Tarifrunde Länder: Das Maß ist voll! Großdemo in NRW macht Druck
16.000 demonstrieren in Düsseldorf
Zwei Runden – kein Ergebnis: Für die Beschäftigten an Schulen, Unikliniken und vielen anderen Teilen der Landesverwaltung ist das Maß voll. In Düsseldorf machten 16.000 von ihnen vor der unmittelbar bevorstehenden dritten Verhandlungsrunde mit einer eindrucksvollen Großdemonstration ihrem Unmut Luft.
Trillerpfeifen schrillen, der Platz vor dem Finanzministerium, auf dem die Auftaktveranstaltung des dbb in Düsseldorf stattfindet, ist in Magenta getaucht. – Ein klares Warnsignal der Tarifbeschäftigten der Länder an die Arbeitgeber: „So nicht weiter!“ Denn in Potsdam geht es ab morgen (11. Februar) nach zwei ergebnislosen Tarifrunden wieder an den Verhandlungstisch. Es geht um die Löhne von 1,2 Millionen Angestellten. Die Forderung: ein Plus von sieben Prozent.
”Wir kämpfen nicht nur für uns. Wir kämpfen auch für die, die nach uns kommen.
Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw
Im Hintergrund dröhnt der Song „Heute ist kein Arbeitstag – heute ist Streiktag!“ Zahlreiche Justizbeschäftigte, Lehrerinnen und Lehrer, Beschäftigte der Finanzverwaltungen der Polizei sind gekommen. Auch kleinere Fachgewerkschaften, wie beispielsweise der Bund der Kriminalbeamten, haben sich auf den Weg gemacht. Und das nicht ohne Grund.
Sie alle wissen, dass es nicht nur um dringend nötige Gehaltsanpassungen geht, sondern auch darum, den Öffentlichen Dienst attraktiv zu halten. „Ohne konkurrenzfähige Bezahlung verlieren wir die Menschen, die unser Gemeinwohl am Laufen halten“, bekräftigt Roland Staude, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes Nordrhein-Westfalen (DBB NRW).
„Wir brauchen eine funktionierende öffentliche Verwaltung“
Das Augenmerk liegt dabei speziell auf den Nachwuchskräften. „Viele junge Menschen fragen sich: Warum in den Öffentlichen Dienst gehen, wenn andere Branchen bessere Bedingungen bieten?“, hält Nicole Schorn, Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw), fest und erntet in ihrer Ansprache von der Bühne vor dem Finanzministerium laut hörbare Zustimmung.
Junge Menschen für den Öffentlichen Dienst zu begeistern sei fundamental für einen weiterhin funktionierenden Staat. „Ohne Nachwuchs keine Bildung, keine Feuerwehr, keine Finanzbeamte, keine funktionierende Verwaltung“, bringt sie es auf den Punkt. So steht es auch auf einem von weitem sichtbaren Banner, mit dem die dbb jugend nrw zur Demo erschienen ist: „Ohne Nachwuchs geht hier nichts vorwärts!“
Darum fordert die Jugend 200 Euro mehr im Monat für Auszubildende, Studierende, Praktikantinnen und Praktikanten, aber auch eine unbefristete Übernahme. „Weil Sicherheit kein Luxus ist, sondern Voraussetzung dafür, dass junge Menschen bleiben!“, ruft Schorn bejubelt in die Menge der Demonstrierenden. Andernfalls laufe man Gefahr, dass Fachkräfte dorthin gingen, wo Bezahlung und Arbeitsbedingungen besser seien.
Von der Bühne vor dem Finanzministerium setzte sich der Tross der Demonstrierenden Richtung Landtag zur gemeinsamen Großkundgebung von dbb und ver.di in Bewegung.
Was aus den Forderungen der Gewerkschaften wird, wird sich ab morgen abzeichnen. Im Vorfeld zeigt sich ein kleiner Hoffnungsschimmer, ein angemessenes Angebot auf dem Potsdamer Verhandlungstisch vorzufinden. Hamburgs Finanzsenator, Andreas Dressel, der als Verhandlungsführer für die Länder am Tisch sitzt, signalisierte jedenfalls gegenüber dem Handelsblatt, dass eine Bewegung der Arbeitgeber möglich sei. „Die Tarifbeschäftigten jedenfalls haben sich heute sichtbar bewegt – nicht nur auf der Straße, sondern auch argumentativ“, sagt Schorn und blickt erwartungsvoll auf die weiteren Gespräche: „Wir kämpfen nicht nur für uns selbst. Wir kämpfen für die, die nach uns kommen.“
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Hier sind noch mehr Fotos von der Großdemo in Düsseldorf.
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