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Die Ausbildung von Arbeitnehmern im Öffentlichen Dienst
Neben den Beamten, die etwa ein Drittel der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ausmachen, gibt es dort auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Hierzu zählen in erster Linie diejenigen Beschäftigten, die bei einer Behörde tätig sind (z.B. Bund, Länder, Gemeinden). Ihr Arbeitsverhältnis wird durch Tarifverträge und durch Arbeitsverträge geregelt, im Unterschied zum Beamtenverhältnis, das ausschließlich durch Gesetze geregelt wird. Grundlage des Rechts der Tarifbeschäftigten beim Bund und im kommunalen Bereich ist der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst vom 13. September 2005 (TVöD). Für Ausbildungsverhältnisse gelten besondere Tarifverträge. Die Träger unter anderem der Sozialversicherung, der Deutschen Bundesbank und der Rundfunkanstalten haben eigene Tarifhoheit und schließen eigene Tarifverträge.

Der TVöD gilt als einheitliches Recht für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst. Die unterschiedlichen Regelungen zwischen dem Tarifgebiet Ost und West sind auf ein Minimum begrenzt. Im Unterschied zum Beamtenverhältnis kann das Arbeitsverhältnis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst grundsätzlich gekündigt werden. Jedoch sind vor allem ältere Mitarbeiter durch einen besonderen Kündigungsschutz abgesichert. So ist eine ordentliche Kündigung nach Vollendung des 40. Lebensjahres nicht mehr möglich, wenn der Betroffenen 15 Jahre beim Arbeitgeber beschäftigt war. Eine außerordentliche Kündigung - aus wichtigem Grund - bleibt aber auch im Falle des besonderen Kündigungsschutzes weiterhin möglich.

Welche Berufe üben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst aus?
Es gibt Berufe, die nur im Öffentlichen Dienst ausgebildet und nur dort ausgeübt werden können. Das sind alle Beamtenberufe und die Angestelltenberufe in der Verwaltung. Verwaltungsfachangestellte werden speziell für die Aufgaben in Bundesverwaltung, Landesverwaltung und Kommunalverwaltung ausgebildet. Ein weiterer Beruf, der nur im Öffentlichen Dienst erlernt werden kann, ist der Sozialversicherungsfachangestellte. Er wird in einer eigenen Fachrichtung für jede gesetzliche Versicherungsart - Renten-, Unfall-, Krankenversicherung zum Beispiel - ausgebildet. Du kannst in Behörden aber auch „normale“ Berufe erlernen. Denn auch dort fallen Arbeiten an, die nichts mit Verwaltung zu tun haben. Öffentliche Einrichtungen bilden deshalb auch Chemielaboranten, Computerfachleute, Krankenschwestern und -pfleger, Gärtner, Köche oder Kaufleute für Bürokommunikation und viele weitere Berufe aus.

Wo werden Arbeitsnehmer des Öffentlichen Dienstes ausgebildet?
Die Auszubildenden werden im "Dualen System“ ausgebildet, d.h. sie lernen parallel an zwei Orten: im Betrieb / in der Behörde und in der Berufsschule. Auszubildende sind also gleichzeitig Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer und Schülerin oder Schüler. Diese Zweigleisigkeit gilt auch für die Ausbildungsgänge der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst. Der Arbeitgeber stellt die Azubis für eine bestimmte Zeit frei; in dieser Zeit gehen sie dann zur Berufsschule. Der Vorteil der Dualen Berufsausbildung (die übrigens europaweit sehr geschätzt wird) besteht darin, dass der Berufsalltag im Betrieb miterlebt wird und eine theoretische Vor- oder Nachbereitung stattfindet.

Wie lange dauert die Ausbildung?
Die Ausbildungsdauer für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst ist in Abhängigkeit vom jeweiligen Berufsziel unterschiedlich festgesetzt. In der Regel dauert sie etwa drei Jahre.

Welche Zugangsvoraussetzungen sind für eine Beamtenausbildung erforderlich?
Bewerber für Ausbildungsplätze als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst werden allein aufgrund ihrer individuellen Kenntnisse und Fähigkeiten eingestellt. Entscheidend ist die Eignung für den konkreten Arbeitsplatz.

