KI im Öffentlichen Dienst: zwischen Entlastung und neuen Risiken
Künstliche Intelligenz soll den Arbeitsalltag erleichtern – und ist längst in den Verwaltungen angekommen. Doch statt Entlastung sorgt sie auch für neue Herausforderungen und zusätzlichen Aufwand. Beim Landesjugendausschuss der dbb jugend nrw in Königswinter berichten junge Beschäftigte, wo der Einsatz von KI zu Problemen führt.
In Königswinter kamen junge Beschäftigte aus den verschiedensten Arbeitsbereichen des Öffentlichen Dienstes zum Landesjugendausschuss (LJA) der dbb jugend nrw zusammen. Auf der Agenda: ein Workshop zur Arbeit mit KI im beruflichen Kontext, die immer noch steigende Anzahl an Übergriffen und eine Dankes-Aktion, mit der zum 77. Jahrestag des Grundgesetzes das Scheinwerferlicht auf die fallen soll, die Tag für Tag durch ihre Arbeit im Öffentlichen Dienst unsere Verfassung mit Leben füllen.
Künstliche Intelligenz (KI) soll den Arbeitsalltag erleichtern – und ist längst in den Verwaltungen angekommen. Was nach Effizienzgewinn klingt, entwickelt sich in der Praxis jedoch häufig zur Belastungsprobe. Beim LJA der dbb jugend nrw wurde deutlich: Der Einsatz von KI im Öffentlichen Dienst steht noch am Anfang – und wirft jede Menge Fragen auf.
KI im Verwaltungsalltag: viel Potenzial, viele offene Fragen
Zwei Tage lang diskutierten die jungen Beschäftigte aktuelle Herausforderungen ihres Berufsalltags. Im Fokus: ein Workshop, geleitet von Juristin Constanze Brinkmann, zum Einsatz von KI im beruflichen Kontext. Die Erfahrungen der Teilnehmenden zeichnen ein differenziertes Bild.
Viele arbeiten bereits seit rund zwei Jahren mit KI-Tools. Die Entwicklung ist rasant: mehr Funktionen, mehr Einsatzmöglichkeiten – aber auch mehr Unsicherheit. Denn Ergebnisse wirken oft plausibel, sind jedoch nicht automatisch korrekt. Der zusätzliche Prüfaufwand wächst und konterkariert damit den eigentlichen Zweck der Technologie.
Zwischen Effizienz und Risiko
Hinzu kommen praktische Hürden im Arbeitsalltag, die zeigen: KI ist kein Selbstläufer. Fehleranfällige Prozesse, missverständliche Ergebnisse und neue Formen von Arbeitsaufwand gehören zu den Erfahrungen, die viele der Teilnehmenden schildern.
Chatbots, bei denen Anruferinnen und Anrufer im Kreis geschickt werden. Auch Terminbots, die Termine nicht korrekt vergeben und dadurch unnötige Wartezeiten und Bürgerunzufriedenheit nach sich ziehen, gehören zu den ersten Erfahrungen, die öffentliche Verwaltungen mit dem Einsatz der eigentlich als Entlastung gedachten Technologie machen. Oftmals ebenfalls eine Hürde: Stellungnahmen von Bürgern, die hochgestochen juristisch klingen, sich aber auf Gesetze beziehen, die es gar nicht gibt. Die Folge: zusätzlicher Aufwand im überlasteten Behördenalltag statt Entlastung.
Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten unbestritten. KI kann strukturieren, formulieren, zusammenfassen. Sie hilft bei E-Mails, Berichten, Terminplanung oder Übersetzungen. Gerade im Bereich Wissensmanagement und bei kreativen Prozessen sehen viele großes Potenzial.
Neben praktischen Problemen spielen auch rechtliche Fragen eine zentrale Rolle. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und Urheberrecht sind beim Einsatz von KI besonders sensibel. Entsprechend vorsichtig agieren viele Bedienstete. Die zentrale Erkenntnis des Workshops: KI ist ein Werkzeug – kein Ersatz für Fachwissen. Wer sie nutzt, muss Ergebnisse kritisch hinterfragen und einordnen können.
Gewalt im Öffentlichen Dienst bleibt Dauerthema
Neben der Digitalisierung rückte ein weiteres Thema in den Fokus: die steigende Gewalt gegen Beschäftigte im Öffentlichen Dienst. Aktuelle Zahlen und Berichte über schwere Übergriffe unterstreichen die Brisanz. Die Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ (www.angegriffen.info), die 2026 ihr zehnjähriges Bestehen feiert, macht diese Entwicklung sichtbar. Über einen anonymen Kummerkasten können Betroffene ihre Erlebnisse schildern – ein wichtiges Instrument, um das tatsächliche Ausmaß von Angriffen zu dokumentieren. Einträge aus diesem Kummerkasten machen sichtbar, was in der Realität auch abseits von Medienberichten immer wieder passiert.
Engagement für die Gesellschaft
Trotz aller Herausforderungen richtet sich der Blick nach vorn. Rund um den 23. Mai, den Tag des Grundgesetzes, initiiert die dbb jugend nrw eine landesweite Dankeschön-Aktion. Ziel ist es, die Arbeit der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst sichtbar zu machen und Wertschätzung auszudrücken.
Zwischen dem 16. und 31. Mai werden junge Beschäftigte in ganz NRW Kolleginnen und Kollegen in den Behörden mit kleinen Gesten des Dankes überraschen. Die Botschaft: Der Öffentliche Dienst trägt das gesellschaftliche Miteinander – jeden Tag. Denn die öffentlich Bediensteten sind die, die das Grundgesetz mit Leben füllen, unser Land tagtäglich am Laufen halten und das gesellschaftliche Miteinander möglich machen.
Die Ausstattung für diese Aktion, Dankeschön-Karten und einen kleinen süßen Dank zum Verteilen, konnten die Delegierten in Königswinter mitnehmen. Sie kann auch im Vorfeld der Aktion noch in der Geschäftsstelle der dbb jugend nrw abgeholt oder bestellt werden. (Mail an mail@dbbjnrw.de)
Auch personell gab es Veränderungen: Jan Hebig trat als kooptiertes Mitglied der Landesjugendleitung zurück. Das Gremium setzt seine Arbeit künftig als sechsköpfiges Team fort.
Der LJA in Königswinter zeigt deutlich, wo der Öffentliche Dienst aktuell steht: zwischen digitalem Fortschritt und realen Herausforderungen. Künstliche Intelligenz bietet große Chancen, doch ihr Einsatz erfordert klare Regeln, Kompetenzen und einen kritischen Umgang. Nur dann kann sie tatsächlich zur Entlastung werden.
→ Mehr Fotos gibt es hier. Und wir sind sicher, dass es einen Grund dafür gibt, dass auf einem der Gruppenfotos alle ihren Schlafanzug tragen.
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