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Welt-Aids-Tag: Hilfe bleibt auf der Strecke
01.12.2020  
Aufklären und Prävention zu betreiben ist der beste Weg, um Menschen vor einer HIV-Infektion zu schützen. Was sich so selbstverständlich anhört, ist in Zeiten von Corona alles andere als einfach. Die Aidshilfe berichtet als Ko­opera­tions­partner der dbb jugend nrw darüber, vor welchen Problemen sie steht.

Derzeit gibt es 33 verschiedene Medikamente auf dem Markt, die bei einer HIV-Infektion zum Einsatz kommen. Die Forschung ist auf der Suche nach Mitteln, die Menschen noch besser vor Ansteckung schützen. Weil die HI-Viren gegen ältere Arzneimittel resistent geworden sind, entwickeln Pharmakologen Medikamente, die die Behandlung von Infizierten auch in der Zukunft sicherstellen, heißt es seitens des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa). Die Welt scheint also so halbwegs in Ordnung. Die forschende Industrie zeigt sich optimistisch: "Eines Tages sollen Arzneimittel die Krankheit heilbar machen", sagt vfa-Präsident Han Steutel.

Sorgenvoller Blick in die Zukunft

Die Experten bei der Aidshilfe Düsseldorf sehen der Zukunft jedoch sorgenvoller entgegen. - Erst recht in Pan­de­mie­zei­ten. Denn Medikamente können nur helfen, wenn sie auch ankommen. Das aber sei im Moment noch sehr viel we­ni­ger sichergestellt als vor der Pandemie, sagt Gary van der Meer, Bereichsleiter Jugend bei der Aidshilfe Düsseldorf e.V.

Bärenstark für die Aidshilfe:
In diesem Jahr macht der Solibär blau
Foto: (c) by Aidshilfe Düsseldorf e.V.
Die Realität: Das zweimal wöchentlich angebotene Früh­stück für HIV-Positive und Drogenabhängige kann bereits seit März nicht mehr stattfinden. Es gehört jedoch neben vielen anderen Aktivitäten der Aidshilfe Düssel­dorf zu den Angeboten, über die niederschwellig Kontakt zu Risikogruppen und Hilfesuchenden aufgebaut wer­den kann. Dazu ist der persönliche Kontakt funda­men­tal.

Streetworker stehen vor Problemen

Das Problem zeigt sich besonders deutlich in der Arbeit der Streetworker. Diese erreichen durch Kontakt­be­schrän­kungen und durch das Verbot von Sexarbeit die Menschen nicht mehr, die sie normalerweise beraten und unterstützen. „Unsere Streetworker versuchen den Kontakt zu halten, aber durch das Verbot sind die Männer und Frauen nicht mehr dort auffindbar, wo sie normaler­weise waren“, sagt Gary van der Meer. Der Zu­gang zu HIV- und Aids-Medikamenten und Prä­ven­tiv­an­ge­boten bleibt somit denjenigen verwehrt, die zu Risikogruppen gehören und aufgrund ihrer persönlichen Situation keinen normalen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Das ist nicht nur bei Sexarbeiterinnen so, sondern auch bei Drogen­abhängigen.
"Oft kommen Sprachbarrieren hinzu. Darum unterstützen unsere Sozialarbeiter die Menschen an den Orten, an denen sie sie normalerweise antreffen, dabei, Medikamente zu bekommen oder Anträge zu stellen", sagt van der Meer.

Aidshilfe fürchtet um Versorgungslücken

Auch die Deutsche Aidshilfe warnt vor Versorgungslücken. Die Corona-Pandemie reduziere HIV-Testangebote und könne so Spätdiagnosen und HIV-Übertragungen begünstigen. Das ist einmal mehr besorgniserregend, als dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland bereits vor dem Corona-Ausbruch leicht angestiegen ist. "Diese Zahlen können uns nicht zufriedenstellen. Es wäre möglich, deutlich mehr HIV-Infektionen und schwere Erkrankungen zu ver­hin­dern. Nun drohen stattdessen Rückschritte und Schäden, weil die Pandemie Lücken bei den Testangeboten reißt", sagt Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe.

Die Hürde, zur Aidshilfe zu kommen, ist oft zu hoch

Auch in Düsseldorf beobachtet man das mit Sorge. "Der Weg von den Plätzen, an denen sich die Menschen aufhalten, die wir unterstützen, hin zu den Räumlichkeiten der Aidshilfe Düsseldorf ist zu groß. Die Hürde, hierher zu kommen, ist zu hoch", sagt van der Meer. Viele möchten nicht aktiv um Unterstützung bitten oder haben Angst, bei der Aidshilfe ge­sehen zu werden.

Dem stehen Zahlen gegenüber, die sich die Experten anders wünschen würden: 10.800 Menschen lebten Ende 2019 in Deutschland mit HIV, ohne davon zu wissen - viele bereits seit Jahren. Etwa ein Drittel der HIV-Diagnosen erfolgt erst, wenn bereits eine schwere Erkrankung auftritt. 1.100 Menschen bekommen pro Jahr Aids oder erleiden einen schweren Immundefekt, obwohl es vermeidbar gewesen wäre. Die Besorgnis ist groß, dass sich das durch die gegenwärtige Situation weiter verschlechtern könnte. Für möglichst frühe Diagnosen sind vor allem Testangebote notwendig.

Corona-Meldelisten verhindern Anonymität

Das auch bereits in der Vergangenheit durch Spendenmittel des Jugendwerks der dbb jugend nrw e.V. unterstützte Angebot Check-Point, in dem sich Menschen anonym auf HIV und Geschlechtskrankheiten testen lassen können, wird zwar derzeit bei der Aidshilfe Düsseldorf noch fortgeführt. "Durch die Corona-Meldelisten ist es jedoch in gewisser Weise nicht mehr als anonymes Angebot möglich", sagt van der Meer.

Zudem fürchte man um finanzielle Einbußen. Denn die Arbeit der Aidshilfe Düsseldorf wird zu einem Teil aus Spenden­geldern finanziert. "Wir haben bereits jetzt weniger Einnahmen, weil wir keine Benefizveranstaltungen mehr durchführen können und auch vor Ort keine Spenden mehr sammeln können", sagt der Jugendbereichsleiter.

So kann man finanziell helfen

Doch Not macht erfinderisch: Am 14.12. wird es eine Online-Kunstauktion geben, über die man Geld hereinholen möchte. Wer die Aidshilfe Düsseldorf unterstützen möchte, kann das auch per SMS tun. Über die Kurzwahl 81190 spendet man 5 Euro.

Eine weitere Möglichkeit: Jedes Jahr verkauft Heartbreaker, der Förderkreis der Aidshilfe Düsseldorf den Solibären. Dieser sieht in jedem Jahr anders aus und kostet 7 Euro. Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der Aidshilfe Düssel­dorf gibt es in diesem Jahr auch ein große Ausgabe des Kuscheltiers für 35 Euro. Bestellungen sind möglich unter der Adresse: heartbreaker@duesseldorf.aidshilfe.de.