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Landesjugendtag: deine Stimme gegen Jugendarbeitslosigkeit
07.04.2021  
Die Arbeitsmarktzahlen in NRW sind alarmierend: Bereits jetzt sind 25 Prozent mehr Jugendliche arbeitslos als noch vor einem Jahr. Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktexperten ist bereits jetzt klar, dass dies erst der Anfang ist. Die Deutsche Beamtenbund-Jugend (dbb jugend nrw) nimmt das mit Sorge wahr und hat einen Plan. Um den geht es beim Landesjugendtag (LJT) am 23. April.

Nachdem in den letzten fünfzehn Jahren die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland deutlich gesunken ist, prog­nos­ti­zieren Analysten des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie jetzt einen Anstieg um bis zu 40 Prozent. Besonders schlecht sind die Zukunftsaussichten für gering qualifizierte junge Menschen. Das Problem: Deren Zahl wird zunehmen. Das hat verschiedene Ursachen.

Pandemie vergrößert die Benachteiligung

20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland wächst in strukturell schwachen Umfeldern auf. "Dies ist eine riesige Minderheit, um die wir uns große Sorgen machen", sagt Klaus Hurrelmann, Jugendforscher und Mitautor der Shell-Jugendstudie gegenüber der dbb jugend nrw. Denn diese Jugendlichen werden sich am Arbeitsmarkt nicht gut behaupten können. - Ohnehin schon nicht und durch die Corona-Krise noch viel weniger. Auch Experten der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft äußern in einer Stellungnahme ihre Sorge, dass Kinder, die wenig familiäre Unterstützung bekommen, in Sachen Bildung ins Hintertreffen geraten.

"Manche Kinder und Jugendlichen sind im Homeschooling auf sich selbst gestellt", sagt Moritz Pelzer, Vorsitzender der dbb jugend nrw. Nicht alle Eltern können ihre Kinder beim Lernen unterstützen. Besonders zu Beginn der Pandemie scheiterte das Lernen bei sozial benachteiligten Familien schon alleine daran, dass die nötige Hardware nicht zur Verfügung stand. Lernschwachen Kindern fehlt die individuelle Unterstützung. Was zudem zum Nachteil dieser Kinder und Jugendlichen beiträgt: Digitalunterricht hat von Schule zu Schule eine unterschiedliche Qualität. Das sind nur einige der Probleme, vor denen man sich in den nächsten Jahren sehe.
Soziale Bildungsungleichheit wird weiter wachsen

Damit ist deutlich, dass die Pandemiezeit für lern­schwache und benachteiligte Kinder die Gefahr großer Bildungsrückstände birgt. "Es ist mit erheblichen Lern­rück­stän­den zu rechnen", ist sich auch Armin Bernhard, Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Duisburg-Essen, sicher. Experten wie er weisen darauf hin, dass dies die soziale Bildungsungleichheit nochmals verschärfe werde.

"Darum ist es genau jetzt wichtig, verstärkt An­stren­gun­gen zu unternehmen, um diesen Jugendlichen eine Perspektive zu geben", sagt Pelzer. Um die Weichen dafür zu stellen, werden die über 60 Delegierten beim digitalen Landesjugendtag der dbb jugend nrw am 23. April über einen Antrag abstimmen, welcher der Situation der Benachteiligung etwas entgegenstellt.
(c) by Kautz15 / fotolia.com
Die aktuelle Corona-Krise führt zu einer
deutlich erhöhten Jugendarbeitslosigkeit
dbb jugend nrw will mit speziellen Workshops helfen

"Wir möchten möglichst schnell proaktiv etwas tun und vor allem jungen Menschen, die vor dem Ende ihrer Schul­lauf­bahn stehen, besondere Hilfsangebote machen", sagt Pelzer. Er vertraut auf ein breites Votum der Delegierten für diese Maßnahmen. Als gewerkschaftlicher Jugenddachverband wie auch als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe sehe man die Verantwortung und Kompetenz des Verbandes darin, junge Menschen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, betont Pelzer.

Bildungsarbeit für junge Menschen gehöre zum festen Repertoire des Verbandes. Man habe erfahrene Trainierinnen und Trainer und ein gut funktionierendes Netzwerk zu den Schulen. Schon seit vielen Jahren ist die dbb jugend nrw mit festen Bildungsangeboten für junge Menschen unterwegs. Zu dem Programmangebot gehören Workshops für Schülerinnen und Schüler zu den Themen Konfliktmanagement, Rhetorik oder Kommunikation und Präsentation. Diese Kompetenz will man nun nutzen, um mit zusätzlichen Workshops in kleineren Lerngruppen der wachsenden Jugend­arbeits­losigkeit etwas entgegenzustellen.

Mit positivem Votum etwas gegen Jugendarbeitslosigkeit tun

"Unsere Mitglieder können durch ein positives Votum ein großes Maßnahmenpaket mit auf den Weg bringen", sagt Pelzer mit Blick auf die politischen Hausaufgaben, die der Vorstand des Verbandes beim Landesjugendtag für die nächsten Jahre bekommen könnte. Mit dazu gehört die Aufgabe, auch in politischen Gesprächen das Thema Jugendarbeitslosigkeit auf die Agenda zu heben und die Politik aufzufordern, sich mit den Problemen der betroffenen jungen Menschen auseinander zu setzen.

Öffentlicher Dienst sollte mit gutem Beispiel voran gehen

Nach den Vorstellungen des Vorstandes der dbb jugend nrw müssen als weiterführende Maßnahme auch Betriebe darin unterstützt werden, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Der Öffentliche Dienst sollte dabei mit gutem Beispiel vorangehen und entsprechend mehr Ausbildungs- wie auch Studienplätze bereitstellen sowie nach Aus­bil­dungs­abschluss eine Übernahmegarantie geben.

Das könne aus Sicht der dbb jugend nrw dazu beitragen, Jugendlichen nach einer schweren Krisenzeit und der damit verbundenen Unsicherheit eine Perspektive zu geben. Zudem steuere es dem Missstand entgegen, dass junge Menschen aufgrund fehlender Ausbildungsplätze in vielen Bereichen des Öffentlichen Dienstes abgewiesen würden, obwohl zugleich zigtausend Stellen unbesetzt seien, weil der Nachwuchs fehle oder die Arbeit für die öffentliche Hand oft nicht attraktiv genug sei. Darum verweist Pelzer auf die Bedeutung des Landesjugendtages: "Unsere Mitglieder können entscheidend die Zukunft mitgestalten."