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Erstes KI-Future-Update: KI ersetzt keine Fachkompetenz

Erstes KI-Future-Update: KI ersetzt keine Fachkompetenz

Seminare
11. September 2026

Ein voller digitaler Seminarraum und „Wer KI gut nutzen will, muss mehr können als prompten.“ Was zunächst wie eine steile These klingt, wurde beim ersten KI-Future-Update der dbb jugend nrw schnell zum roten Faden des Abends. Künstliche Intelligenz verändert nicht nur einzelne Arbeitsabläufe. Sie verändert den Umgang mit Wissen – und damit auch die Anforderungen an Beschäftigte.

„In der Geschäftsstelle hätte unser erstes KI-Future-Update nicht stattfinden können. Unsere Räumlichkeiten wären viel zu klein gewesen“, freut sich die Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW, Nicole Schorn, über die große Zahl der Teilnehmenden. Bewusst hatte der gewerkschaftliche Jugenddachverband dieses Online-Wissens-Modul über die normalerweise bestehende Altersgrenze hinaus geöffnet.

„Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) geht uns alle an, gleich welcher Berufserfahrung, welchen Alters oder ob privat oder im beruflichen Kontext. Gerade als gewerkschaftlich organisierte Ehrenamtliche brennt es uns auf der Seele, die Dinge hinter den Dingen zu begreifen. Nur dann schaffen wir es, sie im Job zu durchdringen und mitzugestalten“, sagt Schorn. „Gelingen kann das nur, wenn Menschen mit Fachwissen KI steuern und wissen, was sie da tun.“

”KI ersetzt also keine vorhandene Kompetenz, sondern verstärkt sie.

Dr. Carsten WeißKI-Experte VHS Oberhausen

Denn KI kann zwar viel, doch sie weiß nicht, was wir wissen. Das wurde beim erfolgreichen KI-Future-Update der dbb jugend nrw mit Dr. Carsten Weiß, Fachbereichsleiter „Beruf und IT” an der Volkshochschule Oberhausen deutlich. „KI funktioniert anders als ein menschliches Gehirn und der Umgang mit ihr erfordert mehr als nur gute Prompts zu schreiben“, bringt er es auf den Punkt.

Neue Anforderungen an Beschäftigte

In einer Welt, in der KI nicht nur Arbeitsabläufe, sondern auch den Umgang mit Wissen verändert, bekommt Fachwissen und kritisches Denken eine besondere Bedeutung. Deshalb ging es beim Future-Update der dbb jugend nrw nicht nur um Trends beim Arbeiten mit KI, sondern auch darum, wie Beschäftigte KI sinnvoll und selbstbewusst einsetzen können, um einen echten Mehrwert zu schaffen.

„Der Umgang und der Einsatz von KI ist wie Lesen, Schreiben und Rechnen eine Kulturtechnik“, sagt Weiß. Wie auch beim Benutzen von Google braucht man eigentlich keinen Kurs, um sie zu nutzen. „KI wird sehr unspektakulär in unseren Alltag einfließen“, hält er fest. Anstatt nur Suchbegriffe einzugeben, tritt man in den Dialog mit der KI. Es werden Ergebnisse weiterentwickelt und hinterfragt.

Praktische Methoden für bessere Ergebnisse

KI ist nicht nur ein Werkzeug, sondern ein Partner oder „Agent“, der nach den benötigten Informationen fragt und so den Entscheidungsprozess bereichern kann – das zeigte Weiß live in praktischen Anwendungen. Seine Tipps, um Ergebnisse von KI zu verbessern: Reverse Prompting nutzen. Dabei wird die Künstliche Intelligenz angeregt, Fragen zu stellen, bevor sie eine Antwort liefert. Durch Cross-Checks über verschiedene KI-Modelle könne man zudem gegenprüfen und Abweichungen sichtbar machen. Auch Metaprompts sind oftmals nützlich, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen.

„Gerade im Öffentlichen Dienst ist dies von Bedeutung, denn eine gut formulierte Antwort ist nicht gleichbedeutend mit einer richtigen Antwort“, so Weiß.

Qualität durch Kompetenz

Wichtiger Kern des Online-Seminars ist die Erkenntnis, dass die Qualität der KI-Unterstützung maßgeblich von der Kompetenz der Nutzerin bzw. des Nutzers abhängt. Fachwissen und Erfahrung sind entscheidend, um möglichst brauchbare Ergebnisse zu erzielen. „KI ersetzt also keine vorhandene Kompetenz, sondern verstärkt sie“, betont Weiß. Darum sei es wichtig und sinnvoll, Auszubildenden wie auch Beschäftigten die Möglichkeit und auch die Zeit zu geben, Probleme auch ohne KI bearbeiten zu können.

Lernpsychologische Untersuchungen zeigen, dass sich bei Nutzung von KI die Reproduktion von Wissen auf magere 15 Prozent reduziert. Sich Problemstellungen selbst durch Skizzen oder schriftliche Vorarbeiten zu nähern, macht Ergebnisse behaltbarer, weiß man aus der Forschung. Ein solches Vorgehen sorge nicht nur für mehr Originalität und Authentizität, sondern fördere das eigene kritische Denken und die Urteilskompetenz, so Weiß.

Gestaltung statt Hype

Das Online-Seminar machte deutlich, dass die Nutzung von KI im Öffentlichen Dienst durch Kompetenz, Kontext und Verantwortung geprägt sein muss. Wer KI einsetzen möchte, muss grundlegende Fragen klären: Welche Daten dürfen verarbeitet werden? Wo muss ein Mensch entscheiden? Wie wird sichergestellt, dass KI tatsächlich entlastet?

„Das ist unser Kernthema in diesem Jahr, das wir in unserem Positionspapier, in politischen Gesprächen und in unseren im September laufenden Online-Seminaren fokussieren“, sagt Schorn.

Ausblick auf das nächste Update

Am 30. September geht es mit dem zweiten KI-Future-Update der dbb jugend nrw weiter. Prof. Christian Kuhlmann spricht darüber, wie KI nicht nur Arbeitsprozesse, sondern ganze Städte transformieren kann. Die Veranstaltung richtet sich an alle Beschäftigten im Öffentlichen Dienst und lädt zu einer breiten Diskussion über die Herausforderungen und Potenziale der KI ein. Denn, so betont Schorn: „Die Veränderung durch Künstliche Intelligenz im Öffentlichen Dienst ist nicht nur eine technologische Frage – sie ist eine Frage der Gestaltung.“

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