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„Sicherheit kostet Geld, aber Unsicherheit kostet Menschenleben“

Gewalt gegen Beschäftigte
7. Februar 2026

Der brutale Tod eines Bahnmitarbeiters in Rheinland-Pfalz erschüttert das Land und macht erneut deutlich, wie gefährlich die Arbeit im Öffentlichen Dienst geworden ist. Die dbb jugend nrw fordert entschlossenes Handeln für mehr Sicherheit, Respekt und Schutz für alle, die täglich im Dienst der Gesellschaft stehen. Warum Symbolpolitik jetzt nicht mehr reicht und welche Schritte wirklich nötig sind.

Es herrscht bundesweites Entsetzen: Der tödliche Angriff auf einen Bahnmitarbeiter in Rheinland-Pfalz hat erneut gezeigt, wie gefährlich Arbeit im Öffentlichen Dienst ist. Der 36 jährige Zugbegleiter wurde von einem Fahrgast ohne Ticket brutal attackiert, nachdem er diesen aufgefordert hatte, den Zug zu verlassen. Wenig später erlag er seinen schweren Verletzungen.

Jeder tödliche Übergriff auf einen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ist ein Drama für die Gesellschaft – und ein Tiefschlag für die Demokratie.

Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw

„Es lässt uns fassungslos zurück, dass Menschen ihr Leben lassen müssen, nur weil sie ihren Job machen“, sagt Nicole Schorn, Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). Dass dies kein Einzelfall ist, zeige ein Blick auf andere tödliche Übergriffe der vergangenen Jahre. „Ob im kommunalen Dienst, bei der Polizei oder im Bahnverkehr – immer wieder werden Menschen angegriffen, die ihre Arbeit zum Wohl der Gesellschaft tun.“

Die Tragödie in Rheinland-Pfalz hinterlässt nicht nur Angehörige und Kolleginnen und Kollegen in tiefer Trauer. Sie legt zugleich offen, dass es um die Sicherheit im Öffentlichen Dienst längst nicht mehr gut bestellt ist. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder betonte nach dem Vorfall: „Wir müssen gemeinsam mehr tun für den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein.“

Zahl der Übergriffe sinkt einfach nicht

Nur wenige Tage zuvor war in Hamburg ein Zugbegleiter zusammengeschlagen worden, weil er einem Mann den Zugang zu einem Dienstraum verweigerte. Im Jahr 2025 registrierten die Bundespolizeidirektionen Bremen und Hannover 113 Delikte gegen Zugpersonal und Busfahrer – nahezu auf Vorjahresniveau. Zahlreiche Maßnahmen wie Alkoholverbote, Sicherheitsdienste, Überwachung und Präventionskurse wurden bereits eingeführt. Trotzdem bleibt das Problem bestehen.

„Das Klima wird rauer“, sagt Schorn. „Immer häufiger stoßen Menschen, die im öffentlichen Auftrag handeln, auf Aggression und Gewalt.“ Die dbb jugend nrw macht seit Jahren darauf aufmerksam: Gewalt darf kein alltägliches Berufsrisiko sein. Jede und jeder, der im Öffentlichen Dienst arbeitet – ob im Zug, im Rathaus oder in einer Klinik – hat Anspruch auf Sicherheit und Respekt. „Sicherheit kostet Geld, aber Unsicherheit kostet Menschenleben“, bringt es Schorn auf den Punkt.

Was nach Auffassung der dbb jugend nrw jetzt passieren muss

Nach Ansicht der gewerkschaftlichen Jugenddachorganisation braucht es deshalb ein entschlossenes Vorgehen auf mehreren Ebenen. Angriffe auf Beschäftigte müssen konsequenter strafrechtlich verfolgt und härter sanktioniert werden. Arbeitgeber müssen verbindliche Schutz und Nachsorgekonzepte schaffen, die über kurzfristige Reaktionen hinausgehen. Ebenso wichtig sind eine bessere Prävention, regelmäßige Schulungen und eine verlässliche Unterstützung der Beschäftigten, wenn sie Opfer von Gewalt werden. Nur so kann langfristig ein Arbeitsumfeld entstehen, das Sicherheit und Würde gewährleistet.

Die Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ der dbb jugend nrw steht für Solidarität, Aufklärung und ein klares Nein zu Gewalt. Sie zeigt: Gewalt gegen Beschäftigte betrifft uns alle – sie trifft den Staat im Innersten seines Handelns.

„Wir brauchen mehr als nur Signale“

Die Deutsche Bahn hat nach dem tödlichen Angriff rasch reagiert. DB-Chefin Evelyn Palla und DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld äußerten sich erschüttert und kündigten an, Sicherheit neu zu denken. Van Zijderveld nannte dabei konkrete Punkte: mehr Schulungen in Deeskalation, den verstärkten Einsatz von Bodycams und mehr Personal in Nahverkehrszügen. Zudem wolle man mit den Bundesländern über höhere Sicherheitsstandards sprechen.

Nicole  Schorn erkennt darin zwar wichtige Signale, kritisiert jedoch die Unverbindlichkeit: „Diese Punkte greifen zwar bestehende Maßnahmen auf, zeigen aber auch eine strukturelle Schwäche. Die Verantwortung für Sicherheit wird zwischen Bahn und Politik hin- und hergeschoben.“ Sicherheit dürfe aber nicht vom Budget eines Bundeslandes abhängen – sie ist Teil der Fürsorgepflicht eines Arbeitgebers.

Diese Maßnahmen braucht es, um die Sicherheit zu verbessern

Bodycams und Schulungen können helfen, Konflikte zu entschärfen, lösen aber das Grundproblem nicht: den sinkenden gesellschaftlichen Respekt gegenüber Beschäftigten. „Neben technischer Prävention braucht es eine starke gesellschaftspolitische Offensive gegen Gewalt“, fordert Schorn. Die Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ (www.angegriffen.info) liefert dafür bereits einen wichtigen Beitrag.

Die Forderung nach mehr Personal an Bord gilt aus Sicht der dbb jugend nrw als zentraler Baustein – und als überfällig. „Wer allein unterwegs ist, trägt auch allein das Risiko“, so Schorn. Sicherheit entstehe nicht durch Kameras, sondern durch Menschen.

Langfristig, so die dbb jugend nrw, könne nur ein umfassendes Maßnahmenpaket helfen, das auch die Gesellschaft in die Verantwortung nimmt. Dazu gehören bundesweite Melde- und Erfassungssysteme für Gewaltvorfälle ebenso wie gezielte Prävention und Aufklärung.

„Jeder Mensch, der sein Leben in Ausübung seines Jobs verliert, hinterlässt nicht nur ein familiäres Drama“, sagt Schorn. „Es ist ein Drama für die Gesellschaft – und ein Tiefschlag für die Demokratie. Denn zum Schutz und zum Wohl dieser Demokratie treten jeden Tag Menschen ihren Dienst im Öffentlichen Dienst an. Sie verdienen nicht nur Achtung, sondern Sicherheit.“

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Der Orange Day und die Kampagne „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“ der dbb jugend nrw machen gemeinsam auf ein zentrales gesellschaftliches Problem aufmerksam: Gewalt gegen Menschen im öffentlichen Raum und insbesondere gegen diejenigen, die im Öffentlichen Dienst arbeiten. Auch in der Bezirksregierung Düsseldorf wird dieses Thema sehr ernst genommen. Sabine Mansour, Gleichstellungsbeauftragte der Behörde, engagiert sich seit vielen Jahren dafür, für diese Formen von Gewalt zu sensibilisieren und Betroffene zu unterstützen.
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