KI braucht klare Regeln – nicht nur gute Software
Die KI sortiert Anträge, formuliert einen Text oder schlägt die passende Antwort vor. Klingt praktisch. Aber was passiert, wenn der Vorschlag falsch ist? Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst. Hamburg hat deshalb zehn Leitlinien für den Einsatz von KI verabschiedet. Der Kerngedanke: Die Maschine darf unterstützen – die Verantwortung bleibt beim Menschen.
Für Beschäftigte könnte das künftig zum ganz normalen Arbeitsalltag gehören: Ein KI-System übernimmt einen Teil der Recherche, erstellt einen Entwurf oder bewertet Informationen. Die Arbeit verschwindet dadurch nicht unbedingt – sie verändert sich. Aus „selbst bearbeiten“ wird teilweise „prüfen, einordnen und korrigieren“.
Der Stadtstaat Hamburg hat deshalb bereits im Jahr 2024 Leitlinien formuliert, mit denen er sicherstellt, dass Menschen KI-Ergebnisse überprüfen und bei Bedarf eingreifen können. Gleichzeitig sollen Beschäftigte die nötigen digitalen Kompetenzen für den Umgang mit KI erwerben.
„KI-Leitlinien, wie wir sie in Hamburg finden, sind eigentlich der erste Schritt, den Verwaltungen gehen müssen, bevor sie KI einsetzen“, sagt Nicole Schorn, Vorsitzende der dbb jugend nrw. „Denn die Einführung von KI sollte nicht mit einer Softwarelizenz beginnen, sondern mit klaren Zuständigkeiten, guter Qualifizierung und verbindlichen Regeln. Nur dann wird aus technischer Innovation auch ein echter Fortschritt für Beschäftigte sowie Bürgerinnen und Bürger“, betont Schorn.
”KI-Einsatz darf nicht mit einer Softwarelizenz beginnen, sondern mit klaren Zuständigkeiten, guter Qualifizierung und verbindlichen Regeln.
Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw
Der Grund: KI kann zwar einen Vorschlag machen. Sie kann aber nicht erkennen, welche Konsequenzen eine falsche Entscheidung für einen Menschen haben kann. Dafür braucht es weiterhin Fachwissen und Verantwortung.
Aus Anwendern werden Prüfer
Auch die KommunalAgentur NRW weist darauf hin, dass Beschäftigte beim Einsatz von KI nicht außen vor bleiben dürfen. Sie empfiehlt unter anderem menschliche Kontrolle, nachvollziehbare Prozesse und klare Verantwortlichkeiten.
Für die Arbeitswelt bedeutet das vor allem eines: Wer KI nutzt, braucht nicht weniger Fachwissen, sondern teilweise anderes. Wer beispielsweise einen von einer KI erstellten Text übernimmt, muss erkennen können, ob darin Fehler stecken. Wer sich Informationen zusammenstellen lässt, muss beurteilen können, ob die Auswahl stimmt. Und wer eine Entscheidungsvorlage erhält, muss wissen, wann er ihr nicht folgen darf.
„KI verändert Arbeitsabläufe. Deshalb müssen Verwaltungen ihre Organisationsstrukturen weiterentwickeln. Beschäftigte dürfen mit dieser Veränderung nicht allein gelassen werden. Wer Verantwortung trägt, braucht auch die notwendigen Kompetenzen und klare Rahmenbedingungen“, erklärt Schorn.
KI soll Arbeit abnehmen – nicht Verantwortung
Genau daraus leitet die dbb jugend nrw ihre Forderungen ab: Beschäftigte brauchen verbindliche Regeln für den Einsatz von KI, ausreichende Qualifizierung und eine echte Beteiligung von Personalräten sowie Jugend- und Auszubildendenvertretungen. Vor allem muss klar sein, welche Entscheidungen nicht an eine KI delegiert werden dürfen.
KI im Öffentlichen Dienst: Entlastung statt Ersatz
Gerade für junge Beschäftigte liegt darin eine Chance. Wenn eine KI Routinen übernimmt, kann mehr Zeit für die Aufgaben bleiben, bei denen Erfahrung, Kommunikation und menschliches Urteilsvermögen zählen.
„Beschäftigte brauchen keine KI, die sie ersetzt. Sie brauchen eine KI, die ihnen den Rücken freihält. Digitalisierung gelingt nur dann, wenn Technik, Qualifizierung und Mitbestimmung gemeinsam gedacht werden“, betont Nicole Schorn und sagt weiter: „Die spannende Frage ist deshalb nicht, ob Künstliche Intelligenz künftig Aufgaben übernimmt. Das wird sie. Die Frage ist, welche Aufgaben wir ihr geben – und welche besser bei uns bleiben.“
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