Gibt es ein Auswahlverfahren?
In der Regel erfolgt die Auswahl nach Zeugnisnoten und den Ergebnissen der Einstellungsprüfung, in der z. B. die sprachlichen und logisch-analytischen Fähigkeiten (Rechtschreibung, Sprachbeherrschung, mathematisches Verständnis etc.) sowie Allgemeinwissen (aktuelle politische und gegenwartskundliche Fragen, geschichtliches Wissen), Urteilsvermögen, Merkfähigkeit, Arbeitseffizienz und Arbeitsorganisation geprüft werden. Gegebenenfalls beinhaltet das Auswahlverfahren auch einen mündlichen Teil, wie z. B. eine Diskussionsrunde der Bewerber/innen oder/und ein Vorstellungsgespräch.
Ein Ausbildungsbeispiel: Verwaltungsfachangestellte
Verwaltungsfachangestellte (VFA) sind Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes, arbeiten in den Verwaltungsbehörden des Bundes, der Bundesländer, der Kommunen, anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, seltener auch in Kirchenverwaltungen der evangelischen oder katholischen Kirche. Dort sind sie als Sachbearbeiter bzw. Bürosachbearbeiter (Bundesverwaltung) tätig.

Verwaltungsfachangestellte - Voraussetzung
Die meisten Ausbildungsbehörden stellen überwiegend Auszubildende mit einem mittleren Bildungsabschluss (Realschule, Wirtschaftsschule, Fachoberschulreife…) ein, die Zahl der Hauptschüler ist verschwindend gering. Darüber hinaus lässt sich auch ein ansteigender Trend von Abiturienten verzeichnen, die als Auszubildende Verwaltungsfachangestellte eingestellt werden.

Fachrichtungen - Verwaltungsfachangestellte
Verwaltungsfachangestellte werden je nach Art der Behörde bei der sie beschäftigt sind in unterschiedlichen Fachrichtungen ausgebildet.
Bundesverwaltung (z. B. Bundesministerien, Bundesämter, Wasser- und Schifffahrtsämter, Bundeswehr-Dienstleistungszentren)
Landesverwaltung (z. B. Landesministerien, staatliche Landratsämter, Landesforstbehörden)
Kommunalverwaltung (z. B. Stadtverwaltungen, Gemeindeverwaltungen, Verwaltungs­gemeinschaften)
Handwerksorganisation und Industrie- und Handelskammern
Kirchenverwaltung in den Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (Verwaltungen der evangelischen Kirche)


Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellte
Die Ausbildung im dualen System dauert drei Jahre und umfasst praktische Ausbildungsabschnitte in den Ausbildungsbehörden sowie theoretisch in Berufsschule (Blockunterricht), an den Studieninstituten der Bundesländer sowie gegebenenfalls in internen Lehrgängen der Verwaltung. Nach der Ausbildung wird ein Verwaltungsfachangestellter üblicherweise in ein Angestelltenverhältnis übernommen.

Während der praktischen Ausbildungszeit wird der Auszubildende in den verschiedensten Sachgebieten eingesetzt, beispielsweise im Bauamt, Einwohnermeldeamt, Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle und Kasse (Landes- und Kommunalverwaltung). Liegenschaftsmanagement, Controlling, Beschaffungswesen und Personalverwaltung lauten einige Sachgebietsbezeichnungen in Behörden der Bundesverwaltung. Üblich sind Berufsschulblöcke mit einer Dauer von sechs Wochen, von denen zwei pro Ausbildungsjahr stattfinden. Auch wird in jedem Ausbildungsjahr ein Lehrgang am Studieninstitut (z. B. Bayerische Verwaltungsschule, Bundeswehrverwaltungsschule…) besucht.

Industrie- und Handelskammern sowie Handwerksorganisationen bilden in der Regel fachspezifische Verwaltungsfachangestellte aus. Für diese Auszubildenden gibt es deutschlandweit nur eine Berufsschule, das Hubertus-Schwartz-Berufskolleg, welches im nordrhein-westfälischen Soest ansässig ist. Lernfelder an der kaufmännischen Berufsschule beinhalten:
- Die eigene Berufsausbildung mitgestalten
- Die Verwaltung in das staatliche Gesamtgefüge einordnen
- Güterbeschaffung rechnergestützt vorbereiten
- Verträge zur Güterbeschaffung schließen und erfüllen
- Personalvorgänge zielorientiert mit gestalten
- Rechtsgrundlagen zur Ermittlung von Einkommen im öffentlichen Dienst anwenden und Arbeitsentgelte berechnen
- Bestände und Wertströme im System der doppelten Buchführung erfassen und dokumentieren
- Verwaltungsleistungen wirtschaftlich erstellen und kundenorientiert anbieten
- Verwaltungsverfahren bürgerfreundlich durchführen
- Rechtseingriffe verwaltungsmäßig vorbereiten, durchführen und überprüfen
- Aufgaben der gewährenden Verwaltung bearbeiten
- Öffentliche Leistungen in alternativen rechtlichen Formen erbringen
- Öffentliche Leistungen finanzwirtschaftlich kontrollieren und steuern
- Staatliches Handeln in nationale und internationale wirtschaftliche Zusammenhänge einordnen

