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Gefährdet im Dienst: Warum Frauen besonderen Schutz brauchen

Gewalt gegen Beschäftigte
25. November 2025

Der Orange Day und die Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ der dbb jugend nrw machen gemeinsam auf ein zentrales gesellschaftliches Problem aufmerksam: Gewalt gegen Menschen im öffentlichen Raum und insbesondere gegen diejenigen, die im Öffentlichen Dienst arbeiten. Auch in der Bezirksregierung Düsseldorf wird dieses Thema sehr ernst genommen. Sabine Mansour, Gleichstellungsbeauftragte der Behörde, engagiert sich seit vielen Jahren dafür, für diese Formen von Gewalt zu sensibilisieren und Betroffene zu unterstützen.

„Schaut man auf die Kampagne ‚Gefahrenzone Öffentlicher Dienst‘ und die Arbeit der Bezirksregierung, sieht man schnell, dass die Zielgruppen zwar unterschiedlich sind, die Problemlage jedoch identisch bleibt“, erklärt Nicole Schorn, Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). Sie ist anlässlich der Internationalen Orange Days eingeladen, um das langjährige Projekt der dbb jugend nrw in der Bezirksregierung vorzustellen. Die Orange Days sind eine weltweite Kampagne der Vereinten Nationen, die auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam macht.

Gewalt kann verschiedene Spuren hinterlassen. Wir erleben zuvor sehr leistungsfähige Kolleginnen, die sich plötzlich innerlich zurückziehen oder deutliche Veränderungen zeigen.

Sabine MansourGleichstellungsbeauftrage Bezirksregierung Düsseldorf

Geschlecht und Beruf wirken häufig als miteinander verbundene Risikofaktoren. „Frauen im Öffentlichen Dienst sind besonders häufig von verbaler und körperlicher Gewalt betroffen“, betont Schorn. Eine Studie des DBB NRW aus dem Jahr 2019 liefert dazu frühe belastbare Zahlen: Frauen in Kommunalverwaltungen sind nahezu doppelt so oft wie Männer von externer Gewalt betroffen. Bei sexueller Belästigung, Einschüchterung oder körperlicher Gewalt liegt ihre Betroffenheit sogar um das Vierfache höher.

Bezirksregierung handelt – seit Jahren

Auch die Bezirksregierung Düsseldorf setzt sich seit 2020 intensiv mit dieser Thematik auseinander. „Wer sich mit dem Orange Day und mit Gewalt gegen Frauen beschäftigt, stößt unweigerlich auch im Arbeitskontext darauf“, sagt Mansour. Gemeinsam mit ihrem Team arbeitet sie daran, Frauen in der Behörde besser zu schützen – und auch diejenigen zu unterstützen, die im häuslichen Umfeld Gewalt erleben. In Einzelfällen seien auch Männer betroffen.

„Es gibt Situationen, in denen Kolleginnen von häuslicher Gewalt betroffen sind und dies bis in den Arbeitsalltag wirkt“, berichtet Mansour. Über interne Kampagnen, das Intranet und vielfältige Öffentlichkeitsarbeit macht die Bezirksregierung ihr Beratungs- und Unterstützungsangebot sichtbar. „Die Orange Days sind für uns eine hervorragende Gelegenheit, um aktiv auf unsere Ansprechbarkeit rund um das Thema Gewalt an Frauen hinzuweisen.“

Ansprechbar, unterstützend, vernetzt: Hilfe im Ernstfall

Im Laufe der Jahre ist ein belastbares Hilfsnetzwerk entstanden, das sowohl behördenintern als auch mit externen Partnern gut funktioniert – darunter der Weiße Ring, Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser und psychologische Dienste. Nach einem ersten, häufig sehr emotionalen Gespräch leitet das Team der Gleichstellungsbeauftragten Betroffene gezielt an spezialisierte Fachstellen weiter.

„Wichtig ist uns, eine vertrauensvolle Anlaufstelle zu sein, zu begleiten – etwa beim Stellen einer Strafanzeige – und gleichzeitig im Haus für Sensibilisierung zu sorgen“, erklärt Mansour. So habe es beispielsweise ein Seminar zum Thema „Belästigung am Arbeitsplatz“ gegeben, an dem sich erfreulicherweise auch viele männliche Kollegen beteiligten.

Übergriffe im Alltag beginnen oft im Kleinen

Gewaltsame oder übergriffige Situationen können aus ganz unterschiedlichen Umständen entstehen: Karneval sei ein typisches Beispiel, aber auch Alltagssituationen, in denen ein Kollege gar nicht bemerkt, dass er eine Kollegin durch vermeintlich nette Angebote oder kleine Geschenke bedrängt. „Wir erleben, dass Kolleginnen, die zuvor sehr leistungsfähig waren, plötzlich innerlich zurückziehen oder deutliche Veränderungen zeigen“, berichtet Mansour. Solche Signale, von Kolleginnen, Kollegen oder Freundeskreisen wahrgenommen, können entscheidend sein, um ein erstes Gespräch zu eröffnen.

Ein wichtiges Signal nach innen: „Unsere Null-Toleranz-Haltung gegenüber Gewalt im eigenen Haus ist die Grundlage unserer Arbeit“, betont Mansour. Es sei essenziell, das Thema sichtbar zu machen – so wie es auch die Kampagne der dbb jugend nrw und die Landesinitiative „Sicher im Dienst“ tun. „Wir kommen nur weiter, wenn wir hinsehen und ein Bewusstsein füreinander entwickeln. Gerade beim Thema Gewalt brauchen wir den Schulterschluss, um eine Zukunft zu schaffen, in der sich jede und jeder sicher fühlt.“

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