Sicherheitskonferenz: Jeden Tag Gewalt, Drohungen und Angst
Bespuckt, mit Fäkalien beworfen und oft mit ungutem Gefühl abends vor die Bürotür treten – solche Erlebnisse sind nicht weit weg. Sie passieren jeden Tag um uns herum an Arbeitsplätzen im Öffentlichen Dienst. Was konkret im Argen liegt, machte die 11. Sicherheitskonferenz der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW sichtbar.
Polizei, Ordnungsamt, in den Justizvollzugsanstalten – in manchen Berufen im Öffentlichen Dienst geht es besonders heftig zu. Übergriffe und Bedrohungen werden hier von Außenstehenden oft sogar als „zum Beruf dazugehörend“ beschrieben. Tatsächlich aber – darauf machte auch die Sicherheitskonferenz der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw) aufmerksam – hat jeder ein Anrecht darauf, seinen Arbeitsplatz unversehrt zu verlassen – ganz gleich, in welchem Bereich man arbeitet.
„Es ist Aufgabe von Arbeitgebern und Dienstherren alles in ihrer Kraft Stehende dafür zu tun. Denn in allen Bereichen des Öffentlichen Dienstes arbeiten Menschen für das Gemeinwohl – für alle also“, betont Nicole Schorn, Vorsitzende der dbb jugend nrw.
”Es ist wichtig, immer wieder nachzujustieren und drängende Probleme in Sachen Sicherheit im Dienst sichtbar zu machen und anzusprechen.
Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw
„Sicherheit und Strafvollzug gehen Hand in Hand“, so bringt es Horst Butschinek, Vorsitzender des Bunds der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands in Nordrhein-Westfalen (BSBD NRW) auf den Punkt. Die Beschäftigten, die sich im Strafvollzug engagieren, seien also wichtiger Teil der inneren Sicherheit in unserem Land, die umgekehrt jedoch auch unter möglichst sicheren Voraussetzungen arbeiten sollten. In den Räumen des BSBD NRW fand die Sicherheitskonferenz diesmal statt.
Es ist viel passiert, seit die dbb jugend nrw vor beinahe zehn Jahren die steigende Zahl von Übergriffen bei der Arbeit auf ihren Radar nahm: Das Problem als solches ist öffentlich sichtbar geworden – nicht zuletzt durch die Kampagne der dbb jugend nrw „Gefahrenzone Öffentlicher Dienst“. Das Thema ist bis in die Politik vorgedrungen, es haben sich Netzwerke gebildet und es wurden gesetzliche Voraussetzungen geschaffen, die die Lage verbessern.
Input der Teilnehmenden findet Eingang in politische Forderungen
„Dennoch ist es wichtig geblieben immer wieder nachzujustieren und weiterhin bestehende Probleme in Sachen Sicherheit im Dienst zu identifizieren. Das ist Voraussetzung dafür, sich wandelnde Gefährdungslagen wahrzunehmen und so überhaupt für Abhilfe sorgen zu können“, resümiert Vorsitzende Schorn. Darum sei es von besonderer Bedeutung, immer wieder den Input aus eigenen Reihen zu bekommen. „Alles, was im Rahmen der Kampagne passiert und was wir politisch in Angriff nehmen, entstammt eurem Input“, betont die Vorsitzende gegenüber den zahlreichen Teilnehmenden.
Schockierend allerdings war das, was dann aus den Reihen der jungen Gewerkschafter/innen zu hören war. Es gab niemanden, der nichts zu berichten hatte. Von bedrohlichen Situationen im Außendienst war zu hören, in denen in einem bestimmten Moment zwei große Hunde herausgeholt wurden. Demütigende Überreaktionen, bei der einer jungen Beschäftigten ein ganzer Stapel Papier ins Gesicht geworfen wurde – weil sie einen Wunschtermin nicht erfüllen konnte.
Einen gewissen Schutz könnten zumindest in Büros Notrufknöpfe bieten. Doch was, wenn diese bereits seit mehreren Jahren nicht mehr funktionieren? Was tun, wenn bauliche Maßnahmen keine sicheren Fluchtmöglichkeiten zulassen? Was anstellen, wenn „Kunden“ plötzlich die Tür versperren? All das sind Situationen, von denen die jungen Mitglieder der dbb jugend nrw berichteten und in denen sie sich eine Lösung wünschen würden.
Psychische Folgen von Übergriffen unterschätzt
Deutlich wurde daneben, wie unterschätzt die Häufigkeit psychischer Folgen ist, die aus ständigen Bedrohungen und dem Erleben von Angriffen resultieren. „Wichtig ist dann zu wissen, dass es in vielen Behörden und Abteilungen sogenannte ‚psychosoziale Notfallversorgung‘ gibt oder speziell geschulte Kolleginnen und Kollegen, die in solch psychischen Notlagen eine erste Anlaufstelle sein können“, sagt Tobias Steimer, stellvertretender Vorsitzenden der dbb jugend nrw. Ergänzend könne beispielsweise auch das Gespräch mit Freunden neben professionellen Angeboten entlasten. Wichtig aber immer: Selbst den Blick dafür zu öffnen, dass belastende Situationen im Job zum Hamsterrad im Kopf werden können.
So auch das Resümee einer jungen Teilnehmerin: „Mir ist klar geworden, dass wir eine Gruppierung im Öffentlichen Dienst sind, die besonders oft unter psychischen Belastungen leidet. Weil man einfach schnell in Situationen kommt, in denen man Gewalt gegenübersteht – und es ist nicht immer körperliche Gewalt. Und ich habe mich immer gefragt, warum die Krankenkassen für den Öffentlichen Dienst so intensiv mit einem guten Zugang zu psychischer Unterstützung werben.“
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