Unterrichtet werden primär juristische Fächer, wie Privat-, Kommunal- und Staatsrecht sowie Haushaltsrecht. In den Berufsschulblöcken werden oft zusätzlich Deutsch, Englisch, Sozialkunde, Verwaltungshandeln / Verwaltungsrecht, Verwaltungsbetriebswirtschaft, Rechnungswesen, Textverarbeitung und ggf. Religion unterrichtet.

Verwaltungsfachangestellte - Prüfungen und Notengebung
Zur Mitte des zweiten Ausbildungsjahres findet eine Zwischenprüfung (drei schriftliche Prüfungen zu je 60 Minuten) statt, deren Ergebnis keinen Einfluss auf die Endnote hat. Die Zwischenprüfung umfasst folgende drei Prüfungsbereiche:
Teil I: Ausbildungsbetrieb, Arbeitsorganisation und bürowirtschaftliche Abläufe
Teil II: Haushaltswesen und Beschaffung
Teil III: Wirtschafts- und Sozialkunde

Die Benotung an den Berufsschulen erfolgt nach dem regulären sechsstufigen Notensystem von sehr gut bis ungenügend. An den Studieninstituten wird eine modifizierte Form des Oberstufen-Punktesystems eingesetzt. Die Ausbildung endet mit einer mehrtägigen Abschlussprüfung am jeweiligen Studieninstitut. Diese besteht aus vier schriftlichen Prüfungen zu je ca. 120 Minuten in rechtswissenschaftlichen Fächern und einer praktischen Prüfung von etwa 40 Minuten, einschließlich Vorbereitung. Die Ausbildung gilt am Tag der praktischen Prüfung als abgeschlossen, soweit diese bestanden wird. Ein Freispruch wie in anderen Berufen ist nicht notwendig. Die Abschlussprüfung umfasst folgende Prüfungsbereiche:
- Verwaltungsbetriebswirtschaft
- Personalwesen
- Verwaltungsrecht und Verwaltungsverfahren
- Wirtschafts- und Sozialkunde
- Fallbezogene Rechtsanwendung (prakt. Prüfung)

Verwaltungsfachangestellte - Nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung werden Verwaltungsfachangestellte üblicherweise als Bürosachbearbeiter in einer Abteilung der jeweiligen Verwaltung eingesetzt. Ihre Vergütung erfolgt nach den für die Behörde geltenden Tarifverträgen. Sie nehmen damit Aufgaben der vorbereitenden, teilweise auch einfachen ausführenden Sachbearbeitung (Bürosachbearbeitung) wahr, etwa vergleichbar mit denen der mittleren Beamtenlaufbahn. Verwaltungsfachangestellte sind jedoch nicht zwingend auf eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst festgelegt. Da der Beruf des Verwaltungsfachangestellten eine Vielzahl von kaufmännischen Ausbildungsinhalten enthält, ist ebenso eine Verwendung in der Privatwirtschaft möglich. Darüber hinaus kann der Verwaltungsfachangestellte die typischen kaufmännischen Weiterbildungen wie z. B. zum Betriebswirt oder Fachkaufmann absolvieren.

Verwaltungsfachangestellte - Aufstiegsmöglichkeiten
Nach einer Mindestzeit von zumeist vier Jahren kann ein Verwaltungsangestellter sich für einen Aufstiegslehrgang (Angestelltenlehrgang II) in seiner Dienststelle bzw. deren Geschäftsbereich bewerben. Wurde die Angestelltenprüfung I bzw. die Abschlussprüfung zum Verwaltungsfachangestellten nicht mit mindestens der Gesamtnote „gut“ abgeschlossen, ist die Teilnahme an einem Zulassungsverfahren notwendig. Nach der sich anschließenden Ausbildung in einem Studieninstitut / Verwaltungsschule sind die Absolventen befähigt, auch gehobene berufliche Tätigkeiten wahrzunehmen (vergleichbar: gehobener Beamtenlaufbahn). Ihre neue Berufsbezeichnung lautet: Verwaltungsfachwirt.