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Was Jugendliche mehr brauchen als Likes

Was Jugendliche mehr brauchen als Likes

Jugendpolitik
4. August 2026

Ständig online, immer erreichbar und doch oft auf der Suche nach etwas, das kein Feed ersetzen kann: Gemeinschaft. Eine aktuelle Jugendstudie zeigt, wie sehr sich junge Menschen nach echten Begegnungen sehnen – und warum Jugendverbände heute wichtiger sind denn je.

Fast jeder zweite Jugendliche beneidet vorangegangene Generationen, die ohne Social Media aufgewachsen sind. Likes, Follower und endloses Scrollen ersetzen offenbar für sie keine Freundschaft. Jugendliche sehnen sich nach echter Gemeinschaft und persönlichen Begegnungen, das zeigt die JIMplus-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (mpfs).

So nutzen 82 Prozent der Jugendlichen soziale Medien als wichtigen Zugang zu Wissen. Gleichzeitig berichten 72 Prozent, dass Social Media sie von Dingen ablenkt, die sie eigentlich erledigen wollten. 55 Prozent geben an, dass ihnen dadurch Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten fehlt. Die häufigste Folge des Dauerscrollens ist eine nachlassende Konzentrationsfähigkeit. Besonders bemerkenswert: 47 Prozent der Jugendlichen beneiden inzwischen Generationen, die ohne soziale Medien aufgewachsen sind.

Solidarität lernt man nicht im Feed – sie entsteht dort, wo junge Menschen Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft erleben.

Nicole SchornVorsitzende dbb jugend nrw

Das zeigt: „Das Bedürfnis junger Menschen nach echter Gemeinschaft ist groß, wie wir in der aktuellen Jugendstudie sehen“, sagt Nicole Schorn, Vorsitzende der Deutschen Beamtenbund-Jugend NRW (dbb jugend nrw). „Uns lässt das als gewerkschaftlichen Jugenddachverband aufhorchen, denn es zeigt, dass digitale Medien zwar selbstverständlich zum Alltag gehören. Ebenso wichtig ist es, Kindern und Jugendlichen Orte zu bieten, an denen sie Zusammenhalt erleben, Freundschaft schließen, Verantwortung übernehmen und erfahren, dass sie gemeinsam etwas bewegen können.“ Genau dafür stünden Jugendverbände.

Jugendliche zwischen Social Media und Einsamkeit

Dabei macht die Studie deutlich, dass Jugendliche die Chancen und Risiken digitaler Medien sehr bewusst wahrnehmen. Sie erleben Social Media als Informationsquelle und Ort des Austauschs, gleichzeitig aber auch als Quelle von Vergleichsdruck, problematischen Inhalten und psychischen Belastungen. Umso deutlicher fällt ein weiteres Ergebnis aus: Die größte Zufriedenheit erleben Jugendliche bei gemeinsamen Aktivitäten mit Freundinnen und Freunden. Auch Familie und enge soziale Beziehungen gehören zu den wichtigsten Faktoren für das persönliche Wohlbefinden.

Warum Gemeinschaft für junge Menschen so wichtig ist

Für die dbb jugend nrw ist das mehr als eine interessante Erkenntnis. Die Studie bestätigt, warum Jugendarbeit heute wichtiger ist denn je: „Als gewerkschaftlicher Jugenddachverband ist uns klar, wie unentbehrlich das gute soziale und berufliche Miteinander ist“, sagt Nicole Schorn. „Als junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wissen wir, wie wichtig Zusammenhalt und ein gemeinsames soziales Leben sind. Es schafft Solidarität und Gemeinschaft im Einsatz für gemeinsame Ziele und damit auch mehr Durchschlagskraft.“

Als Mitglied im Landesjugendring NRW ist die dbb jugend nrw Teil eines starken Netzwerks der Jugendverbände in Nordrhein-Westfalen. Ob Sport, Kultur, Umwelt, soziales Engagement, politische Beteiligung oder gewerkschaftliche Jugendarbeit – Jugendverbände schaffen Orte, an denen junge Menschen Freundschaften knüpfen, Verantwortung übernehmen und erleben, was Gemeinschaft bedeutet. Sie bieten genau jene echten Begegnungen, die nach den Ergebnissen der JIMplus-Studie einen wichtigen Beitrag zum Wohlbefinden leisten.

Wie Ehrenamt und Jugendarbeit Solidarität fördern

Für die dbb jugend nrw endet diese Aufgabe nicht bei Freizeitangeboten. Sie begleitet junge Menschen dabei, Demokratie zu erleben, Verantwortung zu übernehmen und Solidarität praktisch zu erfahren. Wer sich ehrenamtlich engagiert oder sich gewerkschaftlich einbringt, lernt zuzuhören, Kompromisse zu finden, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und füreinander einzustehen. Das sind Erfahrungen, die weit über die Jugend hinauswirken.

Gerade für junge Menschen im Öffentlichen Dienst sind diese Kompetenzen von besonderer Bedeutung. Ob in Schulen, Verwaltungen, bei Polizei, Feuerwehr oder in vielen anderen Bereichen: Überall kommt es darauf an, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, Konflikte konstruktiv zu lösen und sich aufeinander verlassen zu können. Die Grundlagen dafür entstehen häufig schon lange vor dem Beruf: im Ehrenamt und in der Jugendverbandsarbeit.

Echte Begegnungen statt endloses Scrollen

Auch deshalb engagiert sich die dbb jugend nrw direkt an Schulen. In Workshops wie „Konflikte lösen“ lernen Schülerinnen und Schüler, respektvoll miteinander umzugehen, Konflikte konstruktiv zu bewältigen und soziale Kompetenzen zu stärken. Denn Gemeinschaft entsteht nicht von allein – sie will gelernt, erlebt und gestaltet werden.

„Wer alleine ist, fühlt sich oft auch so und versinkt leider viel zu häufig in einer digital dominierten Welt oder Scheinwelt“, sagt Schorn. „Es stimmt uns nachdenklich zu wissen, dass die Nutzung digitaler Medien bei Kindern und Jugendlichen zunehmend Raum einnimmt. Es ist wichtig, das im Blick zu halten und durch gemeinsame Angebote schöne und sinnerfüllte Gegenentwürfe zu schaffen.“

Die JIMplus-Studie beschreibt eindrucksvoll die Lebenswirklichkeit junger Menschen im digitalen Zeitalter. Die Antwort darauf liegt jedoch nicht allein in der Diskussion über Bildschirmzeiten oder Altersgrenzen. Sie liegt auch darin, jungen Menschen echte Begegnungen zu ermöglichen. Ehrenamt, Jugendverbände und Projekte zur Förderung sozialer Kompetenzen schaffen Räume, in denen Zusammenhalt wächst und Solidarität erfahrbar wird. Genau darin sieht die dbb jugend nrw ihren Auftrag – heute mehr denn je.

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