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Behörden setzen auf KI: Warum jetzt der Mensch wichtiger wird

Behörden setzen auf KI: Warum jetzt der Mensch wichtiger wird

Öffentlicher Dienst
31. Juli 2026

Der Staat bekommt eine neue Stimme. Seit die Behördennummer 115 ihren KI-Chatbot in den Regelbetrieb übernommen hat, beantwortet künstliche Intelligenz erstmals flächendeckend Verwaltungsfragen. Was nach technischem Fortschritt klingt, ist zugleich der Auftakt einer politischen Debatte über die Zukunft der Arbeit im Öffentlichen Dienst.

Die Pilotphase in Essen und Berlin ist abgeschlossen. Jetzt hat die Behördennummer 115 den Regelbetrieb ihres KI-Chatbots begonnen. Behörden sind somit ab sofort rund um die Uhr zu erreichen, denn am anderen Ende sitzt kein Mensch, sondern ein Chatbot, der unabhängig von Uhrzeiten immer in Betrieb ist. Entwickelt wurde dieses KI-System gemeinsam mit mehreren Kommunen. Es soll die Mitarbeitenden von wiederkehrenden Standardanfragen entlasten und ihnen mehr Zeit für komplexe Anliegen verschaffen.

„Genau dort liegt das Potenzial von Künstlicher Intelligenz“, sagt Nicole Schorn, Landesvorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). „Sie sollte Beschäftigte von Routineaufgaben entlasten, damit mehr Zeit für die Aufgaben bleibt, die Fachwissen, Erfahrung und den direkten Kontakt mit Menschen erfordern.“

Der Fachkräftemangel verschwindet nicht, wenn wir ihn mit Software überdecken.

Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw

Auch an anderer Stelle hat Künstliche Intelligenz Einzug in den Öffentlichen Dienst gehalten. In der Justiz arbeiten mehrere Bundesländer an KI-Anwendungen wie „ALeKS“, „JANO“ oder „MAKI“. Die Systeme sollen Urteile und Akten auswerten, Dokumente strukturieren oder Richterinnen und Richter bei der Recherche unterstützen. Einig ist man sich darüber, dass weiterhin der Mensch die Entscheidung trifft. Künstliche Intelligenz liefert Unterstützung, jedoch keine Urteile. Künstliche Intelligenz kann Verwaltungsabläufe beschleunigen. Verantwortung übernimmt sie jedoch nicht. „Gerade in Anbetracht des Fachkräftemangels ist das eine sinnvolle Unterstützung“, sagt Schorn.

Künstliche Intelligenz im Öffentlichen Dienst soll Beschäftigte entlasten

Genau darin sieht die dbb jugend nrw den entscheidenden Maßstab. KI darf nicht zum Ersatz für Personal werden. Denn auch die beste Technologie braucht Menschen, die ihre Ergebnisse prüfen, rechtlich einordnen und letztlich die Verantwortung tragen. „Wer den Fachkräftemangel allein mit Software lösen will, verkennt die Anforderungen an einen leistungsfähigen Rechtsstaat“, betont die Landesvorsitzende. „Denn der Fachkräftemangel verschwindet nicht, wenn wir ihn mit Software überdecken“, betont Schorn.

KI könne Beschäftigte unterstützen und Prozesse vereinfachen. Sie dürfe aber niemals als Begründung dafür dienen, Personal abzubauen. „Ein leistungsfähiger Öffentlicher Dienst braucht auch in Zukunft gut ausgebildete Menschen, die Verantwortung übernehmen“, betont Schorn.

dbb jugend nrw: KI darf keinen Personalabbau rechtfertigen

Gleichzeitig verändert KI die Anforderungen an die Beschäftigten. Wer heute eine Ausbildung beginnt oder neu in den Öffentlichen Dienst einsteigt, wird seine gesamte berufliche Laufbahn mit KI-Systemen arbeiten. Deshalb reicht es nicht aus, neue Anwendungen bereitzustellen. Junge Beschäftigte müssen lernen, wie diese Systeme funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und welche Verantwortung mit ihrem Einsatz verbunden ist. Ebenso wichtig ist ihre Beteiligung, wenn Behörden neue KI-Anwendungen einführen.

Diese Forderungen greift die dbb jugend nrw in ihrem Positionspapier zum Einsatz Künstlicher Intelligenz auf. Der Jugendverband fordert unter anderem verbindliche Qualifizierungsangebote, eine konsequente Beteiligung von Personalräten sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen und klare Leitplanken für den KI-Einsatz. KI muss nach Auffassung des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes dazu beitragen, den Öffentlichen Dienst als Arbeitgeber zukunftsfähig zu machen und die Beschäftigten spürbar zu entlasten.

KI-Kompetenz wird zur Schlüsselqualifikation für junge Beschäftigte

Dass dieser Weg auch politisch gewollt ist, zeigt ein Blick auf die Bundesverwaltung. Sowohl das Bundesministerium für Arbeit und Soziales als auch das Bundesministerium des Innern haben Leitlinien veröffentlicht, die einen menschenzentrierten, transparenten und verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz fordern.

„Gerade junge Beschäftigte werden die Digitalisierung der Verwaltung über Jahrzehnte mitprägen“, sagt Schorn. „Deshalb müssen sie heute die Möglichkeit bekommen, KI zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und ihre Einführung mitzugestalten. Wer die Zukunft des Öffentlichen Dienstes sichern will, muss in die Kompetenzen der Menschen investieren – nicht nur in neue Technologien.“

KI-Seminare der dbb jugend nrw zeigen den praktischen Einsatz in Behörden

Wie dieser Anspruch in der Praxis umgesetzt werden kann, steht am 9. und 30. September im Mittelpunkt zweier KI-Seminare der dbb jugend nrw. Von KI-Experten erfahren junge Beschäftigte, welche Möglichkeiten KI in ihrem Arbeitsalltag liefert. Anhand von praxisnahen Beispielen aus der kommunalen Verwaltung wird es darum gehen, wie man mithilfe von KI Wissen zugänglich macht und den Arbeitsalltag konkret entlasten kann – datenschutzkonform und direkt übertragbar.

In einem weiteren Online-Seminar wird es darum gehen, wie KI den Alltag in Städten und Gemeinden verändert. Das Seminar bietet Hintergrundwissen dazu, wie maschinelles Lernen funktioniert und wie sich KI ganz konkret in der kommunalen Praxis nutzen lässt.

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