Junge Menschen unterschätzen Infektionsrisiken
Die Bereitschaft, Verhütungsmittel zu benutzen, ist bei jungen Menschen gesunken – das zeigen Zahlen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Für die Aidshilfe ist das ein weiterer alarmierender Trend. Denn offenbar hat die Angst vor sexuell übertragbaren Krankheiten abgenommen. Die dbb jugend nrw möchte hier gegensteuern.
Die sexuelle Gesundheit junger Menschen steht vor neuen Herausforderungen. Während Ängste vor HIV abnehmen, steigen andere Risiken. Eine gewisse Sorglosigkeit greift um sich. „Während man in den 80ern nach einer Infektion wusste: ‚Du hast noch zwei bis drei Jahre zu leben‘, stehen uns heute wirkungsvolle Medikamente zur Verfügung, die die Viruslast so weit senken, dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar ist“, erklärt Yvonne Hochtritt von der Aidshilfe Düsseldorf. Unter einer kontinuierlichen Therapie sind sowohl das Ansteckungsrisiko als auch der Ausbruch von AIDS gebannt – ein normales Leben ist möglich.
”Sorglosigkeit greift bei jungen Menschen um sich. Präventivarbeit bei jungen Menschen – an Schulen und über Netzwerke – ist wichtig, um HIV-Infektionen und der Ausbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten entgegenzuwirken.
Rufin KendallAidshilfe Düsseldorf
Das ist eine gute Nachricht. Gleichzeitig breiten sich jedoch andere sexuell übertragbare Krankheiten weiter aus, weil sich viele junge Menschen in trügerischer Sicherheit wiegen und auf Kondome verzichten. „Das macht Präventionsarbeit besonders wichtig“, betont Rufin Kendall, Leiter des Bereichs „Beratung und Youthwork“. Die Aidshilfe Düsseldorf setzt daher weiterhin auf Aufklärung, persönliche Gespräche – etwa an Schulen – und auf eine starke Netzwerkarbeit, um neue Zielgruppen zu erreichen.
dbb jugend nrw unterstützt mit Spende
Seit vielen Jahren unterstützt die dbb jugend nrw diese Arbeit nach Kräften. „Heute tun wir das mit einer kleinen finanziellen Hilfe“, sagt Nicole Schorn, Vorsitzende der dbb jugend nrw. Bei einem Besuch in der Geschäftsstelle der Aidshilfe Düsseldorf übergab sie einen Spendenscheck über 400 Euro. Der Betrag stammt aus einer Tombola beim Landesjugendtag, die gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern organisiert wurde, und wurde aus Eigenmitteln aufgerundet.
Digitale Ausstattung für moderne Aufklärung
Die Aidshilfe freute sich über die Spende, die als Grundstock für eine bessere Medienausstattung in der Präventionsarbeit dienen soll. „Um junge Menschen zeitgemäß ansprechen zu können, brauchen wir zum Beispiel ein Stativ, ein Tablet und ähnliche Ausstattung“, erklärt Kendall. Damit könne man in Zukunft etwa Expertinnen oder Kolleginnen online zuschalten und Workshops lebendiger gestalten.
Neben der finanziellen Unterstützung hob Schorn auch die inhaltliche Zusammenarbeit hervor. Besonders präsent sei vielen Mitgliedern noch ein Workshop, den die Aidshilfe beim Landesjugendausschuss der dbb jugend nrw durchführte. „Damals war unter anderem eine Ehrenamtlerin dabei, die selbst HIV-positiv ist. Sie hat sehr offen über ihren Weg zur Diagnose und über die Folgen gesprochen und sich den Fragen unserer jungen Mitglieder gestellt“, erinnert sich Schorn.
Kooperation, die wirkt – auch in Zukunft
Auch künftig sollen solche Veranstaltungen stattfinden. Anknüpfungspunkte gibt es genug: Die Aidshilfe ist beispielsweise in Justizvollzugsanstalten, Ordnungsämtern oder bei der Feuerwehr mit Informationsworkshops aktiv. „Seit Corona erreichen uns aus verschiedenen Behörden wieder vermehrt Anfragen“, berichtet Hochtritt. Dort kommen Beschäftigte oft mit Fragen zu HIV, Übertragungswegen oder anderen sexuellen Gesundheitsthemen in Kontakt.
Die Bandbreite möglicher Kooperationen ist groß. Ob Fragen zur sexuellen Identität, zu Infektionsrisiken, zu Solidarität oder zu einem respektvollen Umgang miteinander – all das sind Themen aus dem Alltag junger Menschen. „Uns geht es darum, Offenheit zu fördern, Respekt zu stärken und Prävention besonders unter jungen Menschen weiter voranzubringen“, sagt Schorn.
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