Nachgefragt bei Tobias Steimer
Als Tobias Steimer seinem Gewerkschaftsvorsitzenden die Kündigung auf den Tisch legt, ahnt er nicht, dass genau das der Startschuss für sein Gewerkschaftsengagement werden würde. Heute ist er Bezirkssprecher beim BSBD, Mitglied der dbb jugend nrw-Landesjugendleitung und brennt dafür, Dinge anzupacken. Ein Gespräch über Verlässlichkeit, Veränderung – und eine umgebaute Garage als Fitnessstudio.
Steckbrief Tobias Steimer
Wie alt
31
Wohnort?
Kreis Heinsberg
Familienstand?
verheiratet, keine Kinder – aber einen Hund 🙂
Gewerkschaftlich aktiv seit?
In die Gewerkschaft eingetreten bin ich gleich am ersten Tag meiner Tätigkeit in der JVA. Aktiv bin ich jedoch erst seit vier Jahren. Im Herbst 2023 wurde ich BSBD-Bezirksjugendsprecher Süd, zuvor war ich schon im Ortsverband aktiv. In der Personalvertretung bin ich bereits seit 5 Jahren.
Fachgewerkschaft?
BSBD-Jugend NRW
Bei der dbb jugend nrw aktiv seit?
Seit 2023 bin ich Beisitzer der KJG Aachen und seitdem auch bei der dbb jugend nrw aktiv.
Mit welchen Eigenschaften würdest du dich beschreiben?
Ich bin sehr anpassungsfähig und kann mich gut auf Leute einlassen. Ich bin zuverlässig – wenn ich etwas verspreche, dann halte ich es – sowie humorvoll und empathiefähig.
Warum bist du gewerkschaftlich aktiv geworden?
Ich wollte etwas verändern. Verrückterweise hat meine Gewerkschaftsarbeit eigentlich damit angefangen, dass ich dem BSBD-Vorsitzenden meine Kündigung gebracht habe und ihm gesagt habe, dass ich nicht wahrnehme, dass etwas passiert.
Ich versuche, Dinge zu optimieren und Fortschritt zu erzielen. Stillstand ist Rückschritt, finde ich. Ich möchte hingegen Kollegen unterstützen. Das wurde im Gespräch damals deutlich – und ich bin in die Arbeit eingestiegen.
Hast du persönliche Vorbilder?
Meinen Vater, weil er immer für uns da war. Wir sind drei Jungs zu Hause. Er hat gemeinsam mit meiner Mutter immer versucht, uns ein sorgenloses Leben zu ermöglichen. Mein Vater hat viel und hart gearbeitet.
Wann ist ein Gewerkschafter ein guter Gewerkschafter?
Ein guter Gewerkschafter sollte nicht nur das Gefühl vermitteln etwas verändern zu wollen und nur reden, sondern es auch tun. Er sollte sich nicht hinter Worten verstecken, sondern sichtbar sein und mit anpacken. Bei Demos selbst auf der Straße sein etc.
Was bringt dich auf die Palme?
Unpünktlichkeit. Ich versuche selbst verlässlich zu sein und schätze das auch bei anderen.
Welchen Fehler kannst du bei anderen am leichtesten entschuldigen?
Wenn man etwas vergessen hat. Ich kenne das selber – man hat oft so viele Dinge im Kopf und vergisst am Ende was. Die Welt wird immer schneller und fördert das. Darum habe ich dafür Verständnis, wenn das einem anderen passiert.
Stört dich das schlechte Image von Gewerkschaftern bei Arbeitgebern?
Das kenne ich aus der Personalvertretung: Wer nicht meckert, ändert nichts. Das ist leider notwendig, um Umdenken in Gang zu bringen. Das versuche ich mit meiner Arbeit zu erreichen. Wichtig ist mir allerdings, sich für alle einzusetzen und nicht nur für die Beamten oder umgekehrt die Tarifbeschäftigten.
Deine Stärken?
Verlässlichkeit, Empathie, Anpassungsfähigkeit.
Deine Schwächen?
Wenn ich etwas versuche zu verbessern, will ich oft zu viel. Ich neige manchmal dazu lange vor mich hin zu verbessern und verliere das eigentliche Ziel aus den Augen.
Dein bislang größter Erfolg?
Ich finde, dass ich schon viele große Ziele erreicht habe. Ich habe eine tolle Frau geheiratet, wir haben ein Haus, ich habe die Verbeamtung auf Lebenszeit bekommen und ich habe viel durch meinen Vater mit auf den Weg bekommen.
Dein bislang größter Flop?
Mein Studium nach dem Abitur. Ich habe angefangen, Bauingenieurwesen zu studieren und dann aber doch recht schnell gemerkt, dass das nichts wird. Glücklicherweise habe ich aus diesem Flop etwas Gutes gemacht.
Was machst du gerne in deiner Freizeit – außer ehrenamtlich arbeiten natürlich?
An unserem Haus werkeln. Ich habe die Garage umgebaut in ein eigenes Home-Gym. Denn ich mache gerne Sport. Spazierengehen mit dem Hund steht auch auf der Liste der Lieblingsbeschäftigungen ebenso wie selbst Pizza zu backen oder sich mit Freunden zu treffen.
Ohne was kommt ein Gewerkschafter nicht aus?
Vernetzung, ein gutes Miteinander und so mit anderen ins Gespräch zu kommen. Auch gute Ohren stehen einem Gewerkschafter gut und die Traute, mit der Politik ins Gespräch zu gehen – zum Beispiel bei unserer Sicherheitskonferenz. Man sollte versuchen aktiv zu gestalten. „Sei ein Macher!“
Was soll dir mal nachgesagt werden?
Der Tobi, das war einer, der hat sich für uns eingesetzt. Der hört nicht nur gut zu, sondern der macht auch.
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