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Öffentlicher Dienst: krisenfest in heftigen Zeiten - aber Investitionen nötig
12.03.2021  
Überstunden ohne Ende, Delegierung in andere Arbeitsbereiche, Gewährleistung von Hilfe trotz Kontaktbeschränkung: Mit Beginn der Pandemie hat sich für den Öffentlichen Dienst vieles verändert. Ein Kraftakt. Mit welchem Erfolg, das nimmt eine Studie nun unter die Lupe. Vor allem den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst wird dabei ein gutes Zeugnis ausgestellt.

In Krisenzeiten zeigt sich, was funktioniert und wo schon lange der Hund begraben ist. So ist es auch in der Pandemie­zeit. Im März 2020 wurden von heute auf morgen tausende Verwaltungsbeschäftigte ins Homeoffice geschickt. Zugleich mussten die Behörden dauerhaft und schnell auf die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen und Aufgaben reagieren. Insbesondere deswegen, weil hier in vielen Fällen die Stränge zur Bewältigung der pandemischen Krise zusammenlaufen.

Pandemie bringt für die meisten deutlich höhere Arbeitsbelastung


Das zeigte sich in der Arbeitsbelastung der Beschäftigten. Rund die Hälfte der Mitarbeiter bei Bund, Ländern und Kommunen sahen sich einer höheren und sehr viel höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsagentur Next:Public, für die 5.000 Bürger und 6.000 Verwaltungsmitarbeiter befragt wurden.

Auch in Krisenzeiten für die Gesellschaft da: die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes
Obwohl vor allem in Kernbereichen wie Gesundheits- und Ordnungsämtern, Kliniken oder bei der Polizei von einem Moment auf den andern die Belastung stieg und zudem Arbeitskräfte fehlten, die dringend gebraucht wurden, konnten die Behörden ihre Leistungen und Unterstützung weiter anbieten. Um das zu gewährleisten, übernahm laut der Unter­suchung jeder vierte Arbeitgeber - auf kommunaler Eben sogar jeder dritte - in anderen Verwaltungsbereichen voll­kommen andere Aufgaben als normalerweise.

Verwaltung hat sich flexibel umstrukturiert

Wenn auch in etwas anderer Form als zuvor: Statt persönlich im Vier-Augen-Gespräch sind beispielsweise Beratungen seitdem nur noch telefonisch möglich. Hilfeleistungen sind vielfach durch den mangelnden persönlichen Kontakt schwerer zu erbringen. Zudem war viel technisches Umdenken und Umstrukturieren war nötig, um den Staat arbeits­fähig zu halten und für alle Bürgerinnen und Bürger weiterhin ansprechbar zu sein.
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Auch das Studienergebnis bescheinigt dem Öffentlichen Dienst für seine Bereitschaft zur Flexibilität und das hohe Engagement ein sehenswertes Zwischenzeugnis. Nur neun Prozent der befragten Bürger sah die Verwaltung in der Zeit der ersten Welle der Pandemie als nicht funktionsfähig an. Der Großteil der befragten Verwaltungsmitarbeiter sowie 44 Prozent der befragten Bürger sahen die Leistungsfähigkeit der Behörden hin­gegen nur geringfügig eingeschränkt.

Gutes Zeugnis für die hochengagierten Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst

Den Verwaltungen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene ist es während der ersten Phase der Corona-Pandemie zwar gelungen, arbeitsfähig zu bleiben, jedoch häufig Dank des hohen Einsatzes ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchung.

"Von Schwerfälligkeit und mangelnder Motivation, die der öffentlichen Verwaltung per se bescheinigt werden, zeugt das ganz und gar nicht", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) zu diesem Ergebnis. Trotz widrigster Umstände habe der Öffentliche Dienst bewiesen, wie sehr man sich auf ihn verlassen kann.

LJT macht Öffentlichen Dienst in Zeiten von Corona zum Thema

Genau aus diesem Grund wird die dbb jugend nrw anlässlich ihres Landesjugendtages im Frühjahr ihren Scheinwerfer auf dieses Thema richten, wenn es heißt: "Öffentlicher Dienst in Zeiten von Corona". "Wir müssen uns nicht verstecken. Wir sind da, wenn man uns braucht", betont Pelzer. Allerdings sei gute Arbeit nur bei guter technischer und personeller Ausstattung möglich, betont der Vorsitzende. Trotz aller frommen Wünsche sehe die Realität jedoch vielmals anders aus.

Das bestätigt auch die Studie "Verwaltung in Krisenzeiten". Die Verwaltungen hätten sich zwar bewährt, doch müsse der Öffentliche Dienst stärker digital befähigt werden, sagt Carsten Köppl, Projektleiter der Studie. Es fehlten digitale Bürger­services.

In Sachen Digitalisierung geht noch einiges

Die mangelnde Digitalisierung zeigte sich auch in anderer Hinsicht: Nur rund die Hälfte der Verwaltungsmitarbeiter/innen war mehrheitlich im Homeoffice. Rund ein Viertel musste seinen Dienst täglich vor Ort erfüllen. In den Kommunen waren es sogar 42 Prozent der Beschäftigten, zeigt die Studie.

"Damit zeigt sich, in welchen Bereichen sich etwas verändern muss, um den Öffentlichen Dienst attraktiv zu gestalten und für jungen Menschen als Arbeitgeber interessant zu machen", sagt Pelzer. Neben flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsmöglichkeiten, die Familie und Beruf vereinbar machen, zählt auch die Forderung nach besserer Digitalisierung und Ausstattung zu den Kernforderungen der dbb jugend nrw. Denn auch technisch müssten die Möglichkeiten für flexibles Arbeiten geschaffen sein.

Warum jetzt etwas passieren sollte

Der Öffentliche Dienst dürfe nicht den Anschluss verlieren, denn rückblickend betrachtet waren bereits Anfang 2020 mehr als 13.500 Stellen in NRWs Verwaltungen vakant. "Die waren auch noch unbesetzt, als wir in die Pandemie gingen", sagt Pelzer. Für viele heißt das auch weiterhin: Überstunden kloppen. Die aber lässt sich nach Erfahrung Pelzers keiner auszahlen. Eine sinnvollere Lösung stelle darum laut Pelzers Vorschlag die Einführung von Lebensarbeitszeitkonten dar.

"Wenn wir nicht jetzt die Chance nutzen, den Öffentlichen Dienst besser auszustatten und aufzustellen, wird die Luft durch unvorhergesehene Ereignisse wie die Flüchtlingskrise damals und die Pandemie heute sehr dünn", sagt Pelzer. Man brauche jetzt Ausbildung, um morgen gute Arbeitskräfte zu haben.