Alarmierende Finanzierungskrise und ihre Folgen für die AIDS-Prävention
Das Ziel ist groß: Bis zum Jahr 2030 soll es AIDS kaum mehr geben. Doch die Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen, schmelzen: Die Aidshilfen stehen weltweit vor einer „historischen Finanzierungskrise“, wie UNAIDS anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember bekannt gibt. Was heißt das – auch für uns?
Es gibt Krankheiten, die einst die Menschheit bedrohten, heute jedoch als ausgerottet gelten. Die Pocken zählen dazu, und auch Kinderlähmung gehört zu den Erkrankungen, die man hofft, durch konsequente Impfung ausrotten zu können. Die elf UN-Organisationen, die sich zu UNAIDS zusammengeschlossen haben, hegen diesen Traum auch in Bezug auf AIDS. Sie arbeiten daran, den Erreger, der die unbehandelt tödliche Krankheit AIDS auslöst, verdrängen zu können, sodass es kaum mehr Neuinfektionen geben würde.
”Wir wissen selbst als Jugendverband, wie stark der eigene Wirkradius von finanzieller Unterstützung abhängig ist.
Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw
Es gibt viele Projekte, die sich an unterschiedliche Zielgruppen innerhalb dieses Themenkomplexes richten. Auch bei der Aidshilfe Düsseldorf, die schon seit vielen Jahren fester Kooperationspartner der dbb jugend nrw ist, ist das der Fall. „Die Arbeit und die Projekte, die wir durchführen, sind auf viele Jahre ausgelegt. Denn kurzfristig lässt sich nicht viel erreichen. Es braucht Zeit, um Hilfsstrukturen und Angebote zu festigen“, sagt Yvonne Hochtritt von der Aidshilfe Düsseldorf. Was solche Hilfe jedoch ins Wanken bringt, sind Mittelkürzungen.
„Wir können diese Not nachempfinden. Als gewerkschaftlicher Jugenddachverband wissen wir aus der eigenen Arbeit, wie massiv der Wirkradius von finanzieller Unterstützung aus den eigenen Strukturen heraus und auch aus öffentlichen Mitteln bestimmt wird“, sagt Nicole Schorn, Vorsitzende der dbb jugend nrw, einem festen Kooperationspartner der Aidshilfe Düsseldorf. „Darum haben wir schon öfter durch Aktionen Spenden zusammengeholt, die wir als kleine Unterstützung an die Aidshilfe in Düsseldorf weitergeben konnten“, betont sie.
Denn klar ist, dass es große strukturelle Herausforderungen z. B. bei der Finanzierung der Aidshilfe-Angebote gibt. Kürzungen bei kommunalen oder staatlichen Fördermitteln bedrohen Beratungsstellen, Test- und Präventionsangebote.
Alarmierende Statistiken
Wichtigster Standpfeiler der Arbeit – gleich ob in Düsseldorf, im Land Nordrhein-Westfalen oder weltweit betrachtet – ist es, die HIV-Prävention auszubauen. Über niederschwellige Angebote arbeiten Hilfsorganisationen daran, marginalisierte Gruppen oder solche mit erschwertem Zugang zum Gesundheitswesen mit Informationen und Hilfsmitteln wie Kondomen zu versorgen, aufzuklären und so das Informationsleck zu schließen. „Wir alle befürchten einen Anstieg von Infektionen, wenn wir solche Präventionsarbeit nicht weiter leisten können“, sagt Hochtritt.
Denn auch in Deutschland zeigt sich, dass die Zahl der Neuinfektionen mit HIV wieder zunimmt. Die Zahl der Menschen mit HIV in Deutschland lag Ende 2024 bei 97.700. Von diesen sind etwa 8.200 HIV-Infektionen noch nicht diagnostiziert, heißt es beim Robert-Koch-Institut. 2.300 Personen haben sich nach Schätzungen des RKI im Jahr 2024 mit HIV infiziert, etwa 200 mehr als im Jahr 2023. Daher seien leicht zugängliche Testangebote wichtig, sowie Maßnahmen, die die Testbereitschaft fördern und die Kenntnis von Infektionsrisiken. Denn etwa ein Drittel aller neu diagnostizierten HIV-Infektionen wurde 2024 erst mit einem fortgeschrittenen Immundefekt diagnostiziert, fast jede fünfte Infektion sogar erst mit dem Vollbild AIDS. „Von Entwarnung hierzulande ist das weit entfernt“, hält Schorn fest.
Die soziale Dimension
Zudem müssen laut der Weltgesundheitsorganisation Ungleichheiten angegangen werden — etwa für besonders gefährdete Gruppen (z. B. junge Frauen, LGBTQ+ oder Drogengebraucher/innen) –, damit alle Zugang zu HIV-Prävention, Testung und Behandlung haben. Innovationen, wie beispielsweise neue Medikamente, zu denen Langzeit-Injektionen gehören, sollen besser zugänglich gemacht werden. Dazu ist es notwendig, die Finanzierung von Projekten über nationale Bemühungen hinaus auf Basis internationaler Zusammenarbeit sicherzustellen und Finanzierungslücken zu schließen.
Gleichzeitig geht es um die soziale Absicherung von HIV-positiven Menschen – z. B. diskriminierungsfrei versorgt zu werden, Schutz ihrer Rechte im Gesundheitswesen, faire Behandlung und Zugang zu sozialen Leistungen. Auch wenn HIV heute chronisch behandelbar ist und Menschen mit HIV in vielen Lebensbereichen „normal“ leben können – Diskriminierung und Vorurteile sind oft immer noch alltäglich.
„Es gibt also noch jede Menge zu tun. Wir stehen dabei Seite an Seite mit der Aidshilfe Düsseldorf, die für uns schon viele Jahre zuverlässiger Ansprechpartner ist“, sagt Schorn.
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