass sich dieser Trend fortsetzen werde, ist sich der Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugend­dach­ver­bandes sicher. Junge Menschen finden schlechte Voraussetzungen vor. Anhaltende finanzielle Un­sicher­heit in Betrieben und bei Arbeitgebern sorgen dafür, dass weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt werden. Das führt dazu, dass junge Menschen erst gar nicht in den Genuss einer Ausbildungsstelle kommen, oder aber nach der Ausbildungszeit nicht übernommen werden.

20 Prozent der Jugendlichen fallen tief

Hinzu kommt nach Einschätzung des Jugendforschers Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin ein weiteres Problem: Zwar sind nach den Erhebungen vor der Corona-Pandemie rund 80 Prozent der Jugendlichen gut ausgebildet. Die 20 Prozent aber, die nicht dazu zählen, seien weit abgeschlagen. "In sie müsste vor Aufnahme einer Ausbildung massiv investiert werden, um sie aus der Benachteiligung zu holen", sagt Hurrelmann. Die Politik aber habe die jungen Menschen in der Krise vergessen, moniert er in einem Interview des Redaktionsnetzwerks Deutschland .

Ideen gegen die Jugendarbeitslosigkeit

Es sei dringend notwendig, Jugendlichen schon in Schulen frühzeitig Hilfen anzubieten und sie zudem stärker politisch zu involvieren und sich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen sowie ihre Ideen aufzugreifen.

"Als Jugendverband tun wir alles dafür, das zu unterstützen - und als gewerkschaftliche Dachorganisation für junge Beschäftigte im Öffentlichen Dienst zudem noch in ganz anderer Richtung", sagt Pelzer. Dem Öffentlichen Dienst fehle es in vielen Bereichen schon seit Jahren an Nachwuchs. "Wir sprechen zum Beispiel von 13.000 offenen Stellen bei den Lehrern. Das ist bezeichnend für den gesamten Öffentlichen Dienst. Immerhin konkurrieren wir mit der Wirtschaft um die besten Köpfe Deutschlands."

Mehr junge Menschen im Öffentlichen Dienst beschäftigen

Aus diesem Grund hält Pelzer es für ein wichtiges Signal, dass der Öffentliche Dienst nun ein sichtbares Zeichen setze und zusätzliche Ausbildungsplätze anbiete. Das mache auch in Hinblick auf das jährliche Ausscheiden älterer Be­schäftigter demografisch Sinn. In den nächsten zehn Jahren wird rund ein Viertel der Beschäftigten in den öffent­lichen Verwaltungen in den Ruhestand gehen. "Auf die nächsten 20 Jahre liegt dieser Anteil sogar bei 61 Prozent", so beziffert es der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages in einer Sachstandserhebung vom Februar 2020.

Der Öffentliche Dienst könne nun ein positives Signal setzen und in Ausbildung investieren. Zudem sei es aus Sicht Pelzers notwendig, auch für die dazu notwendige Infrastruktur an den Hochschulen zu sorgen. "Die Polizei wollte beispielsweise ausbilden, aber es fehlten Plätze an der Hochschule", moniert Pelzer. Auch fehle es immer noch am Unterricht in digitalen Bereichen des Öffentlichen Dienstes. Jetzt in Schockstarre stehen zu bleiben und sich auf Probleme jenseits der Jugendlichen zu fokussieren, sei fatal. Denn so Pelzer: "Das wird sich in einigen Jahren rächen. Und dann nicht nur zu Ungunsten der Jugend im Land, sondern für ganz Deutschland."