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Was das Ehrenamt jetzt braucht – und was die Politik (noch) liefern muss

Gesellschaftspolitik
28. November 2025

Die Bundesregierung will das Ehrenamt stärken – so steht es seit rund 200 Tagen im Koalitionsvertrag. Auch die dbb jugend nrw hat die Stärkung des Ehrenamts schon lange im Blick. „Wenn junge Menschen aufhören würden, sich in ihrer Freizeit für die Gesellschaft zu engagieren, würde in unserem Land vieles stillstehen“, mahnt die Vorsitzende des Verbandes, Nicole Schorn. Zeit also, einmal genau hinzuschauen.

Ehrenamt ist kein Freizeitspaß für zwischendurch. Es ist Verantwortung, Engagement, Haltung – und für viele junge Menschen im Öffentlichen Dienst ein ganz normaler Teil ihres Alltags. „Deshalb haben wir als dbb jugend nrw schon vor einer ganzen Weile klar gemacht, was sich ändern muss, damit Ehrenamt nicht zur Belastung, sondern zur Chance wird und ein Positionspapier dazu verfasst“, sagt Schorn.

Jetzt bewegt sich etwas: Die Bundesregierung hat einige Vorhaben zur Stärkung des Ehrenamts bereits beschlossen oder in Aussicht gestellt. Klingt gut – aber wie viel davon passt zu dem, was die dbb jugend nrw in ihrem Positionspapier fordert? Und was fehlt noch?

Ehrenamt ist der Motor unserer Gesellschaft. Wir müssen die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, bestmöglich unterstützen.

Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw

Was bereits verbessert wurde:

Mehr Geld ohne Steuerstress

Die Ehrenamtspauschale steigt von 840 auf 960 Euro, die Übungsleiterpauschale von 3.000 auf 3.300 Euro im Jahr. Das heißt: Wer sich ehrenamtlich engagiert, kann etwas mehr steuerfrei bekommen.

Weniger Bürokratie für Vereine

Kleine Vereine müssen künftig weniger Belege sammeln, Buchhaltung wird einfacher, und wirtschaftliche Einnahmen bleiben bis zu 50.000 Euro steuerfrei.

Haftungsfragen werden entschärft

Wer für seine ehrenamtliche Arbeit bis zu 3.300 Euro im Jahr bekommt, soll künftig besser vor persönlicher Haftung geschützt sein.

Trotz der guten Nachrichten bleiben viele wichtige Punkte aus dem Positionspapier offen. Dazu zählt unter anderem:

Ehrenamtliche Erfahrung muss im Beruf zählen

Ehrenamtlich erworbene Kompetenzen sollten im Öffentlichen Dienst anerkannt werden – zum Beispiel bei Bewerbungen, Erfahrungsstufen oder Beförderungen. „Im Gespräch mit der Landespolitik wurde uns zwar vermittelt, dass solche Soft Skills häufig indirekt eine Rolle spielen“, sagt Schorn. Dennoch findet sie, dass sie zu harten Kriterien werden sollten. Denn wer durch eine Leitungsposition im Verein oder Verband seine Führungskompetenzen schon unter Beweis gestellt hat oder wer durch Rhetorikschulungen im Ehrenamt Zusatzqualifikationen erworben hat, der sollte diese auch im Beruf anerkannt bekommen, findet die Vorsitzende des gewerkschaftlichen Jugenddachverbandes. Kompetenzen sind schließlich Kompetenzen – egal, wo sie erworben wurden. Was der gewerkschaftliche Dachverband in der Sache bemängelt: Es gibt keine gesetzlichen Ansätze, das Ehrenamt als Kompetenzfaktor zu werten. Dabei stärkt es genau die Fähigkeiten, die im Öffentlichen Dienst gebraucht werden: Organisation, Verantwortung, Kommunikation.

Aufwandsentschädigung für alle steuerfrei machen

Was bislang weiter unberücksichtigt bleibt: Auch wenn die Höhe der steuerfreien Pauschalen im Ehrenamt grundsätzlich steigt – immer noch bleiben sie für gewerkschaftlich Engagierte steuerpflichtig. „Das ist unserem Empfinden nach nicht gerecht“, sagt Schorn. Wer sich in einer Jugendgewerkschaft engagiert, sollte zumindest bis zur Höhe der Übungsleiterpauschale keine Steuern auf seine Entschädigung zahlen müssen.

Anspruch auf Sonderurlaub fürs Ehrenamt

Derzeit wird Sonderurlaub für ehrenamtliche Tätigkeiten von Arbeitgebern und Dienstherren gegeben, sofern dem keine beruflichen Gründe entgegenstehen – oder solche geltend gemacht werden. „Wer verlässlich für sein gesellschaftliches Engagement im Ehrenamt zur Verfügung stehen will, braucht Planbarkeit. Darum fordern wir, die ‚Kann‘-Regelung in einen echten gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub zu wandeln“, betont Schorn. Bisher jedoch sei das kein Thema auf Bundes- und auch nicht auf Landesebene, moniert Schorn. Gerade junge Leute, die noch kein großes Zeitpolster haben, brauchen eine klare Freistellungsmöglichkeit – nicht nur auf dem Papier, sondern im echten Arbeitsalltag.

Ehrenamt darf nicht staatliche Aufgaben ersetzen

Ehrenamt soll ergänzen – nicht kompensieren. Der Staat darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen, indem er freiwilliges Engagement als Lückenfüller nutzt. Zwar hat die Politik bislang immer mal wieder darüber geredet, doch ist es nie in die Umsetzung gegangen und gesetzlich abgesichert worden. „Es fehlt an einem echten Konzept, wie Ehrenamt geschützt und nicht überlastet wird. Sonst wird aus Engagement Überforderung“, sagt Schorn.

In Summe zeige dies, dass trotz der Verbesserungen, die die Politik in Sachen Ehrenamt bereits erzielt habe, noch reichlich Luft nach oben sei. Darum werde der gewerkschaftliche Jugenddachverband seine Treffen im politischen Raum weiterhin nutzen, um diese Anliegen durchzusetzen. Schorn weiter: „Ehrenamt ist der Motor unserer Gesellschaft. Wir müssen die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, bestmöglich unterstützen.“

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